Schönheitsideal

09. Januar 2019 05:48; Akt: 09.01.2019 08:45 Print

Deshalb sind Frauen stolz auf ihre langen Achselhaare

Körperbehaarung bei Frauen ist verpönt. Das musste schon Topmodel Heidi Klum erfahren. Die Aktion #Januhairy ruft nun Frauen dazu auf, ihre Körperhaare zu zeigen.

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Ungefähr 8 Wochen und über 8100 Franken investieren westliche Frauen im Verlauf ihres Lebens in die Rasur ihrer Körperhaare. Das zeigt eine britische Studie von 2017. Damit soll nun Schluss sein: Unter dem Hashtag #Januhairy erobern momentan unzählige Fotos von Frauen, die ihre behaarten Achseln oder Beine in die Kamera halten, das Netz. Ins Leben gerufen wurde #Januhairy von der 21-jährigen Engländerin Laura Jackson (im Bild). Die Aktion hat zum Ziel, dass Frauen ihre Körperbehaarung den ganzen Januar lang wachsen lassen und diesen Prozess auf Instagram dokumentieren. Das soll helfen, die Körperbehaarung von Frauen zu enttabuisieren. Das Ganze soll die Körperbehaarung bei Frauen enttabuisieren und Frauen den Druck nehmen, sich täglich minutiös zu enthaaren. Denn: Körperhaare seien natürlich. Ähnliche Erfahrungen machte das deutsche Topmodel Heidi Klum. Klum, die dem gängigen Schönheitsideal eigentlich entspricht, postete vor einiger Zeit ein Strandfoto von ihren Beinen auf Instagram. Bei genauem Hinschauen werden feine blonde Härchen an den Oberschenkeln sichtbar. Grund genug für einige Follower, Klum zu beschimpfen Auf Social Media wird die Aktion rege diskutiert. Eine Instagram-Userin verkündet euphorisch, 2019 werde das Jahr, in dem Frauen endlich damit aufhören würden, sich für ihre natürlichen Körperhaare zu schämen. Doch nicht alle sind begeistert. Auf Facebook schreibt eine Frau etwa: «Sorry, ich mache da nicht mit. Ich rasiere mich schliesslich für mich selber, um mich sauber und wohl zu fühlen.» Laut dem Soziologen Johannes Krause von der Universität Düsseldorf hat ein Schönheitsideal stets eine soziale und eine evolutionäre Komponente. «Das Ideal der Haarlosigkeit wird üblicherweise mit einem jungen Körper in Verbindung gebracht. Jugendlichkeit wiederum signalisiert eine noch lang anhaltende Fruchtbarkeit, was evolutionär bedingt vor allem bei Frauen als attraktiv gilt.»

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Ungefähr 8 Wochen und über 8100 Franken investieren westliche Frauen im Verlauf ihres Lebens in die Rasur ihrer Körperhaare. Das zeigt eine britische Studie von 2017. Damit soll nun Schluss sein: Unter dem Hashtag #Januhairy erobern momentan unzählige Fotos von Frauen das Netz, die ihre behaarten Achseln oder Beine in die Kamera halten.

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Ins Leben gerufen wurde #Januhairy von der 21-jährigen Engländerin Laura Jackson.
Ihre Aktion hat zum Ziel, dass Frauen ihre Körperbehaarung den ganzen Januar lang wachsen lassen und diesen Prozess auf Instagram dokumentieren. Das soll helfen, die Körperbehaarung von Frauen zu enttabuisieren. So schreibt Laura auf Instagram: «Körperbehaarung bei Frauen wird in unserer Gesellschaft noch immer kaum akzeptiert. Die Gesellschaft tut so, als wären die natürlichen Körperhaare bei Frauen etwas Unansehnliches, Widerwärtiges.»

Heidi Klum beschimpft

Ähnliche Erfahrungen machte das deutsche Topmodel Heidi Klum. Klum, die dem gängigen Schönheitsideal eigentlich entspricht, postete vor einiger Zeit ein Strand-Foto von ihren Beinen auf Instagram. Bei genauem Hinschauen werden feine blonde Härchen an den Oberschenkeln sichtbar. Grund genug für einige Follower, Klum zu beschimpfen und darauf hinzuweisen, sich gefälligst die Beine zu enthaaren: «Rasier dir mal die Beine!» oder «Ey, sowas geht gar nicht».

Lauras Aktion setzt einen Gegentrend: Nach einer Woche finden sich schon 2500 Bilder unter dem Hashtag #Januhairy auf Instagram. Frauen aus aller Welt haben sich Laura angeschlossen und lassen ihre Körperbehaarung einen Monat lang spriessen. Sie alle unterstützten die Idee, dass Frauen sich nicht mehr täglich gezwungen fühlen sollen, sich an jeglichen Stellen ihres Körpers zu enthaaren.

