Missglückte Attentate

13. Januar 2010 15:43; Akt: 13.01.2010 17:09 Print

ETA wollte Regierungschef abschiessen

Die baskische Terrororganisation ETA hat 2001 dreimal versucht, das Flugzeug des spanischen Ministerpräsidenten José Maria Aznar mit einer Lenkwaffe vom Himmel zu holen. Dreimal ging das Geschoss nicht los.

storybild

José Maria Aznar (l.) am 10. Mai 2001 in Bilbao, zusammen mit Jaime Mayor Oreja, dem Spitzenkandidaten der konservativen Partei bei den baskischen Regionalwahlen. Bei jenem Besuch wollte die ETA offenbar Aznars Flugzeug abschiessen. (Bild: Keystone/Jon Dimis)

Zum Thema
Fehler gesehen?

Dies geht aus einer Aussage des mutmasslichen ETA-Mitglieds Pedro María Olano hervor. Wie am Dienstag aus Ermittlerkreisen verlautete, gab der 49-Jährige in einem Polizei-Verhör zu Protokoll, dass er im Frühjahr 2001 einem ETA-Kommando Raketen aus Frankreich geliefert habe. Der konservative Regierungschef hatte damals im Baskenland an Wahlkampfkundgebungen teilgenommen.

Die ETA soll nach der Aussage von Olano im April und Mai 2001 drei Versuche an verschiedenen baskischen Flughäfen unternommen haben, die Maschine Aznars abzuschiessen. Die Attentate seien gescheitert, weil die Geschosse nicht funktioniert hätten, sagte der 49-Jährige nach Polizeiangaben. Olano war in der vorigen Woche im spanischen Baskenland festgenommen worden. Er steht im Verdacht, ein Verbindungsmann zwischen der ETA-Führung in Frankreich und den Terroristen in Spanien zu sein.

Von irischen Mittelsmännern gekauft

Die ETA erwarb die Boden-Luft-Raketen nach Angaben der Zeitung «El País» vermutlich Ende der 90er-Jahre bei irischen Mittelsmännern, die in Deutschland lebten und Kontakte zu illegalen Waffenmärkten in Osteuropa unterhielten. Im Jahr 2004 stellten die Sicherheitskräfte in Waffenverstecken der ETA in Südfrankreich zwei Lenkwaffen der russischen Bauart SAM-7 sicher. Dies waren nach Angaben der Ermittler vermutlich die Geschosse, mit denen die ETA ihr Attentat auf Aznar verüben wollte.

José Maria Aznar hatte in Spanien von 1996 bis 2004 an der Spitze einer konservativen Regierung gestanden. 1995 hatte er als Oppositionsführer ein Attentat der ETA leicht verletzt überstanden. Die Terroristen hatten an einer Kreuzung in Madrid eine Autobombe gezündet, als der Dienstwagen Aznars vorbeifuhr. Die Panzerung des Wagens rettete dem Politiker damals das Leben. 16 Menschen wurden verletzt.

Zehn Kilo Sprengstoff entdeckt

In den letzten Tagen war es der Polizei gelungen, gleich mehrere der meistgesuchten ETA-Leute zu fassen. So wurden vier mutmassliche Mitglieder am Wochenende in Frankreich und Portugal festgenommen. Einer der Verdächtigen erregte in der spanischen Stadt Bermillo de Sayago die Aufmerksamkeit der Polizei, weil sein Van französische Kennzeichen trug.

Bei einer Kontrolle stürmte er an den Beamten vorbei, stahl deren Streifenwagen und konnte mit ihm über die nahe gelegene Grenze nach Portugal flüchten. Dort wurde er schliesslich zusammen mit einer mutmasslichen Komplizin gefasst. In dem Van wurden zehn Kilogramm Sprengstoff und drei Schusswaffen entdeckt. Das Gebiet um das Fahrzeug wurde abgesperrt, mehrere Gebäude evakuiert.

Innenminister warnte vor Anschlägen

Der Zugriff in Frankreich erfolgte am Samstag nahe der Stadt Clermont-Ferrand. Die beiden Verdächtigen, ein Mann und eine Frau, sollen auf dem Weg zu einem geheimen Waffenlager gewesen sein. Bei dem Paar seien zwei Schusswaffen, Geld und falsche Papiere sichergestellt worden, erklärte der spanische Innenminister Alfredo Perez Rubalcaba.

Der Kampf der ETA für ein unabhängiges Baskenland hat seit 1968 mehr als 825 Menschen das Leben gekostet. Rubalcaba hatte Ende Dezember vor einem möglichen ETA-Anschlag im Zusammenhang mit der Übernahme der EU-Ratspräsidentschaft durch Spanien im Januar gewarnt.

(pbl/sda/ap)