Simone Gbagbo

12. April 2011 18:12; Akt: 12.04.2011 18:12 Print

Die «eiserne Lady» der Elfenbeinküste

von Peter Blunschi - Sie gilt als gottesfürchtig, skrupellos und Antreiberin ihres Ehemanns. Nach ihrer Verhaftung droht Simone Gbagbo nun ein Gerichtsverfahren.

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Anhänger von Alassane Ouattara posierten am Montag mit der festgenommenen Simone Gbagbo. (Bild: Keystone/AP)

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Als Laurent Gbagbo am Montag verhaftet wurde, war Simone an seiner Seite, Ehefrau und wichtigste «Einflüsterin» des gestürzten Präsidenten der Elfenbeinküste. Die einen verehren sie als «Hillary Clinton der Tropen», für andere ist sie die «eiserne» oder gar «blutige Lady». Ihr Machthunger soll grenzenlos sein. Simone Gbagbo gilt als treibende Kraft hinter der Weigerung ihres Mannes, die Wahlniederlage gegen Alassane Ouattara zu akzeptieren.

Die 61-jährige «Première Dame» sieht sich in erster Linie als Opfer. Sie werde von den internationalen Medien «dämonisiert», klagte Simone Gbagbo in einem Buch. Geboren wurde sie 1949 als eines von 18 Kindern eines Polizisten in Grand-Bassam östlich der Metropole Abidjan. Simone Ehivet, so ihr Mädchenname, studierte Geschichte. Wegen ihrer marxistischen Überzeugungen und ihrem Engagement in der Gewerkschaftsbewegung wurde sie in den 70er Jahren mehrfach verhaftet und angeblich gefoltert.

Bekehrte Marxistin

Mit ihrem künftigen Ehemann Laurent Gbagbo gehörte Simone Ehivet 1982 zu den Gründern der Ivorischen Volksfront (FPI). 1989 heiratete sie Gbagbo in zweiter Ehe, mit ihm hat sie zwei ihrer fünf Kinder. Nachdem sie 1998 einen Verkehrsunfall «wie durch ein Wunder» überlebt hatte, konvertierte die einstige Katholikin und Marxistin zum evangelikalen Christentum. Noch heute hat sie gute Beziehung zur christlichen Rechten in den USA.

Mit der Wahl von Laurent Gbagbo zum Präsidenten im Jahr 2000 war auch seine Frau ganz oben angelangt, von nun an dachte sie nicht mehr daran, die Macht aufzugeben. Offiziell war sie Präsidentin der parlamentarischen Gruppe der FPI und Vizepräsidentin der Partei. «Alle Minister respektieren mich. Sie betrachten mich oft als über ihnen stehend», sagte Simone Gbagbo dem französischen Magazin «L’Express» in einem ihrer seltenen Interviews.

Gegen Frankreich und die Muslime

Nachdem die zunehmende Spaltung des Landes in den christlichen Süden und den muslimischen Norden 2002 zum Bürgerkrieg führte, betätigte sich die Präsidentengattin als nationalistische Hardlinerin, die Brandreden hielt gegen die ehemaligen Kolonialmacht Frankreich und Alassane Ouattara, den muslimischen Rivalen ihres Mannes. Ein Abkommen von 2003, das eine Regierung der nationalen Einheit vorsah, soll Simone Gbabgo aktiv sabotiert haben. Auch wurde ihr Nähe zu Todesschwadronen nachgesagt.

Ihr Einfluss auf ihren Mann blieb beträchtlich, obwohl der sich mit der deutlich jüngeren Ex-Journalistin Nadiana Bamba eine Zweitfrau zugelegt hatte. «Gott hat Laurent den Sieg geschenkt», behauptete sie im letzten November. Das Ergebnis der nationalen Wahlkommission hatte das Gegenteil belegt. In öffentlichen Auftritten bezeichnete sie Ouattara als «Chefbanditen» und Frankreichs Präsidenten Nicolas Sarkozy als «Teufel».

Lieber Macht statt Luxus

Beobachter vergleichen Simone Gbagbo mit anderen Ehefrauen von Autokraten, die einen beträchtlichen und unheilvollen Einfluss ausübten, etwa Imelda Marcos oder Grace Mugabe. Im Gegensatz zu diesen aber hat sich die ivorische First Lady offenbar nie für Luxus interessiert. Lieber kaufte sie lokale Kleider, statt sich in Paris auf Shoppingtour zu begeben. «Sie macht Politik, von morgens bis abends», schrieb das Magazin «Jeune Afrique». Unbestritten ist ihr karitatives Engagement, etwa im Kampf gegen Aids und die Armut.

Nun droht nicht nur Laurent Gbagbo ein Gerichtsverfahren. Auch Simone könnte ins Visier der Justiz geraten. Das gilt nicht zuletzt für den Fall des französisch-kanadischen Journalisten Guy-André Kieffer, der 2004 spurlos verschwunden war, als er über politische Korruption in der Elfenbeinküste recherchierte. Bereits zweimal war Simone Gbagbo von der französischen Justiz vernommen worden. Denn vor seinem Verschwinden war Kieffer unterwegs zu einem Treffen mit Michel Legré, einem Schwager der Première Dame.