Die Folgen des Nein

06. Dezember 2016 13:34; Akt: 06.12.2016 13:34 Print

Droht Italien die EU-Grundsatz-Diskussion?

Matteo Renzi kündigte nach der Schlappe beim Referendum seinen Rücktritt an. Vier Fragen, um das Panorama ein wenig zu klären.

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Italiens Ministerpräsident Matteo Renzi ist mit seiner Verfassungsreform gescheitert und hat nach einer klaren Niederlage beim Referendum seinen Rücktritt angekündigt. Die drittgrösste Volkswirtschaft der Eurozone steht damit vor einer ungewissen politischen und wirtschaftlichen Zukunft.

Umfrage
Glauben Sie, dass es nach Renzis Rücktritt zum «Italexit» kommt?
62 %
28 %
10 %
Insgesamt 856 Teilnehmer

• Welche Auswirkungen hat das Nein für das Land?
Italien wird sich nun zunächst mit einem komplizierten, innenpolitischen Hin und Her beschäftigen, statt sich mit wichtigeren Problemen auseinanderzusetzen, glaubt der renommierte Politikwissenschaftler Giovanni Orsina von der Universität Luiss in Rom gegenüber der spanische Zeitung «El País». Themen wie zum Beispiel der Abbau des enormen Schuldenberges oder eine Lösung der Bankenkrise werden warten müssen. Auch die Flüchtlingskrise, die das Land besonders belastet, wird so andauern.

• Welche Partei könnte in Zukunft an die Macht kommen?
Am meisten über Renzis Niederlagen freute sich der Komiker Beppe Grillo. Mit gutem Grund: Seine Partei, die Fünf-Sterne-Bewegung (kurz M5S, Movimento 5 Stelle), könnte davon profitieren. In jüngsten Umfragen führt das M5S mit 30 Prozent vor Renzis Partito Democratico. Ob es tatsächlich zu Neuwahlen kommt, ist jedoch noch unklar.

Das M5S hat also gute Chancen, an die Macht zu kommen. Den Posten des Premiers wird Grillo aber dann sehr wahrscheinlich jemand anderem überlassen, denn er selber wolle nicht Regierungschef werden, sagte er mehrmals. 1981 verursachte Grillo einen schweren Autounfall mit drei Toten und wurde 1988 wegen fahrlässiger Tötung verurteilt. Deshalb wolle er nicht für öffentliche Ämter kandidieren, schreibt «n-tv».

• Was wird das vorherrschende Thema des nächsten Wahlkampfes sein?
Die nächsten Themen werden der Euro-Ausstieg und das Referendum zur Mitgliedschaft in der Europäischen Union sein, glauben Polit-Analysten. Nach dem Brexit sei allerdings die Zustimmung für die EU wieder gestiegen. Die Italiener hätten gesehen, dass die Kosten eines Ausstiegs aus der Eurozone sehr hoch sind. Das hat auch die Wahl in Österreich klar gezeigt.

• Muss Europa eine Rückkehr von Silvio Berlusconi befürchten oder ist er definitiv weg vom Polit-Parkett?
Eine Rückkehr von Ex-Regierungschef Silvio Berlusconi ist heute undenkbar, meint Jürgen Matthes, Währungsexperte vom Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW), gegenüber der «Bild»-Zeitung. Einerseits, weil seine Partei «Forza Italia» geschwächt ist, andererseits, weil der 80-Jährige selber herzkrank und nach der Verurteilung wegen Steuerbetrugs politisch so gut wie erledigt ist.

(kle)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Der SeheR am 06.12.2016 13:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unfrage

    Umfrage falsch gestellt. Ich befürchte nicht den Austritt Italiens aus der EU ich hoffe das Italien sich befreit.

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  • Govi am 06.12.2016 13:46 Report Diesen Beitrag melden

    Pleitegeier

    Danke Italien ihr seid die nächsten nach Griechenland, dann folgt Spaniel Portugal usw.

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  • Capi To am 06.12.2016 14:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mit oder ohne EU

    Italien war vor, während und bleibt nach der EU verschuldet.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Jochen am 07.12.2016 09:28 Report Diesen Beitrag melden

    getürkt

    Diese Umfrage ist getürkt! es fehlt die 4. Option: ja, das finde ich gut! aber man kann nur als EU Befürworter abstimmet...ist ja ziemlich plumb

  • Sic am 07.12.2016 08:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Salvini Premier

    Matteo Salvini ist meiner Meinung nach momentan der einzige der wirklich die Interessen der Italiener zu vertreten scheint...

    • Borbone am 07.12.2016 10:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Sic

      Kommt darauf an welche Italiener du meinst!

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  • Schnyder D. am 07.12.2016 07:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ein Fass ohne Boden

    Italien braucht die EU als Geldgeber, sonst wäre das Land schon lange bankrott. Ergo keine Sorge über einen EU-Austritt. Italien ist wie Griechenland; ein Fass ohne Boden und eine masslose Belastung der EU.

    • Iweed am 07.12.2016 08:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Schnyder D.

      Italien zahlt mehr in der EU als umgekehrt. Somit ist Ihre Aussage berichtigt. Das Problem liegt daran dass die EU die Mitglieder die raus möchten mit Fesseln zu sich hält. Kurz und bündig gesagt, die EU ist eine geldgierige Monsterdiktatur die dich entweder für viel Geld gehen lässt oder ganz langsam aussaugt. Bis zum bitteren Ende.

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  • Sack Zement am 07.12.2016 07:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    kein Titel

    Der Austritt aus der EU verursacht kurz-und mittelfristig Kosten, aber es ist eine Investition in die Zukunft. Solange nationale Wirtschaften in einer supranationalen Finanzpolitik agieren müssen, gibt es vor allem Verlierer.

    • Tatütata am 07.12.2016 07:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Sack Zement

      So ist es und man darf nie vergessen das Italien in Europa die viertgrößte Wirtschaftsmacht ist. Das Problem in Italien ist immer die Politik und nicht die Wirtschaft. EU Austritt und eine eigene Währung und es würde vielen wieder besser gehen.

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  • MISTER am 06.12.2016 19:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Weiss nicht

    Ist die Beste Antwort in dieser Frage!