Attentäter von Toulouse

24. März 2012 21:29; Akt: 25.03.2012 08:57 Print

Der Bruder bleibt im Visier der Ermittler

Abdelkader Merah, der ältere Bruder des Serienmörders, macht sich weiterhin verdächtig. Sein Handy wurde in der Nähe der jüdischen Schule gefunden, wo Mohammed Merah vier Menschen erschossen hatte.

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Der Bruder des Serienmörders Mohamed Merah wird am 24. März nach Paris verlegt. Zur Polizei sagte er: «Ich bin sehr stolz auf meinen Bruder.» Am Freitag, 23. März 2012 waren Polizisten immer noch in der Wohnung des Attentäters von Toulouse. Durch dieses Fenster soll Mohammed Merah gesprungen sein. Einschusslöcher sind auch am Balkon zu sehen. Die Polizei war mit einem Grossaufgebot vor Ort. Das Wohnhaus von Merah. Im Fernsehen sagt Staatspräsident Nicolas Sarkozy: «Merah war ein Terrorist. Muslime haben damit nichts zu tun.» «Die Republik ist immer am stärksten. Das ist die Lektion, die wir aus dem Vorfall in Toulouse lernen», sagte François Hollande, der Präsidentschaftsikandidat der Sozialisten, nach der erfolgreichen Stürmung aus Paris. Innenminister Claude Guéant (Mitte, mit Brille) stellt sich als erster vor die Medien. Er sei «froh, dass das Problem gelöst sei», sagte er nach der Aktion und bedankte sich bei allen Beteiligten. Laut Guéant (Bild) sei Merah durch die Polizei erschossen worden. Bei der Stürmung der Wohnung sollen drei Polizisten verletzt worden sein. Einer habe Schussverletzungen, zwei weitere stünden unter Schock. Ungefähr um 11 Uhr kommt Bewegung auf. Der Sturm auf die Wohnung des Verdächtigen hat begonnen. Nach einem kurzen Schusswechsel dann die Nachricht, dass Merah tot sei. Polizisten der RAID-Elitetruppen kurz bevor sie am Donnerstag, 22. März in das Haus vorgedrungen sind. Das Medieninteresse ist gigantisch. Auch wenn man vor Ort nicht viel mehr mitkriegt, als anderswo. Am Morgen des 22. März 2012 sind in Toulouse vor dem Haus, in dem sich Mohammed Merah verschanzt hält, Feuerwehrwagen vorgefahren. Ein Zugriff auf das Haus steht unmittelbar bevor. Es ist völlig unklar, ob der mutmassliche Attentäter überhaupt noch lebt. Am Abend des 21. März hat der TV-Sender France 2 veröffentlicht. Das Video soll dem Sender von Bekannten des 23-Jährigen zugespielt worden sein, wie die Zeitung «Le Parisien» berichtete. Die Bilder zeigen einen ... ... in seinem Auto. In der Nacht auf den 22. März waren zu hören. Man vermutet, dass die Polizei eingesetzt hat, um Mohammed Merah überwältigen zu können. Doch noch blieb ein Zugriff der Polizei aus. Sie wartet weiter ab. Gemäss dem französischen Innenminister hat es oberste Priorität, Mohammed Merah lebend festzunehmen. Am Mittwochabend hat die Polizei die Vorbereitungen für einen Einsatz intensiviert. Gas- und Elektrizitätleitungen wurden gekappt. Nach eigenen Angaben bereitet die Polizei die Erstürmung des Gebäudes vor, da sich der Verdächtige nicht ergeben will. Die übrigen Hausbewohner wurden bereits evakuiert. Laut (r.) hatte der Verdächtige geplant, am Mittwoch weitere Morde zu begehen. Der Staatspräsident besucht mit Premierminister François Fillon (l.) den Ort des Geschehens. Er wollte eine Pressekonferenz geben, nachdem das Gerücht die Runde gemacht hat, dass der Verdächtige gefasst sei. Danach fährt er nach Montauban, um an einer Trauerzeremonie für die Attentatsopfer teilzunehmen. Die Umgebung rund um das Haus des mutmasslichen Attentäters ist weiträumig abgesperrt. Aus den Fenstern ihrer Wohnungen beobachten Schaulustige das Geschehen. Kurz nach 14 Uhr am 21. März 2012 vermeldet ein Nachrichtensender, der mutmassliche Attentäter Mohammed Merah sei verhaftet worden. Die Nachricht wurde kurz darauf laut der Nachrichtenagentur Reuters dementiert. Nicht nur Polizisten, auch unzählige Medienleute stehen in der Nähe des Gebäudes. Seit Stunden verhandelt die Polizei mit dem mutmasslichen Attentäter. Er soll ihnen seine ganze kriminelle Lebensgeschichte erzählt haben. In der Nacht auf den umstellt die Polizei ein Haus in Toulouse. Im Gebäude verschanzt sich der Mörder von drei Soldaten nordafrikanischer Herkunft und von vier Juden. Mit einem Bus werden Nachbarn in Sicherheit gebracht. Beim Einsatz, der mitten in der Nacht begann, sollen drei Polizisten verletzt worden sein, einer davon schwer. Der verschanzte 23-Jährige soll während seiner wirren Aussagen in den Verhandlungen vor Ort die Morde an sieben Menschen gestanden haben. Angeblich will er sich stellen. Der französische Innenminister Claude Guéant liess die Mutter des Tatverdächtigen kommen. Sie weigerte sich aber, mit ihrem Sohn zu sprechen. Ein Nachbar erzählt den Medien, was er über den Täter weiss. Offenbar bezeichnet sich der 23-jährige Mohammed Merah als Mujaheddin, also als «Gotteskrieger», der sich für die Verbreitung des Islam einsetzt. Der Bruder des Verdächtigen ist angeblich verhaftet worden.

