Kosovo

20. Januar 2010 15:43; Akt: 20.01.2010 15:50 Print

Dick Marty jagt die Organhändler

Der Sonderberichterstatter des Europarates, Dick Marty, geht Berichten über Organhandel während des Kosovo-Krieges nach. Dafür traf er in Pristina offizielle Verantwortliche.

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Der Tessiner Ständerat Dick Marty soll den Spuren des Organhandels im Kosovo nachgehen. (Bild: Keystone)

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Demnach kam Marty mit Vertretern der Europäischen Rechtsstaatsmission im Kosovo (EULEX) und mit dem kosovarischen Justizminister Nekibe Kelmendi zusammen.

Der Tessiner Ständerat will Behauptungen überprüfen, wonach die damalige Kosovo-Befreiungsarmee (UCK) während des Konflikts von 1998 bis 1999 mit Organen von entführten Serben gehandelt haben soll.

In seinen Ermittlungen habe es «Bewegung» gegeben, hatte Marty am Dienstagabend in Pristina gesagt. Zu Einzelheiten wollte er sich nicht äussern. «Wir sind hier, um Informationen zu sammeln», sagte er und dankte den kosovarischen Behörden für deren Hilfe und Informationen.

Keine juristische Mission

Seine Mission sei keine juristische oder eine Ermittlungsinstanz, sagte Marty. Seine Aufgabe sei es, «professionell und ernsthaft» nach der Wahrheit zu suchen und die Werte der Internationalen Menschenrechtskonvention zu verwirklichen. Diese Wahrheit sei die Voraussetzung für ein friedliches Zusammenleben der Menschen im Kosovo.

Die serbische Sonderstaatsanwaltschaft ermittelt seit mehr als eineinhalb Jahren zum angeblichen Organhandel, der im Jahr 1999 stattgefunden haben soll. Den Anlass für die Aufnahme der Ermittlungen lieferte ein Buch der früheren Chefanklägerin des Haager UNO-Kriegsverbrechertribunals, Carla del Ponte.

In ihrem Buch «Im Namen der Anklage - Meine Jagd auf Kriegsverbrecher und die Suche nach Gerechtigkeit» (italienischer Originaltitel: «La Caccia») hatte die Schweizer Juristin berichtet, dass sich die Tribunalsanklage 2004 auch mit dem angeblichen Handel mit Organen serbischer Zivilisten in Albanien befasst habe.

Beweise fehlen

Im Kapitel über den Kosovo-Krieg schrieb Del Ponte über die Verschleppung von rund 300 Serben durch Mitglieder der UCK nach Nordalbanien im Jahr 1999. Dort hätten UCK-Mitglieder Gefangenen Organe entnommen und sie anschliessend ermordet. Wegen fehlender Beweise waren von Anklägern des UNO-Tribunals allerdings nie Ermittlungen eingeleitet worden.

Die Vorwürfe von Del Ponte wurden in Pristina, wo sich ehemalige UCK-Führer mittlerweile sowohl in der Regierung als auch in der Opposition befinden, zurückgewiesen. Die albanische Staatsanwaltschaft lehnt eine Zusammenarbeit mit der serbischen Justiz in diesem Fall ab.

(sda)