20. April 2005 17:40; Akt: 20.04.2005 18:01 Print

Der neue Papst: Ist das noch der alte Ratzinger?

Eine alte «Regel» hat der Deutsche auf dem Petrusstuhl gleich zu Beginn gebrochen.

Zum Thema
Fehler gesehen?

«Wer als Papst in das Konklave geht, kommt als Kardinal heraus», heisst es im Vatikan seit Jahrhunderten. Nicht so bei Joseph Ratzinger: Der schritt als grosser Favorit zur Wahl, und er verliess sie als Papst Benedikt XVI.

Ist das ein Omen für das Pontifikat des Mannes, den so viele in seiner Heimat als erz-konservativ, ja als verknöchert und verstockt empfinden? Auch am Mittwoch, kaum ist er erstmals als Papst erwacht, versetzt der Bayer all diejenigen, die ihn längst in «eine Schublade gesteckt haben», in Erstaunen.

Der strenge Glaubenshüter, der zum Ärger von Millionen Protestanten bisher eher das Trennende als das Verbindende zwischen den Kirchen betonte, streckt in seiner ersten Predigt die Hand aus. Erste Pflicht für den Nachfolger Petrus sei es, «mit aller Kraft an der Wiederherstellung der vollen und sichtbaren Einheit zu arbeiten».

Konkrete Taten

Und damit klar ist, dass die «Regierungserklärung» vor den Kardinälen der Welt kein Lippenbekenntnis ist, fügt der Papst gleich noch hinzu: «Dafür reicht es nicht, guten Willen zu demonstrieren. Konkrete Taten sind notwendig.»

Wer so redet, muss etwas in petto haben, der hat schon ein paar Pläne in der Tasche. Will der Neue zum «Mann der Ökumene» werden? Fragt sich ein Theologe in Rom: «Ist das noch der alte Ratzinger, der da redet?»

«Ein Krieger, um die Moderne herauszufordern», so schreibt die römische Zeitung «La Repubblica» am Tag eins der «Ära Benedikt». Und sie hat Recht. Der flüchtige Zeitgeist, auch innerhalb der Kirche, die «post-moderne Beliebigkeit» im Denken der Gegenwart, die Mystik und Verzückung in den neuen Sekten machen ihm Angst.

Dem will er den «rechten Glauben» entgegensetzen, das in zwei Jahrtausenden erprobte und gehärtete Credo der Kirche. Dem «Wegbrechen des Glaubens» will Ratzinger die Stirn bieten.

«Glauben pur»

«Glauben pur», könnte man in Kurzform sein Programm nennen. Das mag vielen Menschen in «glaubensfernen» Nordländern wie «Konservatismus pur» vorkommen - aber das ist genau auch das Programm, mit dem Johannes Paul II. Millionen und Abermillionen Gläubige in aller Welt begeisterte. Auch hier will der Neue Kontinuität wahren.

«Die Kirche, sie hat nichts anders als den Glauben, etwas anderes hat sie nicht zu bieten», meint ein Vatikaninsider. Und das sind nicht nur Probleme in Europa, die Papst Benedikt da im Auge hat - gerade auch in den Kirchen Lateinamerikas, Afrikas und Asiens gerät derzeit manches ins Rutschen.

Auch das weiss der Neue, ein reiner «Eurozentrist» ist er nie gewesen. Kein Zufall ist es wohl, dass es in Rom immer heisst, gerade auch Kardinäle aus der Dritten Welt hätten ihn unterstützt.

(sda)