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In Frankreich konzentrieren sich die Behörden auf die Familie des getöteten Attentäters von Toulouse. Der Bruder will von den Mordplänen nichts gewusst haben. Allerdings sorgt der Fundort seines Mobiltelefons für Spekulationen.

Das Mobiltelefon des 29-jährigen Abdelkader Merah sei in der Nähe der jüdischen Schule gefunden worden, wo der 23-jährige Mohammed Merah einen Lehrer und drei Schüler erschossen hatte. Das berichtete die Zeitung «Le Parisien» am Samstag. Die beiden Brüder hätten sich am Vorabend der Bluttat getroffen und gemeinsam zu Abend gegessen.

Der ältere Bruder und seine Ehefrau wurden am Samstag zum Verhör nach Paris gebracht. Abdelkader Merah sagte, er habe nichts von den Plänen seines Bruders gewusst, sei aber «stolz» auf sie.

Die Ermittler suchen nun intensiv nach möglichen Mittätern oder Unterstützern des von der Polizei getöteten Attentäters. Die Regierung hob die wegen der Morde im Grossraum Toulouse ausgerufene höchste Terrorwarnstufe wieder auf.

Tiefere Alarmstufe

Die Alarmstufe für den Südwesten Frankreichs wurde von «scharlachrot» wieder um eine Stufe abgesenkt, wie Innenminister Claude Guéant am Samstag der Nachrichtenagentur AFP sagte.

In der Region hatte nach den Morden an einem Lehrer und drei Schülern in einer jüdischen Schule seit Montag die höchste Warnstufe gegolten. Zuvor hatte Merah bereits drei Soldaten erschossen.

Verdacht auf Kontakt zu Al-Kaida

Der Attentäter hatte behauptet, allein für den Mord an insgesamt sieben Menschen verantwortlich zu sein. Die Polizei prüft derzeit, ob Mohammed Merah tatsächlich Kontakte zur Terrororganisation Al- Kaida besass.

In Frankreich wird über Helfer spekuliert, die ihn mit mehreren Schusswaffen versorgt haben könnten. Die Polizei vermutet dass der ältere Merah-Bruder, ein islamischer Fundamentalist, Mohammed Merah indoktriniert haben könnte.

Laut Medienberichten war der ältere Bruder anwesend, als Mohammed Merah den bei den Attentaten verwendeten Motorroller stahl. Die Polizei habe am Mittwoch ein verdächtiges Pulver im Auto von Abdelkader Merah gefunden, hiess es weiter. Spekulationen, wonach es sich um Sprengstoff handelte, wurden von den Behörden nicht bestätigt.

Mutter wieder freigelassen

Die Mutter des Attentäters wurde am Freitagabend freigelassen. Sie sei «erschüttert» und wage sich aus Angst vor Racheakten nicht nach Hause, berichtete ihr Anwalt.

Nach Angaben seines Onkels war Mohammed Merah schon immer «labil». Er habe sich nicht vorstellen können, dass sein Neffe für diese «barbarischen» Angriffe verantwortlich sei, sagte Ahmed A. dem französischen Nachrichtenmagazin «Le Point». Der Bruder der Mutter Merahs sprach den Opfern sein Beileid aus.

Merah, ein Franzose algerischer Abstammung, war am Donnerstag im Kugelhagel der Polizei getötet worden. Der 23-Jährige hatte am Montag vor einer jüdischen Schule in Toulouse drei Kinder und einen Religionslehrer erschossen.

Zuvor hatte er am 11. und 15. März mit derselben Waffe in Toulouse und Montauban drei Soldaten umgebracht. Die Waffe, ein Colt 45 wurde in Merahs Auto gefunden, wie der Sender i-Tele berichtete.

Trauerkundgebungen in Lyon und Rouen

In Lyon und Rouen versammelten sich am Samstag mehr als tausend Menschen, um der von dort stammenden getöteten Soldaten zu gedenken. In dem Stadtteil von Toulouse, aus dem der Attentäter stammte, trieb die Polizei am Nachmittag rund 30 Menschen auseinander, die zu einer Solidaritätskundgebung für den Attentäter zusammengekommen waren.

Für Sonntag 15 Uhr haben verschiedene Organisationen zu einem Schweigemarsch in Paris aufgerufen. An der Demonstration unter dem Motto «Die Republik gegen Rassismus, Antisemitismus und Integralismus» will unter anderem auch die Sozialistische Partei teilnehmen.

