China

24. Januar 2011 11:57; Akt: 24.01.2011 13:41 Print

Dürre treibt Nahrungspreise nach oben

Eine für den Getreideanbau wichtige chinesische Provinz leidet unter der schwersten Dürre seit 40 Jahren. Die dadurch steigenden Lebensmittelpreise könnten weltweite Auswirkungen haben.

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In vielen Gegenden Chinas hat es seit vier Monaten nicht mehr geregnet. (Bild: Keystone)

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In einer chinesischen Provinz, die für den Getreideanbau wichtig ist, sind wegen einer schweren Dürre mindestens die Hälfte der Anbaufläche, zwei Millionen Hektar, von der Wasserknappheit betroffen, teilte die Verwaltung der Provinz Shandong am Montag mit. Mehr als 240 000 Menschen und 107 000 Nutztiere hätten den Zugang zu Trinkwasser verloren, sie würden von Feuerwehrautos mit Wasser versorgt. Die Dürre könnte weltweite Auswirkungen haben.

In vielen Gegenden habe es seit vier Monaten keinen Niederschlag mehr gegeben, hiess es auf Internetseite von Shandong. Der Sommerweizen auf einer Fläche von rund 350 000 Hektar sei schon verdorrt oder stehe kurz davor. Die Trockenheit macht grossen Teilen des chinesischen Nordostens zu schaffen, der als Kornkammer des Landes gilt. Betroffen sind die Provinzen Henan, Shanxi, Hebei, Jiangsu und Anhui. In der Hauptstadt Peking ist in diesem Winter kein Schnee gefallen, die Wasserversorgung ist aber noch nicht in Mitleidenschaft gezogen worden.

Dürreprognosen noch bis in den Frühling

Die Dürre und die ungewöhnlich hohen Temperaturen sollen laut Wettervorhersagen noch bis in den Frühling anhalten. Wissenschaftler halten das Wetterphänomen La Nina, das auch für die Überschwemmungen in Australien verantwortlich sein soll, für den Auslöser der Trockenheit im Nordosten Chinas. Der Süden des Landes hingegen leidet unter einer Kältewelle.

Ministerpräsident Wen Jiabao widmete der Dürre bei einem Besuch in Henan am Wochenende seine Aufmerksamkeit. Er rief die vor Ort Verantwortlichen dazu auf, den Bauern noch stärker zu helfen. Die Verwaltung von Shandong teilte mit, die Provinzregierung habe 5,5 Millionen Euro an Nothilfe für 15 Städte bewilligt. In den Staatsmedien hiess es jedoch, die Regierung habe bereits mehr als 70 Millionen Euro vorgesehen, um mehr als zwei Millionen Menschen zu bezahlen, die in Hilfsprojekten gegen die Dürre arbeiten sollen.

Auswirkung auf Inflation und Weltwirtschaft

Mehrere hundert Millionen Chinesen leben von der Landwirtschaft. Ausserdem ist eine gute Ernte entscheidend, um Fleisch, Weizen und Gemüse für ärmere Chinesen erschwinglich zu halten, die mehr als ein Drittel ihres Einkommens für Essen ausgeben.

Steigende Lebensmittelpreise haben die Verbraucherpreise im Dezember um 4,6 Prozent steigen lassen; im November hatte die Inflation mit 5,1 Prozent sogar den höchsten Wert seit 28 Monaten erreicht. Die Jahresrate stieg 2010 stieg auf 3,3 Prozent.

Die Kommunistische Partei ist stets bedacht, potenzielle Unruhen zu vermeiden. Beobachter gehen davon aus, dass sie deshalb in diesem Jahr die Leitzinsen anheben wird, um die Preissteigerung zu begrenzen. Höhere Zinsen in China dürften aber den Konsum dämpfen und das weltweite Wachstum niedriger ausfallen lassen.

(ap)