Flüchtlingswelle

15. Februar 2011 15:58; Akt: 15.02.2011 16:45 Print

EU schickt Grenzschützer nach Italien

Um den Flüchtlingsstrom aus Tunesien zu bewältigen, hat der italienische Innenminister die EU um Finanzhilfe gebeten. Die EU hat inzwischen rasche Nothilfe zugesichert.

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Zur Bewältigung des Flüchtlingsstroms aus Tunesien wird die EU Italien mit Geld und Grenzschützern unter die Arme greifen. «Wir wollen Italien finanzielle Hilfe gewähren und bereiten einen Einsatz der EU-Agentur Frontex vor», sagte ein Kommissionssprecher am Dienstag in Brüssel.

Italiens Innenminister Roberto Maroni hatte am Montag erklärt, er habe EU-Innenkommissarin Cecilia Malmström um Finanzhilfe in Höhe von 100 Millionen Euro gebeten. Bei einem ähnlichen Flüchtlingsstrom im vergangenen Herbst hatte die EU Griechenland 9,8 Millionen Euro Notfallhilfe bereitgestellt - deutlich weniger, als Italien nun verlangt.

Rasche Nothilfe

Die Nothilfe für Italien könne «sehr rasch» erfolgen, sagte der Sprecher weiter. Die Vorbereitungen für den Einsatz liefen auf Hochtouren. Die Grenzschützer seien innerhalb weniger Tage einsatzbereit und könnten die Lage auf der italienischen Insel Lampedusa überwachen.

Laut Maroni sollen vorerst 200 italienische Polizisten nach Lampedusa geschickt werden und für die öffentliche Sicherheit sorgen. In den vergangenen Tagen waren mehr als 5000 Tunesier nach Lampedusa geflohen. Die nur 20 Quadratkilometer grosse Insel südlich von Sizilien zählt selbst nur 4500 Einwohner.

Der Bürgermeister von Lampedusa, Bernardino De Rubeis, verordnete, dass den Migranten kein Alkohol verkauft werden soll. «Wir wollen die öffentliche Sicherheit garantieren», sagte er.

Ankunft tunesischer Immigranten in Lampedusa und Innenminister Maroni an einer Pressekonferenz:
(Quelle: AP Television)


Vor allem junge Leute

UNHCR-Sprecherin Melissa Fleming erklärte in Genf, offenbar hätten Menschenhändler gerade junge Leute in Tunesien dazu überredet, ein besseres Leben in Europa zu suchen. Die meisten der mehr als 5000 Flüchtlinge seien junge Männer. Das UNHCR wisse aber auch von mindestens 20 Frauen und mehr als 200 Minderjährigen, von denen die meisten ohne Begleitung seien.

Acht Bootsflüchtlinge machten unterdessen die tunesische Küstenwache für das Sinken ihres Schiffs verantwortlich. Das Schiff der Küstenwache habe das Boot mit 120 Flüchtlingen an Bord gerammt, sodass es in zwei Hälften gebrochen sei, sagten Überlebende der Nachrichtenagentur AFP.

Bei der versuchten Überfahrt nach Italien waren am Freitag fünf Menschen ums Leben gekommen, 30 werden noch vermisst. Die Küstenwache in der tunesischen Hafenstadt Zarzis bestätigte auf AFP- Anfrage, dass das Boot gesunken sei, führte dies jedoch auf dessen schlechten Zustand zurück. Weiter wollten die Beamten den Vorfall nicht kommentieren.

Ägyptische Flüchtlinge

Maroni warnte davor, die Zahl der Flüchtlinge könnte bis auf 80'000 steigen. Vor allem das «institutionelle Erdbeben» in Ägypten sei ein Risiko, sagte der Minister der ausländerfeindlichen Regierungspartei Lega Nord auf einer Sondersitzung in Catania auf Sizilien.

In der Tat landeten am Dienstag auf Sizilien erste Immigranten aus Ägypten. Laut Medienberichten fing die italienische Küstenwache ein Fischerboot mit 32 Ägyptern vor Ragusa ab. Einem Teil der Insassen sei die Flucht gelungen.

Allerdings ist die Situation in Ägypten nicht mit der in Tunesien zu vergleichen. Im Gegensatz zu Tunesien hat Ägypten die Grenzkontrollen laut informierten Kreisen nicht gelockert, sondern sogar verschärft. Zahlreiche Drogenschmuggler sollen so festgenommen worden sein. Die ägyptische Küstenwache gehört nicht zur Polizei, sondern zur Armee.

(sda)