Murdochs Machenschaften

05. September 2011 13:32; Akt: 05.09.2011 14:11 Print

Der Medien-Pate und Götti Tony Blair

Rupert Murdochs Kontakte zur politischen Elite sind bekannt. Wie seine Frau Wendi nun enthüllt, gingen diese aber noch viel weiter als bisher angenommen.

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Die Verbindung zwischen Rupert Murdoch und Tony Blair ist enger als bisher bekannt. (Bild: Keystone)

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Wendi Murdoch, die 42-jährige chinesische Frau von Medienmogul Rupert Murdoch, ist bekannt dafür, ihren Mann durch alle Böden hindurch zu verteidigen. Im Juli hatte sie dies eindrücklich bewiesen, als sie bei der Anhörung Murdochs vor dem britischen Parlamentsausschuss zum Abhörskandal einen Angreifer mit vollem Körpereinsatz abwehrte.

Nun hat sie ihren Gatten aber ungewollt in die Pfanne gehauen, und mit ihm auch gleich den ehemaligen britischen Premierminister Tony Blair. Anlass war ein Interview mit der Modezeitschrift «Vogue», in der sie einen von ihr produzierten Film vorstellen wollte. Sie sprach über ihr gutes Verhältnis zu Schauspielerin Nicole Kidman («Es hat einfach klick gemacht»), ihre Kindheit in armen Verhältnissen in China und über die Taufe ihrer Kinder in Jordanien im vergangenen Jahr.

Murdochs engster Freund

Bei letzterer Aussage passierte der Fauxpas. Denn Wendi enthüllte indirekt, dass Tony Blair als Pate ihrer neunjährigen Tochter Grace bei der Zeremonie zur Seite stand. In allen bisherigen Berichten war immer davon die Rede, dass Nicole Kidman und Hugh Jackman die Paten waren. Es war nicht einmal bekannt, dass Blair überhaupt anwesend war; auf keinem der im «Hello!»-Magazin veröffentlichten Fotos ist er zu sehen. Laut der «Vogue» sei Blair, wie die Getauften, «ganz in Weiss» erschienen. Wendi Murdoch sagte zudem, Blair sei einer der engsten Freunde von Rupert Murdoch.

Anwesend bei der Taufe, die im März 2010 stattfand, war auch Königin Rania von Jordanien, eine gute Bekannte von Blair und Murdoch. Tony Blair wollte sich zu den Enthüllungen nicht äussern. Die News Corp. bestätigt hingegen die langjährige Verbindung der beiden.

Verbunden seit 1995

Diese neusten Enthüllungen lassen Blairs Verhalten in der Vergangenheit in einem neuen Licht erscheinen. Noch bevor der Abhörskandal in England bekannt wurde, hatte er laut britischen Medien Druck auf den Abgeordneten Tom Watson ausgeübt, die Vorwürfe gegen die News Corp. nicht weiter zu verfolgen. Dies gelang nicht, der Skandal nahm seinen Lauf. Blair verneinte diese Vorwürfe stets.

Blairs Verhältnis zu Rupert Murdoch begann im Jahr 1995, als er eine Einladung zu einem Podiumsgespräch der News Corp. in Australien annahm. Der damalige Oppositionsführer Blair bandelte mit Murdoch an, der zuvor die konservativen Torys unterstützt hatte. Auch mit Hilfe der Murdoch-Medien (siehe Box rechts) gelang Blair 2007 der Wahlsieg. Während seiner Amtszeit standen die beiden immer in engem Kontakt. Nachgewiesen sind etwa drei Telefongespräche kurz vor der Bekanntgabe des dritten Irakkrieges.

In seinen Memoiren schreibt Blair zu Rupert Murdoch: «Er war ein Rechts-Aussen. Ich mochte weder seine Ideen zu Europa noch zur Sozialpolitik oder zur Homo-Ehen. Doch es gab zwei Berührungspunkte: Er war ein Aussenseiter und hatte Mumm.»

(aeg)