Humayun Khan

02. August 2016 16:13; Akt: 02.08.2016 16:52 Print

Der tote Soldat, der Trump zittern lässt

Dank Trumps jüngster verbaler Entgleisung wurde ein gefallener pakistanisch-stämmiger US-Soldat posthum berühmt. Wer war Humayun Khan, und wofür kämpfte er?

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Humayun Khan, US-Soldat im Rang eines Hauptmanns, ist 27 Jahre alt, als er während eines Einsatzes im Irak in eine tödliche Falle tappt. Es ist der 8. Juni 2004. Seiner Truppe ruft der junge Captain noch ein «in Deckung» zu, als er das Taxi mit hoher Geschwindigkeit auf den Eingang seiner Armeebasis in der Stadt Baquba zusteuern sieht. Wenige Schritte und Atemzüge später setzt die Explosion einer über 100 Kilogramm schweren Autobombe seinem Leben ein abruptes Ende.

So weit eine traurige Geschichte von vielen. Bis ein respektloser Kommentar des für seine schrankenlose Respektlosigkeit bekannten US-Präsidentschaftskandidaten Donald Trump Humayun Khans Schicksal posthum einer grossen Medienöffentlichkeit bekannt machte.

Eine Entgleisung zu viel

Dazu führte ein weiteres – aus aktuellem Anlass entscheidendes – biografisches Detail: Humayun Khan war amerikanischer Muslim, Teil einer Minderheit und einer von über sechstausend muslimischen Soldaten, die seit den Anschlägen vom 11. September 2001 in der US-Armee dienen oder gedient haben.

Khizr und Ghazala Khan, die Eltern des Gefallenen, traten am Parteitag der Demokraten in Philadelphia auf. «Bisher nichts und niemanden» habe der republikanische Präsidentschaftskandidat geopfert, hielt Khizr Khan Donald Trump vor. Und Trump solle nur mal nach Arlington gehen, sich auf dem Friedhof die Gräber von US-Soldaten anschauen – Soldaten aller Ethnien und Glaubensrichtungen.

Trumps bestenfalls unsensible Reaktion liess nicht lange auf sich warten. Er mokierte sich mit Rückgriff auf ethnische Stereotypen darüber, dass Khans Frau beim Auftritt in Philadelphia geschwiegen hatte – was sie später damit begründete, dass sie vor Trauer und Emotionen nicht habe sprechen können. Auch er habe eine Menge Opfer gebracht, sagte Trump weiter. Und führte in diesem Zusammenhang seine beruflichen Errungenschaften an. Das empörte nicht nur die Eltern des Gefallenen, sondern ganz Amerika. Möglicherweise, so der Tenor in US-Medien, ist Polterer Trump diesmal zu weit gegangen und läuft Gefahr, Anhänger zu verlieren.

Der amerikanische Traum

Ein Porträt des US-Nachrichtensenders CNN stellt jetzt den jungen Mann vor, dessen Schicksal indirekt den jüngsten Trump-Shitstorm ins Rollen brachte.

Geboren in den Vereinigten Arabischen Emiraten, war Humayun Khan noch als Junge mit seinen pakistanischen Eltern und seinen zwei Brüdern in die USA eingewandert. Die Familie liess sich in den Achtzigerjahren in Maryland nahe der US-Hauptstadt Washington D.C. nieder. Dort machte Khan seinen Highschool-Abschluss und einen Studienabschluss in Psychologie. Um sein Jura-Studium zu finanzieren, unterschrieb er bei der US-Army.«Wie viele Einwanderer kamen wir mit leeren Händen in dieses Land. Wir glaubten an die amerikanische Demokratie und an das Gute in diesem Land. Daran, dass wir mit harter Arbeit unseren Beitrag dazu leisten könnten und daran teilhaben können», sagte Vater Khizr Khan Ende Juli auf dem Parteitag der US-Demokraten in Maryland.

Er kam als Friedensbringer, nicht als Eroberer

Seine Chefs bei der Armee befördern Humayun Khan zum Captain – und schicken ihn in den Irakkrieg. Dort geht es 2004 blutig zu. Khan ist als Ordonnanzoffizier der Infanterie unter anderem für die Sicherheit seiner Armeebasis zuständig. Nebenbei engagiert er sich für ein Armeeprojekt zur Förderung der unternehmerischen Eigeninitiative irakischer Bürger. «Er wollte helfen, Frieden stiften», sagt sein Vater. Bis zu jenem fatalen Tag, an dem eine Autobombe diesem Ansinnen ein jähes Ende machte.«Wir werden ihn und das, wofür er stand, niemals vergessen.» Worte von Kahns Befehlshaber, Lt. Col. Dan Mitchell, an seiner Beerdigung. Er wurde mit militärischen Ehren auf dem nationalen Friedhof der US-Armee in Washington D.C., Arlington Cemetery, beigesetzt.

