14. April 2005 14:45; Akt: 14.04.2005 14:57 Print

Deutschland: Grossrazzia gegen mutmassliche Islamisten

Mit einer Grossrazzia in sechs Bundesländern ist die deutsche Polizei heute gegen mutmassliche Financiers und Ideologen islamistischer Terrorakte vorgegangen.

Fehler gesehen?

25 Wohnungen, Büros und Geschäfte sowie fünf Moscheen wurden durchsucht, die meisten davon in München, wie der Münchner Polizeisprecher Peter Reichl sagte. Ein Ägypter und ein Tunesier wurden als Hauptverdächtige festgenommen. Zahlreiche Computer, Geschäftsunterlagen sowie Kassetten und CDs mit Hassbriefen wurden beschlagnahmt.

Gegen die beiden Männer, die in München festgenommen wurden, laufen Ermittlungsverfahren wegen Geldwäsche und Steuerhinterziehung. Reichl sagte, es bestehe der Verdacht, dass sie Terroraktionen finanziell unterstützt hätten: «Es sind sehr viele Gelder geflossen über verschiedene Firmen.» Die Gelder seien nach Nordafrika überwiesen worden, aber auch in andere Länder.

Beide Männer pflegten «Kontakte zum islamistisch-terroristischen Spektrum», sagte der Polizeisprecher. Der 43-jährige Tunesier, der im Kleiderhandel tätig sei, war den Angaben zufolge in den 90er Jahren an Terroranschlägen in seiner Heimat beteiligt. Der 47-jährige Ägypter habe mit Hasspredigten auf Video und CDs gehandelt und einen sechsstelligen Betrag über Kuriere und konspirative Konten verschoben. Ihm wurde bereits der Haftbefehl eröffnet. Beiden Männern, die sich legal in Deutschland aufhielten, wird Steuerhinterziehung in grosser Höhe vorgeworfen.

Reichl erläuterte: «Die beiden Verdächtigen haben miteinander nichts zu tun.» Die Durchsuchungen in den zwei Ermittlungsverfahren seien parallel geführt worden, damit keiner der beiden vorzeitig vor einer Polizeiaktion gewarnt würde.

Um 06.00 Uhr morgens starteten mehr als 200 Ermittler unter Federführung von Staatsanwaltschaft und Polizeipräsidium München die Grossrazzia im gesamten Bundesgebiet. Der Schwerpunkt lag in München, weitere Aktionen liefen rund um die bayerische Landeshauptstadt und in Nürnberg. In Berlin wurden an acht verschiedenen Orten Räume durchsucht, in Hamburg an zwei. Einzelne Razzien fanden zudem in Baden-Württemberg, Bremen und Niedersachsen statt. Auch in der belgischen Hauptstadt Brüssel rückten die Ermittler in Firmenräumen an.

Videos und CDs mit Hasspredigten sichergestellt

Neben Privatwohnungen durchsuchte die Polizei auch Steuerkanzleien und Moscheen. Dabei sei viel Beweismaterial sicher gestellt worden, darunter 61 Computer, mehrere 100.000 CDs und Tonträger mit Hasspredigten und Auszügen aus dem Koran sowie über 50.000 Euro in bar.

An vielen Orten sei bei Zeugen durchsucht worden, sagte Reichl. Die Polizei habe alle betroffenen Personen angetroffen, Probleme habe es nicht gegeben: «Die Aktion verlief sehr ruhig und geordnet.» Ob ein Bezug zu den 24 mutmasslichen Terror-Finanziers besteht, gegen die Anfang Februar mit einer bundesweiten Grossrazzia ermittelt worden war, war zunächst nicht zu erfahren.

Der bayerische Innenminister Günther Beckstein kündigte verstärkten Druck auf islamistische Extremisten an. Alle Mittel des Ausländerrechts würden genutzt, «um Top-Gefährder und Hassprediger so schnell wie möglich ausser Landes zu bringen».

(ap)