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • sara am 25.03.2012 11:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    jihad heisst nicht umbringen

    genau viele sind ignorant und verstehen den jihad völlig falsch. ich bin moslem und ich weiss das weder mohamed merah noch sein bruder den jihad richtig verstanden haben. den niemand darf unschuldige personnen töten. egal jude christ mislem budhist usw. dass ist einfach nicht unser recht. man sollte nicht alle im gleichen sack werfen!

  • J. Meyer am 24.03.2012 22:01 Report Diesen Beitrag melden

    Was ist das für ein Stolz?

    >>Abdelkader Merah sagte, er habe nichts von den Plänen seines Bruders gewusst, sei aber «stolz» auf sie. Was ist das nur für eine Art Stolz??? Wie krank sind solche Menschen eigentlich nur? Sorry, auf meinen Bruder wäre ich absolut nicht stolz. Und, was hat er von diesem Stolz? Unschuldige mussten für diesen Stolz sterben und der Bruder selbst fand in diesem Stolz auch seinen Tod. Wofür war das nun gut? Um stolz auf einen Bruder sein zu können, der Menschenleben auslöschte, welche die Familie gar nicht kannte. Himmeltraurig!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • sara am 25.03.2012 11:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    jihad heisst nicht umbringen

    genau viele sind ignorant und verstehen den jihad völlig falsch. ich bin moslem und ich weiss das weder mohamed merah noch sein bruder den jihad richtig verstanden haben. den niemand darf unschuldige personnen töten. egal jude christ mislem budhist usw. dass ist einfach nicht unser recht. man sollte nicht alle im gleichen sack werfen!

  • J. Meyer am 24.03.2012 22:01 Report Diesen Beitrag melden

    Was ist das für ein Stolz?

    >>Abdelkader Merah sagte, er habe nichts von den Plänen seines Bruders gewusst, sei aber «stolz» auf sie. Was ist das nur für eine Art Stolz??? Wie krank sind solche Menschen eigentlich nur? Sorry, auf meinen Bruder wäre ich absolut nicht stolz. Und, was hat er von diesem Stolz? Unschuldige mussten für diesen Stolz sterben und der Bruder selbst fand in diesem Stolz auch seinen Tod. Wofür war das nun gut? Um stolz auf einen Bruder sein zu können, der Menschenleben auslöschte, welche die Familie gar nicht kannte. Himmeltraurig!

    • Antwort für herr Mayer am 24.03.2012 23:34 Report Diesen Beitrag melden

      Antwort

      Herr Meyer, lesen Sie mal den Koran. Dann werden viele Ihrer Fragen in diesem Kommentar beantwortet.

    • sara am 25.03.2012 00:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      koran lesen???

      wie lesen sie den koran? also wenn damit behauptet wird das nun alle moslem juden umbringen sollen dann muss ich ihnen leider wiedersprechen. ich bin moslem und wer den jihad kennt und versteht weiss ganz genau das man unschuldige nicht töten soll! man muss nicht alle in den gleichen sack werfen!

    • Abu Zubayr am 25.03.2012 00:46 Report Diesen Beitrag melden

      @Antwort

      unschuldige kleine Kinder zu ermorden ist ein grosses Verbrechen im Islam. Du solltest den Qur'an lesen.

    • F. Moser am 25.03.2012 01:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Medien-Opfer 

      Sie haben den Koran garantiert nicht gelesen. Sie sind ein Medien-Opfer, welches die Sprache der Medien ohne jegliche Überlegung wiedergibt! Statt solche Kommentare von sich zu geben wäre es schlauer den Kopf zu gebrauchen und über den Koran zu recherchieren.

    • Maomam am 25.03.2012 01:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Bibel

      Herr Meyer hat absolut recht. Den er hat die Bibel gelesen.....!!!!

    • Robert Muntwyler am 25.03.2012 04:13 Report Diesen Beitrag melden

      Was erst Koran lesen um zu verstehen?

      Herr Mayer, soll das nun heissen man muss zuerst den Koran studieren, dass man über solche grauenhaften Taten hinwegsehen kann? Wie kann ein NORMAL denkender Mensch überhaupt noch darauf stolz sein wenn der Bruder unschuldige nichtsahnende Menschen umbringt und dies scheinbar alles im Namen ihres heiligen Glaubens? Sorry, aber da muss ich dem Hr. J.Meyer Recht geben,solche Leute sind einfach nur krank und dabei ist mir egal was es im Koran dazu zu lesen gibt!

    • Valin am 25.03.2012 08:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Ich bitte dich 

      Soll das etwa heissen das die Antworten und rechtfertigung für dieses Verbrechen im Koran zu finden sind . Tut mir leid aber wer den Koran so intepretiert kan nur völlig gestört sein, solche Leute werden den Islam zur Isolierung bringen.

    • Markus am 25.03.2012 09:43 Report Diesen Beitrag melden

      Was für Antworten?

      @Antwort Aha die Fragen werden beantwortet? Kommt drauf an wie man die Antworten interpretiert. Einer sieht darin Frieden der andere Krieg.

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