Gefahr für den Westen

20. Juni 2014 13:41; Akt: 20.06.2014 13:41 Print

Diese Europäer kämpfen für die Isis-Terroristen

Bis zu 2000 Europäer sind in den Dschihad gezogen . Die meisten haben sich laut Experten der Terrorgruppe Isis angeschlossen. Aus welchen Ländern stammen Europas Dschihadisten?

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Irakische Geheimdienste warnen am davor, dass IS-Terroristen dank Tunnels bereits gefährlich nahe an Bagdad herangerückt seien. Die dichte Vegetation und die Kanäle bieten den Islamisten auf dem Vormarsch in Richtung Bagdad gute Deckung. Irakische Militärtransporter bringen am 13. Juni Freiwillige nach Bagdad. Diese sollen das Militär beim Kampf gegen die Terrorgruppe IS unterstützen. Schiitische Stammesanführer trafen sich in Sadr City, einem Stadtteil der Hauptstadt Bagdad, und verkündeten ihre Bereitschaft, gegen die Extremisten zu kämpfen. Ein irakischer Soldat steht an einem Checkpoint der Stadt Taji, die am Rande der Hauptstadt Bagdad liegt. Schiitische Männer reinigen ihre Waffen in Sadr City. Sie bereiten sich auf Angriffe der sunnitischen Extremisten vor. Eine Flagge des IS hängt in Mosul. Die irakische Armee rekrutiert Freiwillige, die mit ihnen gegen die Terrorgruppe IS kämpfen wollen. Kämpfer der IS-Truppe bei Samarra. Sie haben grosse Teile vom Norden und Westen des Iraks erobert. Die Diplomaten seien nur an einen sicheren Ort gebracht worden, lautete ein Tweet von einem IS-nahen Account. Die Kämpfer, hier auf einem Standbild eines Propagandavideos, drohen am 12. Juni Bagdad einzunehmen. Die Islamisten haben am 11. Juni 2014 in der Stadt Mosul das Konsulat der Türkei gestürmt und mindestens 48 Menschen als Geiseln genommen. Unter ihnen befindet sich der türkische Konsul Öztürk Yilmaz. Der IS hat ein Propaganda-Video hochgeladen, das Kämpfer an einem unbekannten Ort im Irak zeigt. Im Video ist auch ein Konvoi von IS-Kämpfern zu sehen. IS hatte in den vergangenen Tagen Mosul, Iraks zweitgrösste Stadt, und weite Teile der Provinz Ninive eingenommen. Hunderttausende Menschen sind auf der Flucht. Irakische Polizisten stehen auf dem Dach einer Militäranlage in Bagdad Wache, nachdem der Ausnahmezustand ausgerufen worden ist. Bereits am 10. Juni versuchten rund 500'000 Menschen aus Mosul zu fliehen. Die Extremisten haben die Stadt nach tagelangen Kämpfen eingenommen. Flüchtlinge, darunter viele Familien, versuchen in die kurdischen Provinzen Erbil und Dohuk zu flüchten. Die noch junge Regierung verliert immer mehr die Kontrolle.

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Seit der irakische Geheimdienst im Besitz der Namen von ausländischen Isis-Terroristen ist, warnen europäische Staaten wieder vor der Gefahr solcher Kämpfer. Zwischen 1700 und 2000 Europäer sind laut Schätzungen von Experten aus Europa in den Kampf nach Syrien gereist. Die meisten von ihnen haben sich dem Isis angeschlossen.

Gefahr droht Europa vor allem durch die Heimkehrer. «Viele Westler reisen in den Nahen Osten, kämpfen für ein oder zwei Monate mit dem Isis und reisen dann zurück», sagte der Nahost-Experte David Patel gegenüber 20 Minuten. Dadurch entstehe die Gefahr eines Bumerang-Effekts, eines sogenannten Blow-back-Effekts. Das bedeutet, dass radikalisierte westliche Kämpfer nach Hause zurückkehren und ihr extremistisches Gedankengut mitbringen, so Patel.

Aus welchen Ländern stammen diese radikalen Kämpfer? Genaue Zahlen sind schwierig aufzutreiben. Der ehemalige MI5-Mitarbeiter Richard Barrett hat im Juni 2014 einen aktuellen Überblick veröffentlicht. Darin wird die Anzahl Menschen aufgeführt, die seit Beginn des syrischen Bürgerkriegs in die Kampfregion zogen. Manche von ihnen sind noch unterwegs, andere gestorben und wieder andere bereits wieder in die Heimat zurückgekehrt.

Die meisten stammen aus Frankreich

Als konkretes Beispiel der Gefahr, die von Rückkehrern ausgeht, wird der Anschlag von Ende Mai auf ein jüdisches Museum in Brüssel mit vier Toten genannt – tatverdächtig ist ein Rückkehrer mit französischem Pass aus Syrien.

Nach offiziellen Angaben vom April 2014 reisten über 700 Franzosen in den Kampf nach Syrien. Laut dem französischen Innenminister Bernard Cazeneuve sind rund 285 davon am Kämpfen, so «Bloomberg Business Week».

Explizite Drohungen gegen Grossbritannien

Der britische Vize-Premierminister Nick Clegg nannte britische Dschihadisten, die in Syrien kämpfen, die grösste Sicherheitsbedrohung für sein Land, so der «Guardian». Rund 400 Briten kämpfen laut offiziellen Schätzungen seit März 2014 in Syrien, viele davon mit dem Isis.

Britische Isis-Kämpfer drohten laut «Sunday Times» explizit damit, sich Grossbritannien vorzuknöpfen, wenn sie in Syrien und im Irak fertig seien. «Die schwarze Flagge des Dschihad wird über der Downing Street wehen», warnte etwa Junaid Hussain. Der junge Computerhacker aus Bimingham soll seit einem Jahr in Syrien kämpfen, berichtet «Russia Today».

Deutschland spricht von konkreter Gefahr

Auch aus Deutschland sollen bereits 270 bis 300 Menschen nach Syrien in den Dschihad gezogen sein. Bundesinnenminister Thomas de Maizière sprach von einer konkreten tödlichen Gefahr in Europa. Hans-Georg Maassen, Präsident des deutschen Bundesamtes für Verfassungsschutz, ergänzte: «Die Kämpfer werden verroht und brutalisiert. Sie machen Erfahrungen im Töten von Menschen. Wir haben grosse Sorge, dass diese Personen, wenn sie nach Deutschland zurückkehren, eine grosse Gefahr für das Land darstellen.»

Auch die Schweiz hat Erfahrungen mit Rückkehrern

Der Nachrichtendienst des Bundes gab im April an, etwa 40 Dschihadisten aus der Schweiz seien in verschiedenen Konfliktregionen – 15 vermutlich in Syrien. Der Isis entführte im Juni 48 türkische Geiseln im Irak und forderte, den im Kanton Aargau aufgewachsenen Kosovaren, Cedrim R. freizulassen, der zurzeit in der Türkei im Gefängnis sitzt.

Der Fall eines Schweizer Rückkehrers aus Syrien zeigt konkret die Gefahr. Er soll im Syrienkrieg mitgekämpft und danach in der Schweiz Kämpfer rekrutiert haben.


(cfr)