Folterbericht

09. Dezember 2014 17:01; Akt: 09.12.2014 17:01 Print

Die CIA fürchtet um das Leben ihrer Folterknechte

Der Folterbericht des Senats könnte CIA-Agenten enttarnen, sagt der US-Geheimdienst. Die Spione und ihre Familien seien in höchster Gefahr.

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US-Aussenminister ist sehr besorgt, dass die Veröffentlichung des Folterberichts im Dezember 2014 Amerikaner auf der ganzen Welt bedroht. Der Bericht enthält die Schlussfolgerungen einer Untersuchung des Internierungs- und Verhörprogramms der CIA unter dem damaligen US-Präsidenten George W. Bush. Dieser Meinung ist auch , Vorsitzender des Geheimdienstausschusses im US-Repräsentantenhaus. «Sehr wahrscheinlich werden Menschen mit dem Leben dafür büssen, wenn dieser Bericht veröffentlicht wird», sagte er. Der ehemalige CIA-Chef schliesslich sieht die US-Interessen in der Nahostregion gefährdet, da manche der verbündeten Staaten durch die Zusammenarbeit mit den USA politische Risiken eingingen und daher auf Diskretion angewiesen seien. Hayden war Chef der CIA während der vom Geheimdienstausschuss untersuchten Zeitspanne. Verfasst wurde der Folterbericht vom Geheimdiensttausschuss unter dem Vorsitz der Demokratin . US-Präsident hat den Bericht bereits kommentiert: «Wir haben einige Leute gefoltert.» Der Bericht kommt zum Schluss, dass die CIA nicht nur legale Verhörtechniken, sondern auch Folter wie Waterboarding angewendet hat. Diese Foltermethode simuliert das Ertrinken. Ausserdem steht im Bericht, dass die Folter der CIA zu keinen wichtigen Informationen geführt und dass die CIA das Weisse Haus, den Kongress und das Justizdepartement systematisch angelogen habe. Dass Foltermethoden wie Waterboarding zum Einsatz kamen, war schon im Vorfeld bekannt. Doch die Untersuchungen ergaben, dass die Methoden noch brutaler waren. So steckten die Agenten zum Beispiel Mohammed hat die CIA-Folter überlebt und liess sich in Gefangenschaft auf Guantánamo Bay einen langen Bart wachsen. Schlimmeren Verhören wurde auch unterzogen, ein Leutnant von Osama bin Laden. Auch Der Zerstörer USS Cole lag im Hafen von Aden in Jemen vor Anker, als er von einem Boot mit einer Bombe angegriffen wurde.

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Detailliert beschreibt der sogenannte Folterbericht, mit welch brutalen Methoden Agenten der CIA Terrorverdächtige verhörten. Eine Zusammenfassung wird am Dienstag veröffentlicht (siehe Infobox). Jetzt befürchtet die CIA, dass einige ihrer Agenten enttarnt werden könnten – obwohl nur die Namen von Top-Kadern und öffentlich bekannten CIA-Mitarbeitern veröffentlicht werden.

Konkret warnt die CIA vor der Gefahr, dass Leser, die mit der Materie vertraut seien, durch im Bericht erwähnte Beschreibungen der untersuchten Vorfälle Rückschlüsse auf die Identität der Spione ziehen könnten. Betroffen sind rund 15 Mitarbeiter.

Hilfe beim Untertauchen

Nachdem mehrere aktive und ehemalige Agenten ihrem Arbeitgeber von ihrer Angst um ihre eigene Sicherheit und diejenige ihrer Familien erzählt haben, reagierte die Agency: «Die CIA wird sich um die Personen kümmern und ihnen helfen, ihre Situation zu beurteilen und gegebenenfalls unterzutauchen», sagte ein namentlich nicht genannter Mitarbeiter gegenüber «Daily Beast».

Die CIA hatte sich in der Vergangenheit vehement gegen die Veröffentlichung des Berichts gewehrt. Neben der Gefahr der Enttarnung ihrer Agenten, befürchtet die Agency, dass auch alle mit den Spionen im In- und Ausland in Kontakt getretenen Personen automatisch gefährdet sein würden. Die Arbeit des Geheimdiensts würde so erheblich erschwert.

Computer des Untersuchungsausschusses gehackt

Ehemalige CIA-Mitarbeiter wie Ex-Direktor Michael Hayden oder Top-Kader Gary Berntsen sehen zudem die US-Interessen in Krisenregionen gefährdet, da manche der verbündeten Staaten durch die Zusammenarbeit mit den USA politische Risiken eingegangen waren und daher auf Diskretion angewiesen seien. «Würden Sie sich erneut an einer Geheimmission mit einem Land beteiligen, das Sie später in den Medien outet? Sie werden uns nicht mehr vertrauen, das ist ein grosses Problem», sagte Berntsen laut «Daily Beast». Bernsten arbeitete 20 Jahre lang bei der Agency, Hayden war Chef der CIA während der vom Geheimdienstausschuss untersuchten Zeitspanne.

Die CIA kämpfte nicht nur mit Argumenten gegen den Bericht: Bereits während der Untersuchungen sabotierte die CIA die Arbeit des Geheimdienstausschusses im Senat: Anfang Jahr machte die Vorsitzende Dianne Feinstein öffentlich, dass die CIA in Computer des Ausschusses eingedrungen sei, mit dem Ziel, kompromittierende Daten zu löschen. Zudem zerstörte der Geheimdienst weitere Dateien, welche das Hacken der Untersuchungsdokumente der Kongressaufsicht bewiesen hätten.

(kmo)