29. September 2006 09:38; Akt: 29.09.2006 16:50 Print

Die Foltermethoden der CIA

Wenn Sie wählen könnten: Lieber ein «Attention Slap» ins Gesicht oder ein «Belly Slap» in die Magengrube? Die vom US-Kongress bewilligten Anti-Terror-Gesetze erlauben Folter bis zur Scheinhinrichtung.

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Nach dem US-Repräsentantenhaus hat auch der Senat das umstrittene Anti-Terror-Gesetz von Präsident George W. Bush gebilligt. Das Gesetz erlaubt dem US-Geheimdienst CIA weiterhin, aggressive Verhörmethoden anzuwenden.

Seit dem Frühjahr 2002 darf die CIA sogenannte «verschärfte Verhörmethoden» anwenden. Diese bestehen aus sechs Massnahmen, die einzig durch 14 speziell dafür ausgebildete Vernehmer angewandt werden dürfen.

Der US-Fernsehsender ABC kommt nach seinen Recherchen unter aktiven und ehemaligen CIA-Angehörigen zum Schluss, dass diese aggressiven Verhörmethoden bisher gegenüber elf Gefangenen angewandt wurden, wobei es in mindestens einem Fall zu einem tödlichen Ausgang kam. Die Methoden seien zudem in ein Ensemble von verhörpsychologischen Massnahmen eingebunden - wie beispielsweise der Dauerbeschallung durch Musik -, das aus Erfahrungen des israelischen Geheimdienstes Mossad, der nordirischen Royal Ulster Constabulary Force oder der New Yorker Polizei stamme.

Die sechs verschärften Massnahmen

  • The Attention Grab

  • Schütteln mit hartem Griff an die Kleidung.

  • Attention Slap

  • Schlag mit der offenen Handfläche ins Gesicht.
    Diese Massnahme soll Schmerz verursachen und Angst auslösen.

  • The Belly Slap

  • Harter Schlag mit offener Handfläche in die Magengrube. Dadurch soll Schmerz, aber keine innere Verletzung verursacht werden.

  • Long Time Standing

  • Langzeitstehen bis zu 40 Stunden, die Füsse an den Boden gekettet. Diese Massnahme wird als eine der effizientesten beschrieben.
    Erschöpfung und Schlafmangel zermürben die Gefangenen.

  • The Cold Cell

  • Kaltzelle: Die Temperatur wird auf zehn Grad Celsius gesenkt. Zusätzlich wird der nackte Internierte dabei mit Kaltwasser übergossen.

  • Water Boarding

  • Das «Wasserbrett»: Der Gefangene wird ausgestreckt auf ein schräges Brett geschnallt, Gesicht nach oben, das Kopfende niedriger als das Fussende. Der Kopf wird mit Zellophan umwickelt, Wasser wird dosiert in die Nase gegossen.
    Diese Behandlung, die der völkerrechtlich verbotenen Scheinhinrichtung sehr nahe kommt, löst praktisch unmittelbar einen Würgereflex aus, der mit Todesangst verbunden ist. CIA-Angehörige haben das «Wasserbrett» im Selbstversuch im Schnitt nur 14 Sekunden ausgehalten.