US-Republikaner

28. Juni 2011 11:45; Akt: 28.06.2011 12:40 Print

Die Kandidatin und der falsche John Wayne

von Peter Blunschi - Die Abgeordnete Michele Bachmann steigt ins US-Präsidentschaftsrennen ein. Sie ist ein Liebling der Tea-Party-Bewegung und berüchtigt für ihre verbalen Ausrutscher.

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: Der frühere Sprecher des Repräsentantenhauses hat bislang eine Achterbahnfahrt erlebt. Mit dem Sieg bei der Vorwahl in South Carolina war er zuletzt ganz oben. Unklar ist, wie lange dies so bleibt, denn Gingrich schleppt viel Ballast mit sich herum. : Der Ex-Gouverneur von Massachusetts und Multimillionär gilt als mehrheitsfähig. Doch viele Konservative tun sich schwer mit dem Mormonen, sie halten ihn für zu glatt und abgehoben. Nach gutem Start in die Vorwahlen ist er zuletzt in Rücklage geraten. Der 53-jährige Italoamerikaner sass zwölf Jahre für den Bundesstaat Pennsylvania im Senat, ehe er 2006 abgewählt wurde. Er politisiert am rechten Rand der Partei. Lange war er ein krasser Aussenseiter, doch in Iowa gewann er knapp gegen Romney. : Der Texaner hat mit seinen libertären, staatskritischen Ansichten eine grosse Fangemeinde erobert. Diese hat ihm bei den bisherigen Vorwahlen zu teilweise guten Resultaten verworfen. Eine Chance auf die Nomination hat er trotzdem nicht. Der Gouverneur von Texas stieg im August ins Rennen ein und erreichte in den Umfragen sofort Spitzenwerte. Doch nach einigen Patzern stürzte er immer tiefer ab. Nach schwachen Ergebnissen in Iowa und New Hampshire stieg er aus dem Rennen aus. : Er war Gouverneur von Utah, US-Botschafter in China und ist bekennender Mormone, wie Mitt Romney. Huntsman wollte sich als moderate Alternative zu diesem anbieten, doch wirklich durchsetzen konnte er sich nie. Am 16. Januar warf er das Handtuch. Die Kongressabgeordnete aus Minnesota hat fünf eigene und 23 Pflegekinder. Sie ist eine Favoritin der Tea-Party-Bewegung und berüchtigt für ihr loses Mundwerk. Nachdem sie bei der Vorwahl in ihrem Geburtsstaat Iowa nur den letzten Platz belegte, gab sie ihre Bemühungen auf. Der ehemalige Chef einer Pizza-Kette inszeniert sich als Anti-Politiker und kommt damit vor allem bei der Tea-Party-Bewegung an. Vorwürfe wegen sexueller Belästigung und peinliche Patzer haben ihm jedoch geschadet - so sehr, dass er am 3. Dezember 2011 seine Kandidatur vorläufig auf Eis gelegt hat. Mit seiner zupackenden Art hat er sich als Gouverneur von New Jersey schnell Respekt verschafft. Für viele Republikaner ist er ein Hoffnungsträger, doch am 4. Oktober 2011 stellte Christie ein für allemal klar, dass er nicht kandidieren wird. : Die ehemalige Gouverneurin von Alaska erhält viel Aufmerksamkeit, doch ob sie in der Lage wäre, gegen Barack Obama zu gewinnen, haben viele bezweifelt. Am 5. Oktober 2011 hat sie ihren Verzicht auf eine Kandidatur bekanntgegeben. Der Bruder von George W. Bush (l.) hat sich als früherer Gouverneur von Florida Respekt verschafft. Einen weiteren Bush im Weissen Haus will er den Amerikanern aber offensichtlich nicht zumuten. «Ich kandidiere nicht», hielt er in einer Mitteilung fest. Der Kongressabgeordnete von Wisconsin hat den radikalen Budget-Sparplan der Republikaner entworfen. Das macht ihn für viele in der Partei zu einem möglichen Kandidaten, doch Ryan will davon bislang nichts wissen. Der populäre Gouverneur von Indiana und Budgetdirektor in der Regierung von George W. Bush galt als Favorit der Parteiführung. Am 22. Mai 2011 erklärte er jedoch aus Rücksicht auf seine Familie den Verzicht auf eine Kandidatur. : Dem ehemaligen Gouverneur von Arkansas gelang 2008 zum Auftakt der Vorwahlen ein Überraschungssieg. Dieses Mal hat der Baptistenprediger frühzeitig das Handtuch geworfen. : Der Gouverneur von Minnesota hat versucht, sich als solider Konservativer zu profilieren. Allerdings fehlt es ihm an Charisma. Im Juli stieg er als erster Kandidat aus dem Rennen aus. Der New Yorker Immobilienmogul sorgte mit markigen Sprüchen für Furore und erklomm in den Umfragen kurzzeitig den Spitzenplatz. Dann krebste er zurück: Seine vermeintliche Präsidentschaftskandidatur war wohl nur ein Werbegag für seine TV-Show «The Celebrity Apprentice».

