Enthüllungen aus dem Knast

19. August 2019 22:58; Akt: 20.08.2019 00:25 Print

Epstein soll Schutzgeld bezahlt haben

Jetzt kommt ans Licht: Jeffrey Epstein soll seinen Mitinsassen im Gefängnis Schutzgeld bezahlt und pro Tag 12 Stunden lang Besuch von seinen Anwälten gehabt haben.

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Die Autopsie des Leichnams des US-Multimillionärs Jeffrey Epstein hat am 16. August 2019 bestätigt, dass der 66-Jährige Suizid begangen hat. Der angeklagte Epstein habe sich laut dem offiziellen Obduktionsbericht erhängt. Der US-Milliardär Jeffrey Epstein soll Dutzende Minderjährige sexuell missbraucht und zur Prostitution angestiftet haben. Er sass in New York im Gefängnis. In der Nacht auf Samstag, 10. August 2019, wurde der Unternehmer tot in seiner Zelle aufgefunden. Bereits zwei Wochen zuvor wurde Epstein in seiner Gefängniszelle in New York verletzt vorgefunden. Gemäss US-Medien entdeckten Wächter Epstein fast bewusstlos mit Blutergüssen am Nacken. Kurz vor seinem Tod soll er einen ersten Selbstmordversuch unternommen haben und daraufhin unter «Selbstmordwache» gestellt und in einen anderen Trakt verlegt worden sein. Trotzdem stand Epstein zum Zeitpunkt seines Todes nicht unter besonderer Beobachtung. Dies, weil das Sondersetting kurz zuvor aufgehoben wurde. US-Justizminister William Barr sprach von «schweren Unregelmässigkeiten» in der Haftanstalt. Michelle Licata (rechts) und Courtney Wild sind zwei seiner Opfer. Epstein soll die beiden sexuell missbraucht haben, als sie noch minderjährig waren. Einige der Mädchen sollen bei den Übergriffen erst 14 Jahre alt und «höchst anfällig für Ausbeutung» gewesen sein: Opfer-Anwalt David Boies spricht vor den Medien. Die Übergriffe fanden zwischen 2002 und 2005 in Epsteins Immobilien in New York (im Bild), Palm Beach und an anderen Orten statt. Bei der Durchsuchung eines Tresors in Epsteins Anwesen in Manhattan wurden mehrere Datenträger mit Nacktfotos von augenscheinlich minderjährigen Mädchen beschlagnahmt. Epstein war am 6. Juli 2019 mit seinem Privatjet aus Frankreich kommend nach der Landung in New Jersey festgenommen worden. Es ist nicht das erste Verfahren gegen Epstein. Eine Staatsanwaltschaft in Florida war 2008 einen umstrittenen Deal eingegangen. Epstein bekannte sich schuldig, Klienten mit minderjährigen Prostituierten versorgt zu haben, und sass eine Gefängnisstrafe von 13 Monaten ab. (27. Juli 2006) Im Gegenzug wurde ihm ein Verfahren vor einem Bundesgericht erspart. Mehrere Frauen hatten ihm Missbrauch vorgeworfen. (Archivbild) Epstein zählte früher unter anderem den heutigen US-Präsidenten Donald Trump, Ex-Präsident Bill Clinton und Prinz Andrew zu seinen Freunden. Vor dem Gerichtsgebäude in New York protestierten am 8. Juli 2019 zahlreiche Frauen gegen Jeffrey Epstein.

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Der in elitären Kreisen bestens vernetzte Jeffrey Epstein hatte sich Anfang dieses Monats in der Haftanstalt namens «Metropolitan Correctional Center» in Manhattan das Leben genommen, nachdem er erneut wegen Missbrauchsvorwürfen vor Gericht gebracht werden sollte.

Die US-amerikanische Zeitung «The New York Times» hat nach Dutzenden Interviews mit Strafverfolgungsbehörden, Mitarbeitern des Bureau of Prisons, Anwälten und anderen involvierten Personen den Fall Epstein und vor allem seine letzten Tage im Gefängnis rekonstruiert – mit erstaunlichen Erkenntnissen.

