Tebartz-van Elst

24. Oktober 2013 07:26; Akt: 24.10.2013 10:45 Print

Der tiefe Fall des Protz-Bischofs

Vom Hoffnungsträger zum Buhmann, das ist oft nur ein kurzer Weg. Limburgs Bischof Tebartz-van Elst ist ihn gegangen. Hätte man voraussehen können, dass er nicht nur sein Bistum in eine tiefe Krise stürzt?

Bildstrecke im Grossformat »
Auf Twitter und sozialen Netzwerken macht derzeit dieses Bild die Runde: Es zeigt Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst als Egomännchen (l.), das sich seine «Burg» frei zusammenbauen kann. Hier steht der Bischof im Lichthof des neuen Bischofssitzes. Allein die weissen Säulen sollen 2,3 Millionen Euro gekostet haben. Weitere 100'000 Euro gab der Bischof laut Medienberichten für die Fenster in seiner Privatkapelle aus. Immerhin: Sie lassen sich automatisch abdunkeln. «Ich brauche keinen pompösen Lebensstil», sagte der Bischof Anfang Oktober. Eine Luxus-Badewanne von Star-Designer Philippe Starck für 17'000 Euro wollte er trotzdem haben. 2,9 Millionen Euro kosteten die Wohnräume des Bischofs - goldene Türfallen inklusive. Der Park verschlang weitere 783'000 Euro. Finanziert wurde der Bau durch das Geld der katholischen Kirche, also auch durch Spenden der Gläubigen. Am Sonntag, 13. Oktober 2013, haben diese deshalb gegen den Skandal-Bischof protestiert. Sie bildeten sie vor dem Bischofssitz in Limburg Menschenketten und ... ... forderten den Rücktritt des Kirchenmannes. Damit nicht genug: Sie manipulierten auch die Kirchenglocken. Unter dem Motto ... ... «5 vor 12 - andere Lieder wollen wir singen» versammelten sich die Demonstranten um 11.55 Uhr auf dem Domplatz. Dann erklangen nicht 12 sondern 13 Glockenschläge. Die Message: «Jetzt schlägts 13». Am 13. Oktober flog er Richtung Rom ab - notabene in einer Ryanair-Maschine. Seit August muss sich der Geistliche unangenehme Fragen anhören. Er soll mit den finanziellen Mitteln der kirchlichen Gemeinde verschwenderisch umgegangen sein. 31 Millionen Euro hat der Bischofssitz im hessischen Limburg gekostet - und es könnten wegen Folgenkosten am Ende bis zu 40 Millionen Euro werden. Veranschlagt waren ursprünglich 5,5 Millionen Euro. Frank-Peter Tebartz-van Elst soll seine Schäfchen und die Öffentlichkeit bewusst über die horrenden Kosten getäuscht haben. Er habe von Anfang an gewusst, wie teuer der Bau wird, sagte der Architekt am 14. Oktober 2013. Kirchenrechtler forderten vom Papst die Absetzung des Bischofs. Diese Woche wird es Gespräche dazu geben.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Am Niederrhein herrscht Tradition, dort war der Katholizismus lange zu Hause. Bei der jüngsten Bundestagswahl holte die CDU in vielen Gemeinden so viele Stimmen wie alle anderen Parteien zusammen. Franz-Peter Tebartz-van Elst stammt aus dieser Region. Hier sind die Gotteshäuser an Sonntagen noch vergleichsweise gut gefüllt, für Katholiken ist es selbstverständlich, Messdiener zu werden und den Vorgaben der katholischen Kirche streng zu folgen.

Tebartz-van Elst hat sich früh für die Karriere als Theologe entschieden. Sie brachte ihn vom Bauernhof bis in den Bischofssitz nach Limburg - dort könnte sie schmerzhaft und auch schmachvoll für ihn enden. Ob er den Schritt inzwischen bereut, während er sich den schweren Vorwürfen um Verschwendung, Verschleierung und Verblendung ausgesetzt sieht? Vielleicht wünscht sich Tebartz-van Elst im Sturm der Kritik rund um den teuren Neubau seiner Bischofsresidenz heimlich, er wäre im heimischen Kevelaer geblieben.

Jünger, besser, strenger

Sein Wunsch, Priester zu werden, gehe bis in die Kindertage zurück, hatte der heute 53-Jährige in einem Interview gesagt, kurz bevor er vor sechs Jahren als neuer Oberhirte nach Limburg kam. Auf dem Weg ins Bistum gehörte Tebartz-van Elst stets zu den Jüngeren, den Besseren, den Strengeren. Am 20. November 1959 als zweites von fünf Kindern geboren, folgten nach Studium und Promotion zunächst 2002 die Professur für Pastoraltheologie und Liturgiewissenschaft in Passau, ein Jahr später war er bereits Weihbischof und 2008 schliesslich Bischof.

Eine Karriere? «Es steckt zweifellos eine gewisse Dynamik in meinem Leben», sagte er einmal. «Aber ich habe die Dinge angenommen, wie sie auf mich zugekommen sind.» Tebartz-van Elst ging ein Ruf voraus: Der «fleissige Arbeiter» (Bistum Münster) galt als glänzender Theologe und als äusserst versiert, wenn es um gesellschaftliche Umbrüche ging. Er setzte sich mit der Erwachsenentaufe und mit der Gemeinde in der mobilen Gesellschaft auseinander.

«Kirche seiner Träume»

Als der jüngste Diözesanbischof Deutschlands - damals 48 - geweiht wurde, feierte ihn deshalb nicht nur das debattierfreudige Bistum Limburg als Hoffnungsträger für die alternde Kirche. Aber mit seiner Idee von Kirche prallte Tebartz-van Elst auf die liberalen Vorstellungen der Limburger: «Sein Ziel war es, in Limburg die Kirche seiner Träume zu realisieren», sagt ein Mitglied des Domkapitels.

Der Haken dabei: «Tebartz-van Elst hat keinen Sinn dafür, dass man die Umsetzung von Konzepten in einer widerständig lebendigen Gemeinschaft nur voranbringen kann, wenn man selber lebensvoll und fehlbar ist.» Standesbewusst trat Tebartz-van Elst auf, beeindruckt von Liturgie und Gebet. «Wo Gott vergessen wird, nimmt der Mensch Schaden», davon ist er überzeugt. Als Bischof zelebrierte er prunkvolle Messen und genoss die Insignien des Amtes.

Tebartz-van Elst sei zwar ein «durch und durch aufgeschlossener Theologe», sagt der Kirchenrechtler Thomas Schüller aus Münster über ihn. Er übe sein Amt aber «autoritär, fast monarchisch aus». All das hat den katholischen Oberhirten isoliert, durch die jüngsten Vorwürfe steht er nun weitgehend allein da - auch in seiner eigenen Kirche. Ob er sich dessen derzeit bewusst ist? «Nein», sagt ein Begleiter. «Ich bin mir sicher, dass er das überhaupt nicht wahrnimmt.»

(sda)