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Sie ist attraktiv, stramm konservativ und eine tiefgläubige Christin. Michele Bachmann, Kongressabgeordnete aus Minnesota, Mutter von fünf eigenen und 23 Pflegekindern, hat am Montag ihre Bewerbung als Präsidentschaftskandidatin der Republikaner bekannt gegeben. Zu diesem Zweck reiste die 55-Jährige in ihre Geburtsstadt Waterloo in Iowa. In diesem ländlichen Bundesstaat im Mittleren Westen findet traditionell die erste Vorwahl statt.

Tags zuvor gab Bachmann dem Fernsehsender Fox News ein Interview. «Ich möchte, dass die Amerikaner wissen, dass John Wayne ebenfalls aus Waterloo stammt. Dieser Geist steckt auch in mir», erklärte die Abgeordnete. Damit spielte sie auf den legendären Westerndarsteller John Wayne an, der auch mehr als 30 Jahre nach seinem Tod eine Heldenfigur der amerikanischen Konservativen ist. Bereits in einem anderen Interview hatte sie sich auf «John Waynes Amerika» bezogen, in dem sie aufgewachsen sei.

Ein 33-facher Mörder

Dumm nur für Michele Bachmann: John Wayne, der als Marion Michael Morrison geboren wurde, stammt zwar aus Iowa, allerdings nicht aus Waterloo, sondern aus der rund 160 Kilometer entfernten Ortschaft Winterset. Ein anderer John Wayne hatte dagegen sehr wohl einen Bezug zu Waterloo, wie US-Medien herausfanden: John Wayne Gacy, einer der berüchtigsten Serienkiller der US-Geschichte. Er hatte 33 junge Männer umgebracht und war 1994 hingerichtet worden. Seinen «Geist» dürfte Michele Bachmann kaum gemeint haben.

Ihr Wahlkampfteam versuchte sich mit der Bemerkung herauszureden, die Eltern des Schauspielers Wayne hätten in Waterloo gelebt, was zutreffen könnte. Dennoch passt die Episode zu einer Politikerin, die immer wieder Mühe mit den Fakten bekundet. Die ersten Schüsse im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg seien in New Hampshire gefallen, sagte sie im März. In Wirklichkeit war es Massachusetts. Die Website Politifact hat 26 Aussagen Bachmanns auf ihren Wahrheitsgehalt gecheckt – nur eine erwies sich als vollständig korrekt.

Knapp hinter Romney

Dennoch wäre es ein Fehler, Michele Bachmann zu unterschätzen. Sie kann vor allem auf Unterstützung der populistischen Tea-Party-Bewegung hoffen, deren Positionen sie weitgehend vertritt. Sie ist eine leidenschaftliche Abtreibungsgegnerin, lehnt die Homo-Ehe ab, will möglichst viel Macht von der Bundesregierung in Washington auf die Bundesstaaten verlagern und die Gesundheitsreform von Präsident Barack Obama rückgängig machen.

