Attacke in London

02. Dezember 2019 09:58; Akt: 02.12.2019 10:19 Print

Er hat Terrorist Khan gestoppt

Die fünf Männer, die sich Attentäter Usman Khan in London in den Weg stellten, werden als Helden gefeiert. Premierminister Boris Johnson muss derweil Kritik für seine Reaktion einstecken.

Auf der London Bridge attackierte ein Mann mehrere Menschen mit einem Messer. Zwei von ihnen starben. (Video: Storyful)
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Zwei Fremdenführer, ein Koch, ein Küchenhelfer und ein verurteilter Mörder: Sie gelten als Helden der London Bridge. Die fünf Männer stellten sich dem Terroristen Usman Khan entgegen, der mit Messern wahllos auf Passanten einstach und zwei Menschen tötete.

Wie die «Bild» berichtet, kämpfte der polnische Koch namens Lukasz mit einem Narwal-Stosszahn, den er in einem Restaurant von der Wand geholt hatte. Marc Conway, verurteilter Mörder auf Freigang, eilte mit einem Feuerlöscher zu Hilfe und die beiden Fremdenführer Stevie Hurst und Tom Gray sowie ein Küchenhelfer namens Mohammed rangen den Terroristen zu Boden, ehe ein Polizist ihn erschoss. Wie der Chef des Küchenhelfers erzählte, sei dieser nach dem Vorfall wiedergekommen und habe Teller abgewaschen.

Fremdenführer Stevie Hurst erzählte «BBC 5», er habe gesehen, wie der Verdächtige festgehalten worden sei. Die Menschen hätten geschrien und mehrere Passanten hätten sich auf ihn gesetzt, um ihn am Boden zu halten. «Wir haben alles versucht, um ihm das Messer zu entwenden, damit er nicht noch mehr Menschen verletzen konnte», sagte Hurst.

«Jack war gegen alles, wofür Sie stehen»

Während die Helden der London Bridge gefeiert werden, wird die Attacke immer mehr zum Wahlkampfthema, schreibt «The Guardian». Obwohl die Familien der beiden Opfer ausdrücklich darum gebeten hatten, deren Tod politisch nicht auszunutzen, gab Premierminister Boris Johnson einer «linken Regierung» die Schuld an der Freilassung des zuvor inhaftierten Usman Khan.

Messerattacke auf London Bridge – mehrere Verletzte

Indem er versuche, die Labour-Partei verantwortlich zu machen, ignoriere Johnson die Bitte der Familien und verwandle den Angriff in ein Wahlkampfthema, kritisierten die Betroffenen. Jack Merritts Vater twitterte am Montag an die Adresse des Premierministers: «Verwenden Sie nicht den Tod meines Sohnes und Bilder von ihm und seinen Freunden, um für Ihre miese Propaganda zu werben. Jack war gegen alles, wofür Sie stehen: Hass, Teilung, Ignoranz.»

Freilassungen werden überprüft

Auch politisch weht Johnson ein rauer Wind entgegen. Als «widerwärtig» verurteilte Jo Swinson, die Parteichefin der Liberaldemokraten, seine Reaktion auf den Angriff. Da sei auf der einen Seite die Gemeinschaft, die nun grossartig zusammenstehe, und auf der anderen Seite ein Premierminister, der versuche, aus dieser Tragödie Wahlkampf zu machen.

Attentäter Usman Khan war wie 74 weitere wegen terroristischer Aktivitäten verurteilte Gefangene vorzeitig entlassen worden. Johnson hat bereits angekündigt, diese Fälle nun zu überprüfen. Auch will er eine härtere Gangart gegen Schwer- und Sexualverbrecher sowie Terroristen anschlagen.

(scl)