Kosovo-Konflikt

29. Juli 2014 15:36; Akt: 29.07.2014 15:43 Print

EU-Ermittler klagt Ex-Rebellenführer an

Es gibt zwar nicht genug Beweise für mutmasslichen Organhandel während des Kosovo-Kriegs. Ehemalige UCK-Führer werden aber wegen Kriegsverbrechen angeklagt.

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Ermittlungen der EU haben bisher keine handfesten Beweise für systematischen illegalen Organhandel im Kosovo-Krieg von 1998 bis 1999 erbracht.

Berichte über andere Menschenrechtsverletzungen durch die ehemalige Befreiungsarmee des Kosovo (UCK) seien hingegen weitgehend bestätigt worden und Ex-Rebellenführer sollen dafür auch angeklagt werden, sagte der EU-Sonderstaatsanwalt Clint Williamson am Dienstag.

In Zukunft würde die EU-Ermittlungsbehörde SITF «in der Lage sein, Anklage gegen bestimmte ranghohe Vertreter der früheren Befreiungsarmee des Kosovo zu erheben», sagte Williamson weiter. Sie sollten demnach für Tötungen, das Verschwinden von Personen, Lagerhaft und sexuelle Gewalt verantwortlich gemacht werden. Die zweieinhalbjährigen Ermittlungen hätten auch Beweise für die Verfolgung von Serben, Roma und anderen Minderheiten durch die UCK erbracht.

Derzeitiger Ministerpräsident Hashim Thaci im Visier

Viele der früheren UCK-Kommandeure wurden später Spitzenpolitiker im Kosovo, wie auch der derzeitige Ministerpräsident Hashim Thaci. Die Ermittlungen Williamsons hatten nach einem Bericht des Europarats aus dem Jahr 2011 begonnen, in dem die UCK-Rebellen beschuldigt wurden, in Gefangenenlagern an der albanischen Grenze zivile Gefangene für ihre Organe getötet zu haben.

Es gebe zwar «schlüssige Hinweise», dass bis zu zehn Gefangene getötet wurden, um ihnen ihre Organe zu entnehmen und diese zu verkaufen, sagte Williamson. Allerdings reichten die Beweise nicht aus, um in diesem Fall einzelne Verdächtige zu benennen oder eine Anklage zu erheben.

Willamson machte deutlich, dass es sich bei dem Organhandel nach Stand der Untersuchung nicht um eine umfassende Praxis während des Unabhängigkeitskrieges von Serbien gehandelt habe, so wie viele Opfer behaupteten. «Handvoll war wörtlich gemeint – zehn», sagte er und hielt zehn Finger hoch.

(sda)