Prekäre Zustände im Gefängnis

Das Metropolitan Correctional Center ist einerseits dafür bekannt, berühmte Gangster zu beherbergen, unter anderem war Joaquin Guzman Loera, auch bekannt als Drogenbaron El Chapo, der zuvor aus zwei mexikanischen Hochsicherheitsgefängnissen ausgebrochen war, im New Yorker Gefängnis.

Berüchtigt ist die Haftanstalt aber auch für ihre miserablen Zustände, insbesondere in den Hochsicherheitseinheiten. Guzmán sowie Mafiaboss John Gotti, die einst im sichersten Trakt untergebracht waren, sollen sich oft – und erfolglos – darüber beschwert haben.

Wie so viele andere Haftanstalten hat auch das Metropolitan Correctional Center mit einem Mangel an Aufsichtspersonal zu kämpfen. In der Nacht auf den 10. August, an dem Epstein frühmorgens mit Bettlaken um seinen Hals und blau angelaufen in seiner Zelle aufgefunden worden war, sollen lediglich 18 Arbeiter für rund 750 Häftlinge zuständig gewesen sein. Das haben die Aufzeichnungen des Bureau of Prisons, der Strafverfolgungsbehörde, die für die Verwahrung, Kontrolle und Betreuung von Personen zuständig ist, die im Bundesgefängnissystem der Vereinigten Staaten inhaftiert sind, ergeben. Zehn der Arbeiter sollen zudem Überstunden geleistet haben.

Jene zwei, die für Epsteins Trakt, den sogenannten «9 South»-Flügel zuständig waren und alle 30 Minuten nach ihm schauen sollten, sollen gar eingenickt sein – ganze drei Stunden lang.

Schutzgeld bezahlt

Vor seinem Tod soll der einstige Financier mit allen Mitteln versucht haben, so wenig Zeit wie möglich hinter den Mauern seiner Zelle zu verbringen. Zum Beispiel, indem er seine Anwälte dafür bezahlte, ihn im Gefängnis zu besuchen. Ganze zwölf Stunden am Tag soll er mit ihnen schweigend im Konferenzsaal verbracht und sich die meiste Zeit davon gelangweilt haben. «Schichtarbeit», soll einer seiner Anwälte diese Einsätze genannt haben.

Nur noch auf dem Boden geschlafen

Nach seiner Verhaftung bat Epstein einen Richter, ihn freizulassen. Als Bürgschaft bot er seine Villa in Manhattan sowie seinen Privatjet. Auch versprach er, rund um die Uhr Sicherheitskräfte einzustellen. Sein Antrag wurde am 18. Juli abgelehnt. Epstein musste weiterhin in dem ihm verhassten Trakt «9 South» ausharren. Fünf Tage später soll er einen ersten Selbstmordversuch unternommen haben und daraufhin unter «Selbstmordwache» gestellt und in einen anderen Trakt verlegt worden sein.

Nur sechs Tage später wurde das Sondersetting beendet und Epstein kehrte nach «9 South» zurück.

In seinen letzten Tagen soll er sich nur noch selten gewaschen haben. Seine Haare sowie sein Bart sollen gemäss Insidern ungepflegt gewesen sein. Geschlafen haben soll er nur noch auf dem Boden seiner Zelle.

Nach seinem Tod hat die Entscheidung der Gefängnisleitung, die «Selbstmordwache» so früh bereits zu beenden, aus verschiedenen Kreisen, darunter psychologischen Fachpersonen, Kritik ausgelöst.

Epstein fürchtete das Leben hinter Gittern

Epstein soll sich vor einigen Jahren im zweiten Stock seiner Upper East Side Villa ein Wandbild gemalt habn. Darauf zu sehen: eine Gefängnisszene inklusive Stacheldraht. Epstein selbst ist in der Mitte dargestellt. Wie die Zeitung schreibt, soll er einem Besucher Anfang Jahr gesagt haben, dass ihn das Wandbild immer daran erinnern soll, was ihn erwarte, wenn er nicht vorsichtig sei.

(rab)