Helmut Schmidt

28. März 2014 15:19; Akt: 28.03.2014 16:17 Print

Die Deutschen demontieren ihr Idol

Mit deutlichen Worten äusserte sich Altkanzler Helmut Schmidt zur Krim-Krise. Die Ikone der Sozialdemokraten verteidigte das Vorgehen Putins. Ihm schlägt heftige Kritik entgegen.

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Der deutsche Ex-Bundeskanzler Helmut Schmidt ist für seine prägnanten Worte bekannt. In einem Interview mit dem Wochenmagazin «Die Zeit» hatte er sich zur Krise in der Ukraine geäussert. Als «durchaus verständlich» bezeichnete der 95-Jährige das Vorgehen des russischen Präsidenten Wladimir Putin auf der Krim. Die von der Europäischen Union und den USA beschlossenen Sanktionen gegen Russland nannte er «dummes Zeug».

Dafür hagelt es nun heftige Kritik. Bild.de titelte auf ihrer Frontseite die Schlagzeile: «Hat Helmut Schmidt noch den Durchblick?» In der Oberzeile heisst es: «Eine Polemik gegen die Putin-Thesen des Altkanzlers.»

«Rauch so dick, dass er den Durchblick nicht hat»

«Bild» beantwortet ihre Titelfrage gleich selber: «Durch die Rauchschwaden seiner Menthol-Zigaretten raunt Helmut Schmidt (95) bedeutsame Worte zur Weltlage. Allein, manchmal scheint der Rauch so dicht, dass selbst der Altkanzler nicht mehr durchblickt.»

Laut «Bild» könne man manchmal sogar den Eindruck haben, Schmidt würde sich gern für Despoten und Diktatoren einsetzen. Was Helmut Schmidt zum Beispiel in zahlreichen Interviews über Syrien sage, sei eine Mischung aus Wirklichkeitsverweigerung und Nachrichten, die aus Assads Propaganda-Maschine stammen. «Gegen alle Fakten wäscht Schmidt, der als Kanzler dem RAF-Terror trotzte, einen Diktator rein, der Gas gegen Zivilisten einsetzt.»

«Wirr und verstiegen»

Auch «Spiegel.de» veröffentlichte einen Kommentar zu Schmidts Aussagen. Der Spiegel bezeichnet Schmidts Worte als «wirr» und «verstiegen». «Wenn ein (vermeintlicher) Bruch des Völkerrechts den nächsten rechtfertigen würde und die Grenzen aller Staaten in der Welt zur Disposition stünden, die sich nicht rein nationalstaatlich aus der Geschichte herleiten lassen, dann wäre das ein Freifahrtschein für endlos viele Grenzkonflikte», so der «Spiegel».

Dass Schmidt das Vorgehen von Wladimir Putin zudem als verständlich bezeichnet und dem Westen vorwirft, dass er sich so furchtbar aufregt, sei nicht altweise, sondern arrogant. Denn: «Was Schmidt dabei verwischt, ist der Unterschied zwischen Verstehen und Verständnis. Wer wie die Europäische Union und die USA gerade versucht, Wladimir Putins Beweggründe zu verstehen, muss deshalb noch lange kein Verständnis für dessen Handeln aufbringen.»

«Billig und bequem»

Zwar räumt der «Spiegel» ein, dass der Westen in der Ukraine-Frage keine gute Figur mache. «Wer aber von vornherein ‹Verständnis› für Russlands Expansion bezeugt, stellt sich diesem Problem erst gar nicht, der hat es gleichsam abgehakt und darf also zur Tagesordnung übergehen. Krim? War da was?»

Das sei sehr bequem – und ziemlich billig für einen ansonsten gern bewunderten Altkanzler.

Jusos und Linke stehen hinter Schmidt

Auch in der deutschen Politik sorgte das Schmidt-Interview für Wirbel. «Es bleibt Helmut Schmidt unbenommen, sich in Putin hineindenken zu wollen, aber man muss nicht gleich Verständnis für etwas zeigen, nur weil es innerhalb der Logik Putins stimmig ist», sagte der Vorsitzende der Grünen, Cem Özdemir, laut Spiegel.de. «Massstab ist das internationale Recht und das hat Putin eindeutig verletzt.»

Teilweise Rückendeckung bekommt der Altkanzler jedoch von der Links-Partei und den Jusos. «Wir Jusos unterstützen den Ansatz, diplomatische Mittel und Sanktionen zur Schlichtung von Konflikten zu nutzen. Ob dies jedoch durch den Ausschluss Russlands aus der G8 erreicht wird, wage ich zu bezweifeln», sagte die Bundesvorsitzende der Jusos, Johanna Uekermann, zu Handelsblatt.com.

(bat)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • effe am 28.03.2014 15:24 Report Diesen Beitrag melden

    er hat Recht!

    Darum wird er auch von der Mainstreampresse bekämpft. Da ihre Propaganda langsam aber sicher wackelt..

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  • Anthony Delavare am 28.03.2014 15:47 Report Diesen Beitrag melden

    Herr Schmidt hat recht...

