Gewalt in Mexiko

05. November 2019 17:46; Akt: 05.11.2019 22:17 Print

3 Frauen und 6 Kinder auf Weg zur Hochzeit getötet

Drogenkriminelle schossen auf mehrere Fahrzeuge einer Mormonen-Familie. Frauen und Kinder starben, andere flüchteten verletzt in den Wald.

Das abgebrannte Auto, in dem Rhonita Lebarón mit ihren Kindern reiste. (Video: Facebook)
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Bei einem Überfall auf Mitglieder einer Mormonen-Gemeinde im Nordwesten Mexikos sind mindestens drei Frauen und sechs Kinder getötet worden. Insgesamt 17 Mitglieder der in Mexiko lebenden Gemeinschaft waren in der Region zwischen den Bundesstaaten Sonora und Chihuahua in drei Autos zu einer Hochzeit unterwegs, als die Wagen in einen offenbar geplanten Hinterhalt von schwer bewaffneten Gangstern gerieten.

Julián Lebarón, Gemeindemitglied der Mormonen, schilderte den Vorfall am Montag im Sender Radio Fórmula. Er sprach von einem «Massaker». Lebaróns Cousine Rhonita habe ihren Ehemann vom Flughafen in Phoenix in den USA abholen wollen, sagte Julián Lebarón. Dabei wurde ihr Kleintransporter von den Kriminellen attackiert.

Drogengang tötet 9 Mitglieder einer Familie

Auf flüchtende Kinder geschossen

Die Täter feuerten auf den Transporter. Dabei wurden die 33-jährige Rhonita sowie vier ihrer Kinder – die sechs Monate alten Zwillinge Titus und Tiana sowie die 10-jährige Krystal und der 12-jährige Howard – getötet. Überlebende erzählten später, die Schüsse hätten den Benzintank des Fahrzeugs getroffen, was zu einer Explosion geführt habe.

Die beiden anderen Autos wurden zeitgleich angegriffen und später ebenfalls ausgebrannt vorgefunden. Dabei wurden Christina und Dawna Langford, beide 43 Jahre alt, sowie zwei von Dawnas Kindern, der 11-jährige Trevor und der dreijährige Rogan, getötet. Sieben Kinder von Dawna Langford konnten verletzt fliehen. Wie CNN berichtet, wurden einige von ihnen während der Flucht angeschossen.

Fünf bis sechs Kinder, darunter eines mit einer Schussverletzung, seien zu Fuss nach Hause geflüchtet, sagte Lebarón. Ein kleines Mädchen wird noch vermisst, nachdem es in einen Wald geflüchtet war, um sich dort zu verstecken.

In der Region der blutigen Bandenkriege

Die Attacke ereignete sich in Rancho de la Mora an der Grenze zwischen den Bundesstaaten Chihuahua und Sonora und nahe der Grenze zu den USA. In der Gegend sind Drogenhändler und andere kriminelle Banden aktiv.

Die betroffene Mormonen-Gemeinde besteht aus Nachfahren von Mormonen, die im 19. Jahrhundert wegen Verfolgung aus den USA flüchteten. Häufig besitzen sie die Staatsangehörigkeit beider Länder. Die Familie Lebarón beantragte laut Informationen mexikanischer Medien Beistand der US-Botschaft.

Die Gouverneurin von Sonora, Claudia Pavlovich, versprach auf Twitter, nach den Tätern zu fahnden: «Als Mutter fühle ich Wut, Empörung und tiefen Schmerz angesichts der feigen Tat. Ich weiss nicht, welche Art von Monstern es wagen, Frauen und Kinder zu verletzen. Als Gouverneurin werde ich alles dafür tun, dass dies nicht ungesühnt bleibt und dass die Täter zur Verantwortung gezogen werden.»

Trump will jetzt den «Krieg» bekämpfen

Am Dienstagnachmittag meldete sich US-Präsident Donald Trump zu Wort. Er biete dem Nachbarland Hilfe im «Krieg» gegen Drogenkartelle an, schrieb er auf Twitter. Mexikos Präsident Andrés Manuel López Obrador habe die Bekämpfung der Drogenkartelle vorangetrieben. Diese seien aber «so gross und mächtig geworden, dass man manchmal eine Armee braucht, um eine Armee zu besiegen», so Trump.

Wenn Mexiko Hilfe brauche, seien die USA bereit, «sich einzubringen und die Arbeit schnell und effektiv zu erledigen», ergänzte Trump. «Für Mexiko ist die Zeit gekommen, mit Hilfe der USA Krieg gegen die Drogenkartelle zu führen und sie vom Erdboden zu beseitigen. Wir warten nur auf einen Anruf von eurem grossartigen neuen Präsidenten!»

Lopez Obrador erklärte sich zu Gesprächen mit Trump über eine mögliche Kooperation bereit. Vor Reportern sagte er, er danke Trump für sein Angebot, es müsse aber geklärt werden, wie eine solche Hilfe aussehen könne, bei der gleichzeitig die Souveränität Mexikos respektiert werde.



(kle/sda)