Chef-Virologe

26. März 2020 21:55; Akt: 27.03.2020 08:59 Print

Doktor Fauci, der Arzt, dem die USA vertrauen

Anthony Fauci ist in den USA das, was Daniel Koch vom BAG hier ist: die ruhige Stimme im Corona-Chaos. Wer ist der Mann, der mit Donald Trump über das Virus informieren muss?

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Die Coronavirus-Epidemie hat sich in den USA dramatisch zugespitzt. Bis Donnerstagmorgen gab es rund 81'378 bestätigte Infektionen mit dem neuartigen Coronavirus. Mehr als 1000 Menschen sind gestorben.

Die rasante Ausbreitung des neuartigen Coronavirus Sars-CoV-2 hat das öffentliche Leben in weiten Teilen der USA zum Erliegen gebracht: Etwa die Hälfte der rund 330 Millionen Amerikaner unterliegen inzwischen von Bundesstaaten verhängten Ausgangsbeschränkungen.

Trump will Öffnung bis Ostern

Auch gute Konjunkturaussichten wurden zunichte gemacht. Ein massives Konjunkturpaket soll nun die Schäden abfedern. US-Präsident Trump gibt sich optimistisch, dass die US-Wirtschaft in weiten Landesteilen in gut zwei Wochen wieder zum Normalbetrieb übergehen - und dass das Land «bis Ostern stärker geöffnet» werden kann.

Doch die Epidemie hat in den USA ihren Höhepunkt noch nicht erreicht, weswegen Wissenschaftler mehrheitlich eine Lockerung der Ausgangsbeschränkungen ablehnen. Es ist Aufgabe von Anthony Fauci, dies dem US-Präsidenten zu verklickern.

Anthony Fauci ist der BAG-Koch der Amerikaner

Fauci ist der Direktor des Nationalen Instituts für Allergien und Infektionskrankheiten. Er ist in den USA etwa das, was Daniel Koch vom BAG in der Schweiz ist. Er strahlt Kompetenz, Ruhe, Glaubwürdigkeit und Überlegtheit aus.

Fauci war es auch, der viele Amerikaner über die Bedrohung des Coronavirus überhaupt erst in Kenntnis setzte, während US-Präsident Donald Trump die Gefahr noch lange herunterspielte.

Fauci widerspricht Trump öffentlich

Zuletzt hatte Fauci dem mächtigsten Mann im Land widersprochen, als es um den Zeitpunkt der Fertigstellung eines Impfstoffs gegen das Covid-19-Virus ging: Ein Impfstoff könne nicht in wenigen Monaten, sondern erst in einem oder eineinhalb Jahren bereitstehen. Und als Trump vergangene Woche ein Malaria-Medikament als potenzielles Wundermittel in der Pandemie anpries, mahnte der Infektiologe, bisher gebe es nur «anekdotische Evidenz» für eine Wirksamkeit.

Fauci sei Trump «schon mehrfach in die Quere gekommen in dieser Krise, weil er dessen Falschbehauptungen öffentlich geradegerückt hat. Trump mag so etwas ganz und gar nicht», schreibt Zeit.de. Und die «New York Times» berichtet, die Geduld des Präsidenten mit dem sich kaum verbiegenden, besonnenen Virologen gehe langsam zu Ende.

«Kann ihn ja schlecht vom Mikrofon wegstossen»

Seine nationale Beliebtheit und Glaubwürdigkeit aber dürften Fauci retten. Er ist der Arzt, dem das Land vertraut, seit er Ronald Reagan beibrachte, dass seine Regierung den Kampf gegen die Immunschwäche Aids ernster nehmen muss. Seit 1984 leitet er das Institut für Allergien und Infektionskrankheiten, verdiente sich grosse Anerkennung auch bei der Bekämpfung des Zika-Virus und von Ebola.

Fehlt Fauci jetzt zweimal hintereinander an einer Pressekonferenz, bricht unter den Zuschauern und Zuhörern schnell so etwas wie Panik aus: «#Wo ist Fauci?» trendet dann auf Twitter.

Über Trump sagte Fauci unlängst in einem Interview: «Er hat seinen eigenen Stil.» Aber bei den wirklich wichtigen Themen höre ihm Trump zu.

«Ich will nur, dass die Fakten stimmen»

Es sei ihm ohnehin nicht möglich, einzuschreiten, wenn Trump öffentlich Fragwürdiges über das Virus erzähle: «Ich kann ihn ja schlecht vom Mikrofon wegstossen.» Er müsse dafür sorgen, dass Informationen das nächste Mal korrekt wiedergegeben würden.

Er wolle auch nicht «als harter Typ auftreten, der sich dem Präsidenten entgegenstellt», so der italienischstämmige Mediziner aus Brooklyn weiter. «Ich will nur, dass die Fakten stimmen.»