Westliche Insignien

07. Juli 2014 17:46; Akt: 08.07.2014 15:33 Print

Der Isis-Führer und seine Schweizer Luxus-Uhr

Er hasst den Westen. Doch das hält Isis-Führer al-Bagdadi nicht davon ab, ein westliches Statussymbol zu tragen. Dies könnte eine mehrere Tausend Franken teure Omega oder Rolex sein.

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Der «unsichtbare Scheich» – es gab bislang nur zwei verbürgte Bilder des sunnitischen Extremisten Abu Bakr al-Bagdadi – soll in der Al-Nouri-Moschee im nordirakischen Mosul aufgetreten sein. Ein von unabhängigen Quellen nicht verifiziertes Video zeigt den bärtigen Isis-Chef in einem schwarzen Gewand und einem schwarzen Turban – die Kleidung, so mutmassen Beobachter, soll an die Zeiten der abbasidischen Kalifen vor über tausend Jahren erinnern. Zu dieser historischen Anlehnung passte es nur bedingt, dass der selbsternannte Kalif des Islamischen Staates von Irak und Syrien (Isis) eine teuer aussehende, stählerne Uhr am rechten Handgelenk trug – vermutlich ein mehrere Tausend Franken teures Expemplar der Schweizer Uhrenmarken Omega oder Rolex.

Der australische «Sydney Morning Herald» mutmasst darüber hinaus, die Uhr sehe aus wie eine Omega Seamaster, die 1995 als «James-Bond-Uhr» bekannt wurde und die seither in der Werbung als Uhr angepriesen wurde, welche wie keine andere «den Geist von James Bond verkörpert».

Bagdadi nennt sich jetzt «Kalif Ibrahim»

Das Luxus-Schmuckstück des Gotteskriegers zog in den sozialen Medien allerhand Häme nach sich. «Unser Kalif, Gott schütze ihn, trug möglicherweise eine Schweizer Uhr. Was für eine Marke ist es und woher kommt das Geld dafür?», fragt sich ein Twitter-User. Ein anderer merkt trocken an: «Stylische Uhr.» «Die Uhr zeigt, dass es ihm ganz gut geht», stellt ein weiterer User fest.

Die Luxus-Uhr stand nicht nur im Gegensatz zu al-Bagdadis Kleidung, sondern auch zur Botschaft seiner Predigt am Freitagsgebet, worin Bagdadi seine Anhänger als ihm «gleichgestellt» bezeichnete und sich bescheiden und demütig gab. Gleichzeitig rief sich Bagdadi zum «Kalifen aller Muslime» aus und forderte die Gläubigen in aller Welt dazu auf, ihm Gehorsam zu leisten. «Einen gemeinsamen Führer zu bestimmen, ist Pflicht aller Muslime, die jedoch jahrhundertelang missachtet wurde», so der Isis-Chef, der sich künftig «Kalif Ibrahim» nennen will.

Handynetze abgeschaltet

Nach Augenzeugenberichten war der Islamisten-Chef mit einem riesigen Fahrzeugkonvoi in die Stadt Mosul gekommen. Einige seiner Zuhörer gaben später an, Bewaffnete hätten sie zum Freitagsgebet in die Al-Nouri-Moschee befohlen. Nach Bagdadis Predigt habe er die Moschee durch einen Seitenausgang verlassen und sei im Konvoi davongerast.

Für die wenigen Stunden, während denen Bagdadi sich in Mosul aufhielt, waren offenbar sämtliche Handynetze in der Region abgeschaltet worden.

Zugleich gingen Isis-Kämpfer mit brachialer Gewalt gegen Andersgläubige und Gegner vor. In Mosul und der Provinz Niniwe begannen Kämpfer der Terrorgruppe Isis, systematisch Heiligtümer, Mausoleen und Gebetshäuser zu zerstören, die Schiiten, sunnitischen Sufis und Christen gehören.

(gux)