US-Republikaner

21. Juni 2011 08:15; Akt: 21.06.2011 09:23 Print

Ein «Cowboy» zielt Richtung Weisses Haus

von Peter Blunschi - Wer soll Barack Obama schlagen? Das aktuelle Bewerberfeld der US-Republikaner sorgt bei der Basis für wenig Begeisterung. Nun rückt ein neuer Name ins Blickfeld.

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: Der frühere Sprecher des Repräsentantenhauses hat bislang eine Achterbahnfahrt erlebt. Mit dem Sieg bei der Vorwahl in South Carolina war er zuletzt ganz oben. Unklar ist, wie lange dies so bleibt, denn Gingrich schleppt viel Ballast mit sich herum. : Der Ex-Gouverneur von Massachusetts und Multimillionär gilt als mehrheitsfähig. Doch viele Konservative tun sich schwer mit dem Mormonen, sie halten ihn für zu glatt und abgehoben. Nach gutem Start in die Vorwahlen ist er zuletzt in Rücklage geraten. Der 53-jährige Italoamerikaner sass zwölf Jahre für den Bundesstaat Pennsylvania im Senat, ehe er 2006 abgewählt wurde. Er politisiert am rechten Rand der Partei. Lange war er ein krasser Aussenseiter, doch in Iowa gewann er knapp gegen Romney. : Der Texaner hat mit seinen libertären, staatskritischen Ansichten eine grosse Fangemeinde erobert. Diese hat ihm bei den bisherigen Vorwahlen zu teilweise guten Resultaten verworfen. Eine Chance auf die Nomination hat er trotzdem nicht. Der Gouverneur von Texas stieg im August ins Rennen ein und erreichte in den Umfragen sofort Spitzenwerte. Doch nach einigen Patzern stürzte er immer tiefer ab. Nach schwachen Ergebnissen in Iowa und New Hampshire stieg er aus dem Rennen aus. : Er war Gouverneur von Utah, US-Botschafter in China und ist bekennender Mormone, wie Mitt Romney. Huntsman wollte sich als moderate Alternative zu diesem anbieten, doch wirklich durchsetzen konnte er sich nie. Am 16. Januar warf er das Handtuch. Die Kongressabgeordnete aus Minnesota hat fünf eigene und 23 Pflegekinder. Sie ist eine Favoritin der Tea-Party-Bewegung und berüchtigt für ihr loses Mundwerk. Nachdem sie bei der Vorwahl in ihrem Geburtsstaat Iowa nur den letzten Platz belegte, gab sie ihre Bemühungen auf. Der ehemalige Chef einer Pizza-Kette inszeniert sich als Anti-Politiker und kommt damit vor allem bei der Tea-Party-Bewegung an. Vorwürfe wegen sexueller Belästigung und peinliche Patzer haben ihm jedoch geschadet - so sehr, dass er am 3. Dezember 2011 seine Kandidatur vorläufig auf Eis gelegt hat. Mit seiner zupackenden Art hat er sich als Gouverneur von New Jersey schnell Respekt verschafft. Für viele Republikaner ist er ein Hoffnungsträger, doch am 4. Oktober 2011 stellte Christie ein für allemal klar, dass er nicht kandidieren wird. : Die ehemalige Gouverneurin von Alaska erhält viel Aufmerksamkeit, doch ob sie in der Lage wäre, gegen Barack Obama zu gewinnen, haben viele bezweifelt. Am 5. Oktober 2011 hat sie ihren Verzicht auf eine Kandidatur bekanntgegeben. Der Bruder von George W. Bush (l.) hat sich als früherer Gouverneur von Florida Respekt verschafft. Einen weiteren Bush im Weissen Haus will er den Amerikanern aber offensichtlich nicht zumuten. «Ich kandidiere nicht», hielt er in einer Mitteilung fest. Der Kongressabgeordnete von Wisconsin hat den radikalen Budget-Sparplan der Republikaner entworfen. Das macht ihn für viele in der Partei zu einem möglichen Kandidaten, doch Ryan will davon bislang nichts wissen. Der populäre Gouverneur von Indiana und Budgetdirektor in der Regierung von George W. Bush galt als Favorit der Parteiführung. Am 22. Mai 2011 erklärte er jedoch aus Rücksicht auf seine Familie den Verzicht auf eine Kandidatur. : Dem ehemaligen Gouverneur von Arkansas gelang 2008 zum Auftakt der Vorwahlen ein Überraschungssieg. Dieses Mal hat der Baptistenprediger frühzeitig das Handtuch geworfen. : Der Gouverneur von Minnesota hat versucht, sich als solider Konservativer zu profilieren. Allerdings fehlt es ihm an Charisma. Im Juli stieg er als erster Kandidat aus dem Rennen aus. Der New Yorker Immobilienmogul sorgte mit markigen Sprüchen für Furore und erklomm in den Umfragen kurzzeitig den Spitzenplatz. Dann krebste er zurück: Seine vermeintliche Präsidentschaftskandidatur war wohl nur ein Werbegag für seine TV-Show «The Celebrity Apprentice».

