«Unser Mädchen»

09. Oktober 2018 17:57; Akt: 09.10.2018 17:57 Print

Darum liebten Rechte und Neonazis Taylor Swift

Ihre Wahlempfehlung hat Taylor Swift Kritik aus dem republikanischen Lager eingebracht. Sie galt lange als Liebling rechter Verschwörungstheoretiker – aus eigenartigen Gründen.

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Popstar Taylor Swift hat diese Woche nach langem Schweigen politisch Stellung bezogen und auf ihrem Instagram-Account Unterstützung für den Kandidaten der Demokraten im Bundesstaat Tennessee bei den Zwischenwahlen am 6. November bekundet.

Die US-Sängerin forderte ihre Fans auf, wählen zu gehen und kritisierte die republikanische Kandidatin Marsha Blackburn. Auf eine Journalistenfrage zu Swifts politischem Engagement sagte Donald Trump vor dem Weissen Haus, Swift wisse nichts über Blackburn. Weiter sagte der Präsident am Montag, ihm gefielen Swifts Songs nun «25 Prozent weniger».

Dabei war Taylor Swift zuvor jahrelang der Liebling von Rechten und Neonazis in Amerika gewesen. Wie es dazu kam, hat durchaus eigenartige Gründe:

• Der Name der Katze
Im November 2011, in der Mitte von Barak Obamas erster Amtszeit, führte das Imageboard 4chan einen Wettbewerb durch, bei dem ein Name für ein Kätzchen gesucht wurde. Als der Name Meredith gewählt wurde, entstand das Gerücht, die Umfrage sei anonym von Taylor Swift aufgeschaltet worden, zumal sie ihrer Katze ebenfalls diesen Namen gegeben hatte. Dass dies mindestens drei Tage vor dem Aufschalten des 4chan-Post geschehen war, änderte nichts daran, dass sich der Irrglaube wacker hielt.

Daraufhin fand die Web-Gemeinschaft weitere Botschaften, die angeblich vom Popstar verfasst worden waren. Darunter auch den Eintrag einer Person, die nach Eigenangaben «zu den 50 bekanntesten Personen auf dem Planeten zählt» und sich selber als konservativ bezeichnet. Für die selbst ernannten Web-Detektive war damit klar, dass Taylor Swift ihre politische Ausrichtung bekannt gegeben hatte.

• Hitlers Wort in Taylors Mund
Auf der Suche nach weiteren versteckten Botschaften der 28-Jährigen stiess ein Neo-Nazi-Blogger auf ein Meme, bei dem jemand Fotos von Swift mit Aussagen von Adolf Hitler versehen hatte. Er verbreitete sie in der Annahme, diese seien echt. Daraufhin bezeichnete eine rechtsextreme Verschwörungsseite, die sich unter anderem für die Legalisierung von Vergewaltigung einsetzt, Swift als ihre «arische Göttin».

• Blond, weiss und von der Weihnachtsbaum-Farm

Die grosse Masse liess sich von diesen Theorien nicht in den Irrglauben treiben, der bekannte Popstar sei ein Nazi. Doch mit der Zeit entstand dennoch der breit gefächerte Glaube, Swift identifiziere sich mit rechtsextremem Gedankengut. Das Trump-nahe Newsportal Breitbart nahm die Memes zum Anlass, um die «offensichtlichen Fakten» über Swift zu sichten: Sie sei «sehr blond, sehr weiss» – und «auf einer Farm für Weihnachtsbäume» aufgewachsen. Seither bezeichnen nicht nur Neonazis Swift als «our girl», «unser Mädchen».

Zudem würde sich Swift nicht wie andere Sängerinnen verhalten, die «entweder weiss sind und sich gebärden wie Schwarze» oder «schwarz sind und sich zunehmend weiss verhalten». Swift fühle sich offenbar wohl in ihrer Haut und ziele nicht auf «rassische Mehrdeutigkeit» ab.

• Gegenwind von Links
Die Gerüchte um Swifts Orientierung nach Rechtsaussen wurden ironischerweise auch von linken Kreisen befeuert, die in ihren Werken Rassismus zu finden glaubten. So sei der Hit «Shake It Off» eine Verspottung von schwarzer Hip-Hop-Kultur. Die amerikanische Sozialkritikerin Camille Paglia nannte Swift eine «Nazi-Barbie». Auch für ihr Video «Wildest Dreams», das in Afrika gedreht wurde, bekam Swift den Stempel als Rassistin aufgedrückt: Sie träume von einem «weissen Afrika», hiess es im amerikanischen Radio-Netzwerk NPR.

• Augen zu, Ohren zu
Die rechtsextreme Gemeinschaft schien so verliebt in ihre neue Galionsfigur, dass sie jedem noch so offensichtlich manipulierten Foto glaubte. Ein Bild, das Swift mit einem «Make America Great Again»-Cap zeigt, wurde kurz nach Erscheinen während Trumps Wahlkampf als Fälschung identifiziert. Schnell zirkulierte das Originalfoto, auf dem Swift keine Kopfbedeckung trägt. Rechtsaussen-Kommentatoren taten in der Folge dieses Bild als Fälschung ab.

Dabei hatte es auch vor dem eindeutigen Statement Swifts gegen die republikanische Senatskandidatin schon mehrfach Hinweise gegeben, wonach sie eher mit den Ansichten der Demokraten übereinstimmt. So hatte sich die Musikerin gemäss dem «Rolling Stone» über Barack Obamas Wahlsieg gefreut.

Im März hatte sie klar Stellung gegen die NRA bezogen und sich für striktere Waffengesetze ausgesprochen. Zudem trat sie in der Vergangenheit mehrfach gegen Gewalt an Frauen ein, nachdem sie sich 2017 als Opfer von sexueller Nötigung geoutet hatte.

(mat)