    Helmut Schmidt hat mit seinen Aussagen absolut recht. Es ist der Westen der Propaganda betreibt und Russland schlecht darstellen will. Ich kann Putin absolut verstehen, die Geopolitik vom Westen erinnert ein bisschen an den 2. Weltkrieg wo Deutschland halb Europa eingenommen hat, wobei es sich hier nun um ein Bündnis zwischen der EU und den USA handelt. Jeder der das ein bisschen objektiv ansieht merkt schnell was die Amerikaner mit der EU zusammen vor haben, Eroberungen von Ländern unter dem Schirm der (Schein)Demokratie. Und die meisten Leute hier sind sich dass alles bewusst.

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  • Roman K am 28.03.2014 15:47 Report Diesen Beitrag melden

    So ises Herr Schmidt

    Ich lach mich krumm wie kann man die Bild zitieren da halte ich eher zu Herr Schmidt welcher offengeistiger und weitsichtiger spricht als die meisten aktuellen Politiker. Was haben die den das gefühlt wohin Sanktionen und die momentane Repression gegen Russland führen. Wer Wind sähet wird Sturm ernten und wer trägt die Verantwortung für die Folgen. In der Regel waren die anderen Schuld Eigenen Beitrag verfassen

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Krims Krams am 30.03.2014 18:51 Report Diesen Beitrag melden

    Schmidt demontiert Mainstreampolitik!

    Helmut Schmidt, einer der klar sieht und die Stimmungsmache beim Namen nennt, danke.

  • mike am 29.03.2014 20:27 Report Diesen Beitrag melden

    new world order

    schmid war am bohemian groove und weiss wie die welt elite funktioniert, es stimmt nicht alles was zeitungen schreiben. meiner meinung nach einer der besten politiker

  • Jörg Oberli am 29.03.2014 18:04 Report Diesen Beitrag melden

    Helmut Schmidt

    Der Herr Altkanzler Helmut Schmidt sollte sich zurücklehnen und seine Zigaretten geniessen. Offensichtlich verkennt er nämlich, dass der ehemalige KGB-Offizier Putin nichts anderes tut, was Stalin damals praktizierte. Nämlich Expansion für sein Land, um jeden Preis. Und da spielen die Nationalitäten keine Rolle. Die Deutschen täten gut daran, sich mal in und an ihrer Geschichte zu orientieren.

    • Peter Lieberherr am 29.03.2014 18:53 Report Diesen Beitrag melden

      Jörg Oberli

      Nicht Stalin hat Deutschland angegriffen sondern Hitler Russland.

    • JayZ am 29.03.2014 19:35 Report Diesen Beitrag melden

      Ja, genau

      zum Beispiel das die BrD keine Verfassung hat und somit immer noch Gesetze vor 1937 gelten. Dass der Personalausweis bedeutet, dass sie Angestellte einer GmbH sind, die keine Menschenrechte besitzen!

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  • Cybot am 29.03.2014 17:38 Report Diesen Beitrag melden

    Verstehen und Verständnis

    Das Problem an dieser These ist, dass das Adjektiv zu beiden dieser Begriffe "verständlich" ist. Ob er wirklich Verständnis für Putin aufbringt oder nur sein Handeln verstehen kann, geht aus diesen aus dem Zusammenhang gerissenen Worten nicht hervor. Aber Hauptsache eine Story draus gemacht.

  • Troubadix am 29.03.2014 14:48 Report Diesen Beitrag melden

    Wer kennt es nicht?

    Wir befinden uns im Jahre 50 v.Chr. Ganz Gallien ist von den Römern besetzt... Ganz Gallien? Nein! Ein von unbeugsamen Galliern bevölkertes Dorf hört nicht auf, dem Eindringling Widerstand zu leisten.....Auch wenn nicht ALLES korrekt ist, Russland hat den Respekt verdient, sich gegen die drohende Weltdiktatur zu wehren!

    • dan mac scottland am 29.03.2014 16:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      blüehender Imperialismus

      Sehr unpopulär was Sie da schreiben. Aaaaaber wie real oder wie wahr!

    • Reto am 29.03.2014 18:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Alles Propaganda

      Man kann es so drehen wie man will. Man könnte auch die Ukraine als Gallien beschreiben, die sich gegen eine Invasion des grossen Russlands widersetzt.

    • JayZ am 29.03.2014 19:03 Report Diesen Beitrag melden

      @Reto

      Wenn man aber weiss, wer die Macht hat, wer unter anderem die Nachrichtenagenturen Reuters,Havas und Wolff sowie die ganze Hollywood Filmindustrie sowie TV-Produktionen, die Banken, Blackstone Group etc. regiert, dann sollte man dies doch zumindest als Möglichkeit und nicht als Propaganda ansehen.

    • Manu am 30.03.2014 14:47 Report Diesen Beitrag melden

      @JayZ

      Es ist immerhin deine eigene Wahl. Du könntest auch europäische oder asiatische Filme schauen, dich bei Agence France-Presse oder RT informieren, dein Geld bei einer heimischen Bank einlegen und Olympus Capital in Betracht ziehen.

    • H. Ligali am 30.03.2014 17:34 Report Diesen Beitrag melden

      So kommt's raus

      wenn man sein Weltbild aus Comicheften bezieht. Das riesige, dikatorische Russland als wehrhaftes gallisches Dorf? Da lacht ja sogar Idefix.

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