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Es spricht nicht für den Zustand einer Partei, wenn bei einem Treffen ihrer führenden Köpfe der Eklat um einen Komiker die meisten Schlagzeilen produziert. So geschehen bei der Republican Leadership Conference (RLC) in New Orleans. Und es spricht auch nicht für ihre Verfassung, wenn im Vorfeld der Präsidentschaftswahl 2012 die Rede eines Mannes den meisten Applaus erhält, der nicht antreten will – oder vielmehr noch nicht.

Mit lauten «Run Rick Run»-Sprechchören quittierte das Publikum die Ansprache von Rick Perry, Gouverneur des Bundesstaats Texas. Bislang hat der 61-Jährige eine Kandidatur stets ausgeschlossen. Nun überlegt er sich laut seinem Umfeld ernsthaft, in das Rennen einzusteigen. Perry ist nicht entgangen, dass das derzeitige Kandidatenfeld bei der Basis auf wenig Begeisterung stösst. Laut einer Umfrage von NBC und «Wall Street Journal» sind nur 45 Prozent der republikanischen Wählerschaft mit der aktuellen Auswahl zufrieden.

250 000 Jobs in Texas

Derzeitiger Favorit ist Mitt Romney, der ehemalige Gouverneur von Massachusetts. Eine Testabstimmung in New Orleans zeigte jedoch, wie schwer sich die Konservativen mit dem moderaten Mormonen tun – Romney schnitt schlecht ab. Rick Perry stand nicht zur Wahl, doch als strammer Konservativer, der Abtreibung und Homo-Ehe ablehnt, kommt er bei der Basis gut an. Seine Ansprache war ein feuriges Bekenntnis zu konservativen Werten, gewürzt mit scharfer Kritik an Präsident Barack Obama.

Perry, der 2010 als erster Gouverneur in der Geschichte des zweitgrössten US-Bundesstaats für eine dritte Amtszeit gewählt würde, könnte sich nach Ansicht vieler Republikaner sofort an die Spitze des Bewerberfelds setzen. Sein grösster Trumpf ist die Wirtschaft: Im letzten Jahr wurden in Texas rund 250 000 Jobs geschaffen, mehr als doppelt so viele wie im grösseren Kalifornien. Die schwache Konjunktur und die hohe Arbeitslosigkeit gelten als grösstes Hindernis für eine mögliche Wiederwahl Obamas.

Zweifel an innerem Feuer

Rick Perry will in den nächsten Wochen entscheiden, ob er antreten wird. Seine Frau soll ihn darin bekräftigen, doch sein langjähriger Berater David Carney schätzte die Chancen gegenüber US-Medien nur auf 50:50. Im Zentrum stehe die Frage, ob der Gouverneur genug Zeit habe, um eine schlagkräftige Wahlkampf-Organisation aufzubauen und vor allem um die benötigten Spenden von mehreren hundert Millionen Dollar zu sammeln.

Daneben zweifeln laut «Politico» selbst texanische Republikaner daran, dass Perry das innere Feuer für den strapaziösen Präsidentschafts-Marathon besitzt. Zu oft hat er in der Vergangenheit eine Kandidatur ausgeschlossen. Mit seinem typisch texanischen Hang zu cowboyhaften Macho-Sprüchen könnte er zudem auf nationaler Ebene auf Ablehnung stossen. Vor zwei Jahren etwa liebäugelte er damit, Texas von den Vereinigten Staaten abzuspalten.

