Dekret

10. März 2020 11:49; Akt: 10.03.2020 16:04 Print

Diese Regeln gelten ab sofort in Italien

Ganz Italien ist eine Sperrzone. Premierminister Giuseppe Conte hat ein entsprechendes Dekret unterzeichnet. Das sind die neuen Regeln.

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Die Coronavirus-Epidemie setzt die Intensivstationen der Spitäler in Italien einer enormen Belastung aus. Jedes Mal, wenn ein Bett frei wird, besprechen sich die Ärzte, um zu entscheiden, wer nun dorthin kommt. Binnen drei Wochen benötigten 1135 Menschen in der Lombardei einen Intensiv-Platz, aber es gibt es nur 800 solcher Betten. «Wir müssen berücksichtigen, ob ältere Patienten Familien haben, die sich nach Verlassen der Intensivstation um sie kümmern können,», sagt Marco Resta, stellvertretender Leiter der Intensivstation von San Donato. Ganz Italien wurde jüngst für zwei Wochen unter Quarantäne gestellt, Schulen, Büros und Geschäfte wurden geschlossen. Doch steigt die Zahl der Erkrankten und Toten weiter. Ärzte sprechen von der grössten medizinischen Krise seit dem Zweiten Weltkrieg. Es gelte, keine Zeit zu verlieren, um die Ausbreitung des Virus einzudämmen, sagte Ministerpräsident Giuseppe Conte am 10. März in Rom. Internationale Zug- und Flugverbindungen sowie der öffentliche Nahverkehr sollen nicht ausgesetzt werden. Polizisten kontrollieren Bürger und Touristen am Bahnhof von Venedig Santa Lucia, um sicherzustellen, dass sie nicht gegen die Quarantäne verstossen, bevor sie am 9. März in Venedig in die Züge steigen, um die Stadt zu verlassen. Polizeibeamte und Soldaten kontrollieren Passagiere, die am Montag, dem 9. März, vom Hauptbahnhof Mailand abreisen. Schulen, Universitäten und Kindergärten bleiben in ganz Italien bis mindestens 3. April geschlossen. Auch alle Sportveranstaltungen, eingeschlossen die Spiele der Serie A, werden ausgesetzt. Rund 60 Millionen Menschen sind von den Massnahmen betroffen. 9172 Infektionen wurden in Italien bis Montag erfasst. Das sind fast 1800 Fälle mehr als am Vortag, wie aus den Zahlen des Zivilschutzes hervorgeht. Die Zahl der Toten erhöhte sich von 366 auf 463, davon allein 333 in der Lombardei mit ihrer Metropole Mailand. 724 Patienten sind wieder genesen. Conte, der sich mit der EU-Kommission auf zusätzliche Defizitflexibilität in der Grössenordnung von 7,5 Milliarden Euro zur Eingrenzung der negativen Auswirkungen der Coronavirus-Epidemie auf die italienische Wirtschaft geeinigt hat, will von Brüssel noch mehr Spielraum fordern. Die öffentlichen Plätze sind wie leergefegt. (Bild: Venedig) Die Via della Longaretta in der Gegend von Trastevere – eine Strasse, die normalerweise am frühen Abend vor allem mit Touristen überfüllt ist. Der Palazzo Ducale und ein völlig leerer Markusplatz am 9. März in Venedig. Auf den Kanälen wurde ebenfalls der Betrieb eingestellt. Auch in Mailand herrscht Geisterstimmung: Die Galleria Vittorio Emanuele II, Italiens ältestes Einkaufszentrum. Auf den Strassen der Metropole sieht es ähnlich aus.

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Ab Dienstag und vorläufig bis zum 3. April gelten in Italien neue Regeln für das öffentliche Leben. Damit soll die Ausbreitung des Coronavirus erschwert werden. 16 Punkte enthält die Liste, wie «La Repubblica» schreibt. Das sind die Beschlüsse, an die sich die Italiener nun halten müssen:

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1. Jede Form von Versammlungen, die an öffentlichen Orten stattfinden oder für die Öffentlichkeit gedacht sind, ist verboten.

2. Sportveranstaltungen und Wettkämpfe sind ausgesetzt. Ausnahme bilden internationale Veranstaltungen, die jedoch ohne Publikum stattfinden.

3. Outdoor-Sport ist nur dann erlaubt, wenn zwischen zwei Personen ein Abstand von einem Meter eingehalten wird.

4. Man sollte vermeiden, sich draussen zu bewegen. Ausgenommen sind jene, die nachweislich aus beruflichen Gründen unterwegs sein müssen. Auch wer gesundheitlich reisen muss, ist entschuldigt. Ansonsten muss eine Notwendigkeit vorliegen. Die Rückkehr nach Hause ist erlaubt.

5. Wer mehr als 37,5 Grad Fieber hat, dem wird dringend empfohlen, zu Hause zu bleiben.

6. Personen, die in Quarantäne sind, müssen zu Hause bleiben.

7. Der Bezug von Ferien sollte erleichtert werden.

8. Die Skigebiete werden geschlossen.

9. Veranstaltungen werden ausgesetzt. Dazu zählen auch kulturelle und religiöse Feste, Freizeit- und Sportveranstaltungen sowie Messen.

10. Der Unterricht in Kindergärten, Schulen und Universitäten findet nicht statt.

11. Zivile und religiöse Zeremonien, also etwa Beerdigungen, werden ausgesetzt.

12. Der Betrieb von Restaurants und Bars ist von 6 bis 18 Uhr gestattet, aber nur, wenn zwischen den Gästen ein Abstand von einem Meter eingehalten wird.

13. Andere kommerzielle Betriebe dürfen offen bleiben, solange der Abstand von einem Meter zwischen den Kunden gewährleistet wird.

14. An Festtagen und vor Feiertagen müssen mittlere und grosse Verkaufsorte (Einkaufszentren oder Märkte) geschlossen sein.

15. Aktivitäten in Fitnessstudios, Sportzentren, Schwimmbädern, Spas sowie in Sozial- und Freizeitzentren sind verboten.

16. Autoprüfungen werden ausgesetzt.

(vro)