Corona-Hotspot Madrid

24. März 2020 21:49; Akt: 25.03.2020 02:26 Print

Corona-Patienten fliehen aus den Spitälern

In Spanien wird die Lage immer dramatischer. Intensivstationen sind wegen Corona-Patienten überfüllt, Ärzte sind am Anschlag.

In den sozialen Medien kursieren verstörende Videos von Coronavirus-Patienten, die in einer Klinik sogar auf dem Boden liegen. Die Aufnahmen konnten noch nicht verifiziert werden. (Video: Twitter)
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Zahlreiche Corona-Patienten fliehen aus den Spitälern. Es habe bereits mehrere Fälle in verschiedenen Krankenhäusern gegeben, sagte der Direktor der Nationalpolizei, Jose Ángel González, am Dienstag auf einer Pressekonferenz in Madrid.
Das bereite den Sicherheitsbehörden unnötigerweise eine «Riesenarbeit», um diese Patienten ausfindig zu machen und wieder in die Krankenhäuser zu bringen.

Allein in den vergangenen Stunden habe es in Leganés bei Madrid sowie im Küstenort Benidorm im Osten Spaniens zwei solcher Fälle gegeben. González klagte, neben solchen Patienten gebe es auch sonst «ziemlich viele verantwortungslose» Bürger, die etwa die vor eineinhalb Wochen verhängte Ausgangssperre verletzten.

Patienten liegen in den Gängen am Boden

Spanien meldete am Montagmorgen mehr als 33'000 Infizierte. Alle sechs Minuten wird in Madrid ein Corona-Patient tot aus dem Spitalzimmer getragen. Die Intensivstationen sind heillos überfüllt. Bilder, die auf Twitter kursieren, zeigen die dramatischen Zustände: Patienten liegen in den Krankenhausgängen am Boden, einige sind an Sauerstoffflaschen angeschlossen und warten auf medizinische Hilfe. Spanischen Medien zufolge stammen die Bilder aus den Universitätsspitälern Infanta Leonor und Severo Ochoa in Madrid.

Die Ärzte sind indes am Anschlag. Das Pflegepersonal ist von der schnell steigenden Zahl an Kranken überfordert. Einige brechen im Dienst in Tränen aus oder vor Müdigkeit zusammen, so die Zeitung «El País». Man habe nicht einmal Zeit zum Pinkeln, klagt ein Arzt aus einem Krankenhaus im Madrider Vorort Getafe. Mehr als zehn Prozent aller Infizierten sind Ärzte, Pfleger und Sanitäter. Sie beklagen, dass nicht ausreichend Schutzausrüstung zur Verfügung steht.

Die Lage im Corona-Hotspot ist dramatisch

Am Sonntag durchbrach die Zahl der Toten die Tausendermarke. Ähnlich gravierend ist derzeit die Situation sonst nur in Bergamo in Italien. Die Kapazitätsgrenze in den Spitälern ist längst ausgereizt. Laut der Zeitung «El Mundo» nimmt zum Beispiel eines der beiden Universitätsspitäler gar keine Patienten mehr auf. Hotels oder die Messe Madrid, wo im Dezember noch die Klimakonferenz stattfand, werden zum provisorischen Krankenhaus umfunktioniert.

Die Lage im Corona-Hotspot wird mit jedem Tag dramatischer. Gewerkschafter Javier Garcia spricht im Interview mit der Zeitung von Menschen ohne Krankenbett, die mehr als 30 Stunden auf Plastikstühlen sitzen. «Heute Morgen sah ich eine Person zwischen zwei Stühlen auf dem Boden sitzen. Emotional ist das schrecklich.» Experten warnen, dass es zu einem Kollaps des Gesundheitssystems kommt, wenn die Ausgangssperre nicht weiter verschärft wird.


Erschütternde Meldungen kommen derzeit nicht nur aus den Spitälern. Bei der Desinfektion von Altersheimen haben Soldaten mehrere Leichen entdeckt. Die toten Senioren seien offensichtlich länger unbemerkt geblieben, berichteten die Zeitung «El Mundo» und der staatliche Fernsehsender RTVE unter Berufung auf die militärische Nothilfeeinheit UME. Verkehrsminister José Luis Ábalos bestätigte an einer Medienkonferenz die Berichte. Verteidigungsministerin Margarita Robles sagte, dass die Soldaten Senioren gesehen hätten, «die völlig verlassen, wenn nicht sogar tot auf ihren Betten» lagen. Sie kündigte im TV-Sender Tele5 an, dass man gegen die Verantwortlichen von solchen Missständen in den Heimen «unerbittlich vorgehen wird».


(ete)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Mr. Spock am 24.03.2020 17:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zustände

    Jenseits von Gut und böse. Und das in der sogenannten "fortschrittlichen" EU

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  • Nadja am 24.03.2020 17:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    in Spanien

    Unglaublich...bin nur sprachlos.Dass im 2020!!

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  • Josef Rüetschli am 24.03.2020 18:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Galgenhumor

    Phuu ich (68) bin Risikopatient.. Na wenn das so weitergeht nehm ich schon mal ein Moorbad um mich an die feuchte Erde zu gewöhnen.. Ein bisschen Galgenhumor muss sein. Bin jedoch sicher zuhause und gehe nicht raus, Angst bleibt trotzdem.. Mache das beste draus

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Cavi33 am 30.03.2020 14:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nicht zu glauben

    Diese Pandemie in Spanien sollte allen die Augen öffnen, dass der König und seine Entourage sofort abgesetzt und die Monarchie endgültig zu Grabe getragen wird . Die Kosten kann man für Schutzausrüstungen brauchen , das wäre viel wichtiger.

  • Naturkind am 28.03.2020 16:01 Report Diesen Beitrag melden

    das einzig richtige...

    Das einzig richtig was diese Patienten machen ist das Spital fluchtartig zu verlassen. Nur so haben diese eine reelle Chance den Virus zu überleben. Was ihnen da nämlich in den Spitälern dieser Erde verabreicht wird, ist tödlicher als das Virus selbst. Aber nur immer weiter so, wir beklagen bereits viele Todesopfer die wahrscheinlich hätten gerettet werden können. Es war schon 1918 so bei der spanischen Grippe. Viele kamen damals durch den schwächenden Konsum von Aspirin zu Tode. Leider hat der Mensch seid damals nichts gelernt und vertraut immer noch blind auf den Arzt.

  • Schorsch am 28.03.2020 15:22 Report Diesen Beitrag melden

    Lernen für die Zukunft

    1. Swiss First. 2. Vieles wieder selber produzieren. 3. Finger weg von "Made in China"

  • Schuck Morris am 28.03.2020 15:09 Report Diesen Beitrag melden

    Selbstschutz ist gefragt

    Habe gestern zwei Junge Männer vermöbelt. Grund ist, ein Treffen mit 7 anderen Männer. In einer Minuten waren alle weg.

  • Anna Wieler am 25.03.2020 21:31 Report Diesen Beitrag melden

    INimmt die Panik: lnterview Dr Claus Köhnlein

    Schaut euch das Interview mit Dr. Claus Köhnlein an. Einer unter vielen der die Angst nehmen kann.