Wählbarer Kandidat gesucht

Bis zur ersten Vorwahl in Iowa dauert es noch mehr als ein halbes Jahr. In dieser Zeit dürften weitere Namen auftauchen. So wird am Dienstag Jon Huntsman seine Kandidatur ankündigen, ein ehemaliger Gouverneur von Utah, der zuletzt als US-Botschafter in China amtierte. Bei der Testwahl in New Orleans belegte er überraschend den zweiten Platz. Er gilt als gemässigt, scheint dem Geschmack der Basis aber besser zu entsprechen als Mitt Romney. Denn was die will, zeigt eine CNN-Umfrage: Drei Viertel wollen einen Kandidaten, der Barack Obama schlagen kann, und nicht einen, der die reine konservative Lehre vertritt.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Danny am 21.06.2011 08:42 Report Diesen Beitrag melden

    Geduld

    Es gibt momentan keinen valablen Kandidaten, welcher Obama schlagen könnte. Falls es einem gelänge, dann nur weil es Obama in 3 Jahren nicht geschafft hat, den Stall von 8 Jahren Bush-Administration aufzuräumen. Aber....wer anders würde es denn geschafft haben können? Superman? Vermutlich nicht mal der. Das ist ein Ding der Unmöglichkeit. Die USA müssen mit Obama noch Geduld haben.

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  • Matti am 21.06.2011 08:33 Report Diesen Beitrag melden

    Nerv

    Hat Amerika noch nicht genug von ihren Cowboys?

  • Hardcore Zionist am 21.06.2011 15:17 Report Diesen Beitrag melden

    Zionisten an die Macht!

    Die AIPAC soll entscheiden wer für die Republikaner kandidiert. Brigitte Gabriel oder Michelle Malkin wären gute Kandidaten.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Hardcore Zionist am 21.06.2011 15:17 Report Diesen Beitrag melden

    Zionisten an die Macht!

    Die AIPAC soll entscheiden wer für die Republikaner kandidiert. Brigitte Gabriel oder Michelle Malkin wären gute Kandidaten.

  • Danny am 21.06.2011 08:42 Report Diesen Beitrag melden

    Geduld

    Es gibt momentan keinen valablen Kandidaten, welcher Obama schlagen könnte. Falls es einem gelänge, dann nur weil es Obama in 3 Jahren nicht geschafft hat, den Stall von 8 Jahren Bush-Administration aufzuräumen. Aber....wer anders würde es denn geschafft haben können? Superman? Vermutlich nicht mal der. Das ist ein Ding der Unmöglichkeit. Die USA müssen mit Obama noch Geduld haben.

    • Sascha am 21.06.2011 11:14 Report Diesen Beitrag melden

      von wegen Geduld

      absoluter Unsinn. Obama wird abgewählt, weil er eine komplett europäische, will sagen unamerikanische Agenda betrieben hat, die die Freiheit untergräbt. Es ist zu hoffen, dass die USA zu ihren Wurzeln zurückkehren, die sie 1933 verlassen haben.

    • Mike am 21.06.2011 11:52 Report Diesen Beitrag melden

      Binnenmarkt?

      @Sascha: Also volle Konzentration auf ihren Binnenmarkt und sich möglichst aus internationalen Angelegenheiten raushalten? Letzteres wäre wohl ein Segen für viele, jedoch in Zeiten der Globalisierung schwachsinnig.

    • FRED am 21.06.2011 12:40 Report Diesen Beitrag melden

      @Sascha

      Süsse Naivität. Das ist leider wirklich unmöglich geworden. Die Kreditgeber Amerikas werden das sicherlich nicht zulassen.

    • Anja am 21.06.2011 13:10 Report Diesen Beitrag melden

      Freiheit?

      Freiheit Sascha? Verwechselst du da nicht was. Schau dir mal den Film "Food inc." an und dann komm mir wieder mit der Freiheit in den USA. Dort bestimmt ganz sicher nicht die Freiheit sondern nur die Wirtschaftlichkeit, wo es lang geht. Dieses Land wurde ganz freiheitlich von vielen Bürgern in den Ruin getrieben, die vieles (wie billiiges Benzin) für selbstverständlich hielten, wohingegen u.a. gute Bildung dort teuer zu erkaufen ist.

    • Simone am 21.06.2011 14:21 Report Diesen Beitrag melden

      Wunder gibt es keine.......

      wie immer soll der Präsident ein Wunder vollbringen. Was Bush (von den Amis ja gewählt) in 8 Jahren verbrochen hat, soll Obama gefälligst in null komma nichts aufräumen! Wie naiv sind die Amis eigentlich. ich behaupte das der Schaden den die Bush-Administration angerichtet hat noch so manchen Präsidenten beschäftigen wird. Etwas mehr Kontunität wäre für das Land sicher hilfreich und nicht von Demokraten zu Republikaner und wenn der dann auch keine Wunder vollbringen kann wieder zurück zu den Demokraten. ca 20 Billiarden Staatsschulden wann geht dehnen endlich ein Licht auf!

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  • Matti am 21.06.2011 08:33 Report Diesen Beitrag melden

    Nerv

    Hat Amerika noch nicht genug von ihren Cowboys?