Trump ging vielen einen Schritt zu weit

Derzeit avanciert sein Grab zu einer Pilgerstätte für empörte und patriotische Bürger aller Couleur, Religionen und Rassen. Seit der Fall bekannt wurde, legen täglich unzählige Besucher – empört über Trumps Respektlosigkeit – Blumen und Karten nieder.

(jros)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • David am 02.08.2016 16:36 Report Diesen Beitrag melden

    Boomerang

    Na dann hoffe ich mal, dass dies dem lustigen Trump die Präsidentschaftswahl kostet. Dieser Gaukler ist nicht würdig den Posten eines Staatsoberhauptes einzunehmen.

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  • amerika am 02.08.2016 16:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    wahlkampf

    wenn man schon nix inhaltlich auf die reihe bekommt wird schmutzwäsche gewaschen (von beiden seiten). die usa wie es leibt und lebt!

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  • Donald am 02.08.2016 16:34 Report Diesen Beitrag melden

    Es reicht langsam

    Es vergeht kein Tag ohne Nachrichten vom US-Wahlkampf. Und das schon seit anfangs Jahr. Glaubt ihr denn wirklich es tut etwas zur Sache wer hier gewinnt?

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Die neusten Leser-Kommentare

  • US Man am 03.08.2016 15:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Reflection before talking

    Auch wenn ich selber kein Supporter von Trump bin und er- wie aber auch Clinton - nicht die Ethik mitbringt, um das US-Präsidentenamt auszuüben, sollte man eines nicht vergessen: Auch Hillary Clinton hat keine Opfer gebracht im Sinne eines in der US-Armee gestorbenen Familienmitglieds. Und: Die Armed Forces sind allesamt freiwilliger Natur, jedes Marine, Army, Navy Oder Air Force Mitglied muss damit rechnen, in einem Deployment verletzt Oder gar getötet zu werden. God bless their families and their souls, jedes Leben das verloren geht, ist eines zu viel.

  • Melanie Würth am 03.08.2016 10:00 Report Diesen Beitrag melden

    Ich würde nicht wählen

    Man macht Politik mit dem Tod des Sohnes, weil man als Demokrat keine guten Argumente hat. Politik müsste für sich sprechen. Trump und Clinton sind Pest und Cholera.

  • Dusty am 03.08.2016 08:55 Report Diesen Beitrag melden

    Keine Option

    Druckt bitte auch den offenen Brief von Chris Mark (Marine & Navy Veteran) an Herrn Khan ab um eine gewisse Balance zu haben. Die Einseitigkeit ist ja schlimmer als bei CNN (Clinton News Network). Unter dem Strich sind beide Unwählbar.

    • Sven am 03.08.2016 09:20 Report Diesen Beitrag melden

      @Dusty

      Danke für den Tipp

    • Bartli am 03.08.2016 17:09 Report Diesen Beitrag melden

      Politiküberdruss

      @ Dusty. Das sehe ich genau so und noch mehr. Diese Tendez liesse sich noch auf viele Ländern erweitern. Man wählt bald nur noch Pech oder Schwefel. Thausende an überteueren Marionetten, die einzig dem Kapital zu Kreuze kriechen und primär in die Politik gehen, um ihre eigenen Kassen auf- oder anzufüllen, auch in Bezug einer grosszügigen Altersvorsorge. Beisse nicht in Hände die einen füttern, sag nicht am Ast auf dem Du sitzt.

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  • Sommer9 am 03.08.2016 08:18 Report Diesen Beitrag melden

    Schmutzige Wahlkampagne

    Der Streit um den gefallenen Soldaten ist nur eine schmutzige Wahl-Kompanie von Clinton? Wenn es so ist, dann ist Clinton noch schlimmer als Trump...

  • Carlo am 03.08.2016 05:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hillary wird nicht glaubwürdiger

    Ich denke dieses "Gschichtli" ist schon ziemlich alt. Die Kommentare nicht besser. und insbesondere wird die Hillary nicht glaubwürdiger. Ganz im Gegenteil.