Verschleierte Politik

13. Dezember 2011 14:02; Akt: 13.12.2011 21:25 Print

Die Kandidatin ohne Gesicht

von Karin Leuthold - Die Muslimin Kenza Drider will an den nächsten Präsidentschaftswahlen in Frankreich teilnehmen. Völlig verhüllt und gegen das Gesetz geht sie jetzt auf Stimmenfang.

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Kenza Drider (rechts) präsentierte am ihr Wahlprogramm für die französische Präsidentschaftswahlen im April 2012. Im Gegensatz zu der Pornodarstellerin Cindy'Lee, die am in Paris für ihre Kandidatur warb, ... ... zeigte sich Drider komplett verhüllt vor der Gerichtsgebäude und gab eine improvisierte Pressekonferenz.. Während Cindy'Lee wegen ihrer nackten Auftritte keine Konsequenzen zu fürchten hat, ... ... hat es die 32-jährige Drider bei ihrer Wahlkampagne nicht einfach: Seit April dieses Jahres ist das Tragen von islamischen Ganzkörperschleier - Burkas oder Niqabs, die nur ein Gitter beziehungsweise einen Schlitz für die Augen freilassen - in Frankreich verboten. Drider riskiert damit, von der Polizei gebüsst zu werden. Trotzdem, liess sie einige Punkte aus ihrem Wahlprogramm durchsickern. Unter anderem plädiert die Muslimin aus Avignon für den Ausstieg aus der Atomenergie. Im Bereich Wirtschaft schlägt Drider eine Abwertung des Euro um 10 Prozent vor, um ihr Land aus der Finanzkrise zu führen. Cindy'Lee hat eine andere Lösung für die Wirtschaftskrise bereit: Die Finanzströme sollen ihrer Meinung nach auf EU-Ebene mit bis zu 0,2 Prozent besteuert werden. Zudem sollen Finanzprofis und Kadermitarbeiter täglich eine einstündige Massage bekommen, damit sie ihren Stress reduzieren können. Mit den Einnahmen aus den Mehrwertsteuern will die Aktrice Luxusartikel und Einrichtungen wie FKK-Campingplätze oder Erholungszentren subventionieren. Die männlichen Bürger zeigen sich offenbar begeistert.

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Von freizügig zu komplett verhüllt - Frankreichs Präsidentschaftswahlen sind offenbar von extremen Kandidaten gezeichnet. Nachdem Cindy'Lee von der Genuss-Partei halbnackt für ihre Parolen warb, lässt Kenza Drider kaum mehr als ein Blick auf ihre Augen zu. Die Muslimin präsentierte am Montagnachmittag in einer improvisierten Pressekonferenz vor dem Pariser Gerichtsgebäude ihr Wahlprogramm.

Dass sie ausgerechnet das Gericht als Bühne wählte, hat auch einen anderen Grund: Drider begleitete die 32-jährige Hind Ahmas, die gerade vom Tribunal zu einer Busse von 150 Euro verurteilt wurde, weil sie sich weigerte ihren Niqab auf öffentlichem Grund abzulegen. Zusätzlich verdonnerte sie der Richter zum Besuch eines 15-tätigen Kurses für Staatsbürgerkunde.

Seit April dieses Jahres ist das Tragen von islamischen Ganzkörperschleier – Burkas oder Niqabs, die nur ein Gitter beziehungsweise einen Schlitz für die Augen freilassen - in Frankreich verboten.

Atomausstieg und Devaluation

Ahmas war bereits im September zu 120 Euro Bussgeld verurteilt worden. Schon damals stand Drider ihr zur Seite und drohte, sich als Präsidentschaftskandidatin für die Wahlen im April 2012 aufzustellen. Bei ihrem jüngsten Auftritt, bestätigte Drider ihre Absichten und liess etwas mehr aus ihrem Wahlprogramm durchsickern.

Unter anderem plädiert die Muslimin aus Avignon für den Ausstieg aus der Atomenergie. Im Bereich Wirtschaft schlägt Drider eine Abwertung des Euro um 10 Prozent, um ihr Land aus der Finanzkrise zu führen.

Polizeischutz oder Busse?

Im Gegensatz zu Cindy'Lee, die wegen ihrer nackten Auftritte keine Konsequenzen fürchten muss, hat es die 32-jährige Kenza Drider bei ihrer Wahlkampagne nicht einfach. Die kniffligere Aufgabe werden jedoch die Ordnungshüter haben: Sollen sie Kenza Drider als offizielle Anwärterin auf das Elysée schützen oder als Niqab-Trägerin büssen?

Hat man die Aktionen der vierfachen Mutter in den letzten Monaten verfolgt, ist die Antwort klar: Drider liebt die Provokation und würde sich wünschen, für das Tragen ihres Schleiers gestraft zu werden. «Ich habe nichts verbrochen, nichts gestohlen und niemanden umgebracht», sagte sie bei ihren vergangenen Auftritten. «ich bin eine französische Bürgerin wie jede andere.»