Eine Umfrage in Iowa unterstrich, dass sie bei der innerparteilichen Kandidatenkür mitmischen könnte: Sie landete mit nur einem Prozentpunkt Unterschied auf Platz zwei hinter Mitt Romney, dem Ex-Gouverneur von Massachusetts. Mit ihrer jüngsten Popularität könnte Bachmann zur Rivalin von Sarah Palin werden, einer anderen Ikone der Sozialkonservativen. Die Ex-Gouverneurin von Alaska kokettiert seit längerem öffentlich mit einer Präsidentschaftsbewerbung, ist aber noch nicht offiziell in den Ring gestiegen.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Andreas Gut am 28.06.2011 14:49 Report Diesen Beitrag melden

    Wenn Medien Politik betreiben!

    "Bekannt für verbale Ausrutscher" sind stets diejenigen, welche von den Medien dafür bekannt gemacht werden! Interessanterweise drücken die linksaktiven z.B. bei Obama ein Auge zu, obwohl dieser 57 Bundesstaaten besucht haben will (es gibt 50), behauptet, sein Onkel hätte Auschwitz befreit (Auschwitz wurde nicht von den Amerikanern befreit) und von zehntausenden von Toten bei einer Tornadokatastrophe in Kansas spricht (12 Personen kamen ums Leben).

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  • Alexander Gschwend am 29.06.2011 15:14 Report Diesen Beitrag melden

    Wieviele Parteien?

    Gibt es in den USA eigentlich nur 3 Parteien? Republikaner, Demokraten und Tea Party? Ich wäre ziemlich frustriert wenn ich ein Amerikanischer Wähler wäre...

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  • Hans Peter am 28.06.2011 12:11 Report Diesen Beitrag melden

    behütet die Welt vor ihr!

    Ja, sie ist attraktiv, aber noch eine solche wie die Sarah Palin - die Amerikaner sind schon erstaunlich, wie sie sich populistisch und christlich-fundamentalistisch orientieren und auch bei nachweislich falschen Aussagen ein eigenes spezielles Verständnis der Wahrheit zu haben scheinen.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Alexander Gschwend am 29.06.2011 15:14 Report Diesen Beitrag melden

    Wieviele Parteien?

    Gibt es in den USA eigentlich nur 3 Parteien? Republikaner, Demokraten und Tea Party? Ich wäre ziemlich frustriert wenn ich ein Amerikanischer Wähler wäre...

    • John Wayne am 27.10.2011 13:45 Report Diesen Beitrag melden

      3... schön wär's

      Die USA haben ein 2 Parteiensystem. Die Tea-Party ist nur eine lose Ansammlung von Konservativen und keine politische Partei. Party bezieht sich dabei nicht auf Partei sondern auf das Erreignis namens Boston Tea Party, welches kurz vor dem Unabhängigkeitskrieg stattfand. Zwar gibt es in den USA weiter Parteien, jedoch sind diese unbedeutend.

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  • Markus D. am 28.06.2011 15:11 Report Diesen Beitrag melden

    Verfälschtes Bild

    Es ist doch immer wieder erstaunlich wie sehr die Presse und damit ist dieser Beitrag eingeschlossen, verzweifelt versucht die klar rechts positionierten Politiker dem Volk als unwählbar darzustellen. Da wird noch so belangloses Zeugs hergezogen, über die Politischen konkretten Themen, wird scheinbar nicht gerne gesprochen. Und da soll sich dann niemand wundern, wenn die Wahlergebnisse dann anders ausschauen, als von den Artikelschreibern erhoft wird. Es ist doch auch jedem vernünftigem Schweizer klar, das wenn jemand über John Wayne spricht, er nicht den Killer John. W. Gayce meint.

    • Hans S. am 28.06.2011 16:48 Report Diesen Beitrag melden

      links oder rechts

      Was spielt es für eine Rolle ob links oder rechts? Wenn jemand dumme Sachen von sich gibt, dann ist er einfach kein wählbarer Kandidat. Mal abgesehen vom politischen Spektrum muss ein Kandidat vertrauenswürdig, aufrichtig, ehrlich und kompetent sein. Naja, zumindest nach meiner Auffassung nach. Falls solche Kandidaten vorhanden sind kann man sich auch die politische Ausrichtung und die Ziele anschauen.

