«Wie bitte!?»

21. Oktober 2013 11:35; Akt: 21.10.2013 14:00 Print

Der Papst verzweifelt am Protz-Bischof

Der Papst soll ungläubig auf den Fall des Protz-Bischofs reagiert haben. Dennoch empfängt Franziskus ihn heute Mittag im Vatikan. Auch seinen Job wird er Tebartz-van Elst kaum wegnehmen.

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Er will im Amt bleiben, obwohl der Umbau seiner Residenz unanständig viel gekostet hat, ihm Falschaussagen zur Last gelegt werden und ihm aus Enttäuschung die Schäfchen weglaufen. Dass Franz-Peter Tebartz-van Elst seinen Job trotz all dieser Vorkommnisse behalten kann, ist wahrscheinlich, zumal der Papst keinen Bischof absetzen kann. Das ist laut dem im Codex Iuris Canonici festgehaltenen Kirchenrecht nicht möglich.

Tebartz-van Elst müsste von sich aus zurücktreten wollen, bevor der Papst dazu seinen Segen geben kann. Doch der Limburger hat mehrfach klargestellt, dass er an einen Rücktritt nicht denkt. Dabei sind Rücktrittsgesuche von Bischöfen in der katholischen Kirche keine Seltenheit: Spätestens mit dem Erreichen des 75. Lebensjahres muss jeder Bischof dem Papst seinen Rücktritt anbieten. Tebartz-van Elst ist jedoch erst 54 Jahre alt.

Auxiliarbischof wird ihm nicht schmecken

Theoretisch ist zwar die Absetzung eines Bischofs durch den Papst denkbar - aber auch nur dann, wenn schwerwiegende Gründe, etwa Verstösse gegen die kirchliche Lehre, vorliegen. Wird ein Bischof zum Beispiel exkommuniziert, verliert er auch sein Amt. Im Fall des Limburger Bischofs und angesichts der gegen ihn erhobenen Vorwürfe ist das aber nicht zu erwarten.

Die Lösung, die Franz-Peter Tebartz-van Elst am wenigsten schmecken dürfte: der Rückgriff auf den Passus im Kanon 403, Paragraf 2: Dieser sieht die Einsetzung eines so genannten Auxiliarbischofs vor: Faktisch ist das ein vom Papst eingesetzter Aufpasser, der, mit besonderen Befugnissen ausgestattet, den Sündhaften kontrolliert und ein Stück weit entmachtet.

«Bereitschaft liegt bei null»

Grundsätzlich ist für ausserordentliche Rücktritte ein Gremium von 27 Kardinälen zuständig. Sie sind quasi das Human-Ressource-Büro der katholischen Kirche und beraten regelmässig über Personalfragen in den weltweit über 2000 Diözesen. In dieses Gremium setzt der Limburger Bischoff seine Hoffnungen: Hier sitzen seine Fürsprecher und Mentoren.

Gleichzeitig aber macht sich an der kirchlichen Front daheim in Limburg der Widerstand gegen Tebartz-van Elst immer stärker bemerkbar. So ist laut dem Limburger Domdekan die Bereitschaft zur Zusammenarbeit «bei null», wie er am Wochenende sagte. Im Bistum Limburg müsse es «einen Neuanfang mit einem neuen Bischof» geben. Auch die Präsidentin der Limburger Diözesanversammlung kann es sich «nicht» oder nur «sehr schwer» vorstellen, dass Tebartz-van Elst im Amt bleibe. Doch letztlich wird der Fall des Protzbischofs nach kirchlichen und nicht weltlichen Massstäben beurteilt werden.

123'000 Franken für den Mann mit Pistole und Hund

Der Papst, so wird jedenfalls berichtet, sei alles andere als erfreut gewesen, als die Prüfungskommission der Deutschen Bischofskonferenz ihn detailliert über den Fall und insbesondere die mit dem Bau der Bischofsresidenz einhergehenden Kostenexplosion informierte. «Wie bitte?!», soll der Vertreter Gottes auf Erden gestöhnt haben.

Derweil sind weitere Ungeheuerlichkeiten rund um den Prunkbau der Limburger Residenz ans Licht gekommen: Interne Unterlagen belegen laut «Frankfurter Allgemeine», dass der Bischof von Limburg über 100'000 Euro (rund 123'000 Franken) ausgegeben hat – für einen Mann mit Hund, der die Baustelle auf dem Domplatz bewachte. Dieser war nach eigener Auskunft bewaffnet und bedrohte und vertrieb Medienschaffende, welche die exklusive Baustelle betrachten wollten. In der Aufstellung zur «Kostenkontrolle» war der Auftrag verbucht. Er lautete: «Baustellenbewachung» für 104'342 Euro.

(gux)