Kosovo

01. März 2011 12:21; Akt: 14.04.2011 09:30 Print

Del Ponte will Organhändler aufspüren

Die frühere UNO-Chefanklägerin Carla Del Ponte möchte gegen die Organhändler im Kosovo-Konflikt ermitteln. «Jetzt darf ich wieder reden», sagt sie.

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In ihren Memoiren «Die Jagd - ich und die Kriegsverbrecher» von 2008 über ihre Arbeit als Chefanklägerin des UNO-Tribunals für Jugoslawien hatte Del Ponte bereits Hinweise auf den Organhandel der UCK erwähnt. «Ich habe die Fakten mit den Organen im Buch erwähnt, damit jemand Ermittlungen aufnehmen würde, die wir nicht durchführen konnten», sagte sie der «Neue Zürcher Zeitung» (NZZ).

Als Chefanklägerin des UNO-Tribunals habe sie damals aber keine Rückendeckung für Ermittlungen gehabt. Die politischen Interessen seien anders gewesen, die NATO habe während des Konfliktes mit der UCK kooperiert. Der Zugang zu Dokumenten sei ihr verwehrt gewesen, auch in Albanien.

Gute Dossierkenntnisse

Nun müsse «eine unabhängige, internationale Institution geschaffen werden, die für die Ermittlungen und den Zeugenschutz verantwortlich wäre», sagte die ehemalige Tessiner Staatsanwältin.

«Mich persönlich würde es reizen, diese Kosovo-Ermittlungen zu übernehmen.» Denn sie bringe gute Dossierkenntnisse mit und verfüge auch über die nötigen Beziehungen. Man werde sehen, wie gross der politische Wille dazu sei. Gefordert seien nun die EU und die USA. Die Führungsriege im Kosovo beurteilt Del Ponte sehr kritisch. Deshalb seien die Ermittlungen im Organhandel «enorm wichtig».

Nachdem Del Ponte als Chefanklägerin in den Haag abgetreten war, ging sie als Botschafterin der Schweiz nach Argentinien. Ihr Arbeitgeber, das Aussendepartement in Bern, zeigte sich wenig erfreut über die Memoiren und erteilte ihr ein Redeverbot.

Drei Jahre habe sie sich daran gehalten. «Jetzt darf ich wieder reden, das gefällt mir besser», sagte sie. Del Ponte wurde auf Anfang März in Buenos Aires abgelöst. Nach EDA-Angaben tritt sie in den Ruhestand.

Marty ermittelte weiter

Europarats-Ermittlers Dick Marty war im Kosovo und in Albanien den von Del Ponte erwähnten Gerüchten über den Organhandel nachgegangen. Gemäss dem im Dezember veröffentlichten Marty-Bericht liessen Führer der kosovarischen Befreiungsarmee UCK, unter ihnen der heutige Regierungschef Hashim Thaci, Gefangenen Organe entnehmen und auf dem internationalen Schwarzmarkt verkaufen.

Die Opfer waren demnach Serben oder Kosovaren, die als «Verräter» galten. Anschliessend seien die Gequälten verschwunden. Im Bericht an den Europarat konnte Marty aber keine Beweise vorlegen.

(sda)