    • Cu/Con am 28.06.2011 21:57 Report Diesen Beitrag melden

      Bachmann IST unwählbar

      Ich war 3 Jahre in den Staaten, und diese Frau IST unwählbar! Die hat keine Ahnung, wovon sie spricht, und poltert nur rum ohne irgendwelche Begründungen oder Facts. Sie ist extrem polemisch und lässt sich durch kein Argument von ihrem "Glauben" abbringen - egal, wie hirnrissig ihre Ideen sein mögen. Selbstverständlich gibt es konservative Republikaner, die Argumente liefern und ihre Ideen (so wenig sinnvoll sie aus meiner Sicht sein mögen) wenigestens begründen können. Michele Bachmann hingegen poltert einzig und allein gegen die Demokraten und schreit nach noch mehr Bush und Reagan...

    • Hans B. Etter am 29.06.2011 00:37 Report Diesen Beitrag melden

      Verzweifelt?

      "Verzweifelt"? Leute wie Palin oder Bachmann sind dermassen dumm, da "verzweifelt" definitiv niemand daran, diese als unwählbar "darzustellen". Denn diese Politiker sind für jeden halb gebildeten Menschen offensichtlich unwählbar. Die haarsträubenden Positionen der Tea Party haben auch nichts mehr mit "rechts" oder "links" zu tun.

    • Alexandra Mathys am 29.06.2011 08:56 Report Diesen Beitrag melden

      Wo ging sie zur Schule?

      und was vor allem schockierend ist, ist dass diese Frau anscheinen gar keine Bildung hat. Habe eine Ansprache von ihr gehört bei der sie überzeugt davon spricht, die Menschen hätten überhaupt nichts mit der Klimaerwärmung zu tun. Ausserdem noch die Diskirminierung von Menschen, die sie verbreitet mit ihrer Anti-Homoehe-Einstellung. Deshalb kann ich nur zustimmen: Bachmann IST unwählbar!

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  • Raspoutine am 28.06.2011 15:02 Report Diesen Beitrag melden

    Palin / Bachmann : Republicans at best

    "Die Website Politifact hat 26 Aussagen Bachmanns auf ihren Wahrheitsgehalt gecheckt nur eine erwies sich als vollständig korrekt." Und diese eine wahre Aussage kann man dazu noch als Kompliment an Barack Obama werten. Die Republikaner sind, wie die Sozialisten in Frankreich, sich selbst zu diskreditieren.

  • Andreas Gut am 28.06.2011 14:49 Report Diesen Beitrag melden

    Wenn Medien Politik betreiben!

    "Bekannt für verbale Ausrutscher" sind stets diejenigen, welche von den Medien dafür bekannt gemacht werden! Interessanterweise drücken die linksaktiven z.B. bei Obama ein Auge zu, obwohl dieser 57 Bundesstaaten besucht haben will (es gibt 50), behauptet, sein Onkel hätte Auschwitz befreit (Auschwitz wurde nicht von den Amerikanern befreit) und von zehntausenden von Toten bei einer Tornadokatastrophe in Kansas spricht (12 Personen kamen ums Leben).

    • ma ma am 29.06.2011 06:48 Report Diesen Beitrag melden

      ja genau

      und woher stammen diese informationen? das ist schlicht blödsinn was sie hier von sich geben.

    • BORO am 29.06.2011 10:22 Report Diesen Beitrag melden

      Auch Obama macht mal Fehler

      Hier: Obama und die 57 Bundesstaaten. Jeder verspricht sich mal das ist menschlich. Aber es stimmt dass man hierzulande meist nur erfährt wenn ein Republikaner etwas blödes sagt. Es ist ja jedem klar das Europa pro Demokraten ist.

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  • John Kipkoech am 28.06.2011 14:23 Report Diesen Beitrag melden

    Sie diskrimiert!!

    Wo und wer John Wayne war ist doch nebensächlich - gefährlich sind die dirkiminierenden Aussagen über gewisse bevölkerungsschichten die diese Frau macht und dass sie Frauen in Kinderfragen bevormunden will.