Bangkok

04. Oktober 2010 08:27; Akt: 04.10.2010 14:26 Print

Der «Händler des Todes» kämpft weiter

von Kinan Suchaov, AP - Seit mehr als zweieinhalb Jahren sitzt er im Gefängnis und wehrt sich gegen die drohende Auslieferung: der mutmassliche Waffenhändler Viktor Bout. Jetzt stand er wieder vor Gericht.

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Viktor Bout vor Gericht in Bangkok (Bild: AFP)

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Das juristische Tauziehen um die Auslieferung eines in Bangkok inhaftierten mutmasslichen Waffenhändlers an die USA geht weiter. Ein thailändisches Gericht wies am Montag einen Antrag zurück, zusätzliche Anklagepunkte gegen Viktor Bout fallen zu lassen. Dies hatte die US-Regierung beantragt, um eine zügige Auslieferung zu ermöglichen. Das Gericht erklärte jedoch, das entsprechende juristische Verfahren habe bereits begonnen und solle fortgesetzt werden. Ein Termin für die nächste Anhörung wurde zunächst nicht angesetzt. Die USA werfen dem 43-jährigen Bout, der von den Medien «Händler des Todes» genannt wird, illegale Waffengeschäfte unter anderem mit den Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens (FARC) vor.

Bouts Anwalt Lak Nittiwattanawichan sagte, zur Entlastung seines Mandanten stünden für das neue Verfahren 17 Zeugen bereit. Bout erschien am Montag in einer kugelsicheren Weste und unter hohen Sicherheitsvorkehrungen vor Gericht. Der an den Füssen gefesselte 43-Jährige rief den wartenden Journalisten zu, ihn erwarte in den USA mit Sicherheit kein faires Gerichtsverfahren. Der frühere Offizier bei der sowjetischen Luftwaffe sitzt seit mehr als zweieinhalb Jahren in Bangkok im Gefängnis. Ihm droht im Falle einer Verurteilung in den USA eine lebenslange Freiheitsstrafe.

Ende August hatte ein Berufungsgericht seine Auslieferung an die USA angeordnet und damit das anderslautende Urteil einer Vorinstanz aus dem Jahr 2009 aufgehoben. Da die USA zwischen den beiden Urteilen neue Vorwürfe gegen Bout erhoben haben, ist ein juristisches Nadelöhr entstanden, das eine umgehende Auslieferung verhindert. Im August erklärte das Berufungsgericht, die Auslieferung des Russen müsse innerhalb von drei Monaten erfolgen. Moskau protestierte gegen das Urteil und verlangte Bouts Freilassung. Dieser sei ein unschuldiger Geschäftsmann, erklärte die Regierung in Moskau.


2008 in Bangkoker Luxushotel festgenommen

Der 43-Jährige wurde im März 2008 in einem Luxushotel in Bangkok festgenommen. Verdeckte US-Ermittler hatten ihn unter dem Vorwand nach Thailand gelockt, Waffen für die FARC kaufen zu wollen. Während diverser Anhörungen wies Bout sämtliche Vorwürfe wiederholt zurück. Auch am Montag beteuerte er in einem Brief an das thailändische Parlament erneut seine Unschuld. «Ich habe niemals Waffen an irgendjemanden verkauft», heisst es in dem Schreiben, das Bouts Ehefrau an Journalisten verteilte. Die Gerichtsentscheidung zur Auslieferung sei unter politischem Druck zustande gekommen.

Seine Frau Alla Bout rief in einem eigenen Brief den thailändischen Ministerpräsidenten Abhisit Vejjajiva auf, die Auslieferung ihres Mannes zu stoppen. Ihr Mann sei zu Unrecht als «grösster illegaler Waffenhändler der Welt» gebrandmarkt worden. Abhisit hatte in der vergangenen Woche angekündigt, er werde in dem politisch brisanten Fall das letzte Wort haben.

Bout soll Vorbild für den Spielfilm «Lord of War» mit Nicolas Cage in der Rolle eines skrupellosen Rüstungshändlers gewesen sein. Er gilt unter anderem als Waffenlieferant für den früheren liberianischen Diktator Charles Taylor und soll während des Bürgerkriegs in Angola beide Seiten mit Waffen versorgt haben.