25. April 2005 04:28; Akt: 24.04.2005 22:55 Print

Ecuador: Gutiérrez im brasilianischen Exil

Der abgesetzte Präsident Ecuadors, Lucio Gutiérrez, hat am Sonntag das Land verlassen.

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Der Ex-Präsident wurde nach Brasilien ausgeflogen, wo er politisches Asyl erhalten hatte.

Gutiérrez verliess die brasilianische Botschaft in Quito in der Nacht zum Sonntag an Bord eines Polizeibusses, während Demonstranten vor dem Haus mit einem Botschaftswagen abgelenkt wurden.

Der Ex-Präsident habe «aus Sicherheitsgründen» einen einen Helm getragen, wie der ecuadorianische Innenminister Mauricio Gandara der Nachrichtenagentur afp erklärte.

Das Fernsehen berichtete, Gutiérrez sei direkt zu einem Militärstützpunkt in Quito und von dort per Helikopter zum Flughafen Latacunga gebracht worden, der rund 80 Kilometer südlich der Hauptstadt liegt. Von dort sei das brasilianische Militärflugzeug um 5.50 Uhr Ortszeit gestartet. Im Verlaufe des Tages traf er in Brasilien ein.

Nach Angaben des brasilianischen Aussenministeriums wird der abgesetzte Präsident in einem von der Armee bereit gestellten Haus in der Hauptstadt Brasilia untergebracht. Brasilien hatte schon zuvor betont, den 48-Jährigen nicht aus Sympathie aufzunehmen, sondern um einer Landestradition zu folgen.

Zur Rechenschaft ziehen

Zuvor hatte die neue Regierung in Quito dem abgesetzten Staatschef freies Geleit zugesichert, nachdem eine aufgebrachte Menge die brasilianische Botschaft seit Tagen belagert hatte. Hunderte Menschen vor dem Gebäude forderten, Gutiérrez müsse im Land bleiben und dort zur Rechenschaft gezogen werden.

Sie sprühten Graffitis an die Mauern und hatten mit Fäusten auf den Wagen des brasilianischen Botschafters Sergio Florencio eingeschlagen, als dieser das Gebäude am Freitag verlassen wollte.

Auch ein Staatsanwalt hatte die Festnahme des Ex-Präsidenten verlangt. Ihm wird vorgeworfen, für den Tod zweier Menschen während der Demonstrationen vor seiner Amtsenthebung mitverantwortlich zu sein.

Drei aus dem Amt vertrieben

Das Parlament von Ecuador hatte Gutiérrez am Mittwoch seines Amtes enthoben. Seine Gegner werfen dem Politiker vor allem Willkür und Bestechlichkeit vor. Zu den Hauptakteuren bei den Protesten gehören die indianischen Ureinwohner, die sich durch Gutiérrez' Politik benachteiligt fühlen.

Der frühere Militäroberst ist bereits der dritte Präsident in Ecuador, der in den vergangenen acht Jahren aus dem Amt vertrieben wurde. Zum neuen Staatspräsidenten war Gutiérrez' bisheriger Stellvertreter Alfredo Palacio ernannt worden. Er soll zunächst bis zum Ende der offiziellen Amtszeit von Gutiérrez' Anfang 2007 im Amt bleiben.

(sda)