«Frauen sind mit oder ohne Körperhaare schön»

Auf Social Media wird die Aktion rege diskutiert. Eine Instagram-Userin verkündet euphorisch, 2019 werde das Jahr, in dem Frauen endlich damit aufhören würden, sich für ihre natürlichen Körperhaare zu schämen. Doch nicht alle sind begeistert. Auf Facebook schreibt eine Frau etwa: «Sorry, ich mache da nicht mit. Ich rasiere mich schliesslich für mich selber, um mich sauber und wohl zu fühlen.»

Und auch Männer mischen sich in die virtuelle Diskussion ein. Auf Twitter verweist ein User darauf, dass Frauen in der heutigen Gesellschaft das Recht hätten, zu tun, was sie wollten, und das sei richtig so. Sie müssten sich einfach bewusst sein, dass geschätzte 99 Prozent aller Männer Körperhaare bei Frauen abstossend fänden: «Körperhaare bei Frauen sind schlicht und einfach unattraktiv.» Ein Instagram-User hingegen schreibt: «Ich als Mann kann nur sagen, dass Frauen schön sind – mit oder ohne natürliche Körperbehaarung. Es ist die Wahl der Frauen.»

Jugendlicher Körper

Laut dem Soziologen Johannes Krause von der Universität Düsseldorf hat ein Schönheitsideal stets eine soziale und eine evolutionäre Komponente. «Das Ideal der Haarlosigkeit wird üblicherweise mit einem jungen Körper in Verbindung gebracht. Jugendlichkeit wiederum signalisiert eine noch lang anhaltende Fruchtbarkeit, was evolutionär bedingt vor allem bei Frauen als attraktiv gilt.» Das Kriterium der Haarlosigkeit sei folglich eine evolutionäre Komponente des Schönheitsideals, so Krause.

Weiter gebe es feministische Stimmen, die betonen, dass das weibliche Schönheitsideal von Männern bestimmt werde. «Folgt man diesen Stimmen, ist die Verweigerung der Rasur auch ein Ausdruck der Emanzipation», sagt Krause. Er wage dennoch zu bezweifeln, dass eine Social-Media-Bewegung die langanhaltende und flächendeckende Wirkung entfalten könne, die für ein so generelles Umdenken in Sachen Körperbehaarung nötig sei.

(jk)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • E. Go am 09.01.2019 06:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    muss nicht sein

    Muss jeder selbst wissen, ich mache die Trends nie mit, weil ich eine eigene Meinung habe und nicht das Fähnchen im Wind bin, nur weil ein Influencer das Gefühl hat die Welt zu beherrschen... Der Mensch und das Internet... Jedliche Selbstbestimmung geht den Bach runter! Leute, macht die Augen auf und löst euch davon ab, in jeglicher Hinsicht! Vertraut wieder auf euer Urvertrauen.

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  • alright am 09.01.2019 06:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Achselhaare

    Igittigitt. Scheusslich. Geht gar nicht - nicht mal bei Männern

  • Marc Steiner am 09.01.2019 06:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Frau vs. Mann

    Nur hässlich, ebenso bei Männern.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Landei am 09.01.2019 09:53 Report Diesen Beitrag melden

    Haare nicht entfernen

    Bei Rasierten im Intimbereich beschleicht einem das Gefühl, mit einem Minderjährigen ins Bett zu gehen...

  • Ein Mann am 09.01.2019 09:50 Report Diesen Beitrag melden

    Kann auch nichts dafür...

    Mir gefallen Haare nun mal nicht. Wer auf mich anziehend sein will muss damit umgehen können, dass ich Vorlieben habe.

  • Zeit_Genosse am 09.01.2019 09:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Weg vom Pornoideal

    Die haarlosen Körper sind von der Pornoindustrie gefördert worden. Dann kamen Brustvergrösserungen, Intimpiercings, Lippenaufspritzen, Schamlippenverkleinerungen, Analbleachings und jetzt werden Ärsche rund mit Eigenfett modelliert. Die Fitnessindustrie hat die Haarlosen als Schönheitsideale gefördert. Das alles ist bei den Normalos angekommen, die gar nicht wissen, dass sie den Pornoidealen folgen und kommerziell gesteuert werden. Kurz: Erwachsene haben Haare. Gepflegte Haare (getrimmt) sind ein natürlicheres Schönheitsideal, das (heute) Mut erfordert.

  • Philosoph am 09.01.2019 09:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gut organisiert

    Der Mensch ist Teil der Natur, wie übrigens alle andern Tierchen auch, zu denen wir zählen, mit Haut und Haar, mit Herz und Lunge, Augen, Ohren und Riecherchen, mit mehr oder weniger Gehirn, mit Geburt und Ende. Da können die Religionsfritzen sich äussern, wie sie wollen. Achselhaare hat uns die Natur beschert, die einen haben mehr, die andern weniger davon.

  • Sandro Gerber am 09.01.2019 09:46 Report Diesen Beitrag melden

    Trend oder nicht - wen intressierts

    2019 und der Trend, welcher 2015 in CA begann ist auch schon über den Teich geschwappt... gähn! Und... Jede wie sie will