Paradies für Häftlinge

21. Juni 2011 07:16; Akt: 21.06.2011 18:27 Print

Ein Knast wie aus dem Reiseprospekt

Im Gefängnis San Antonio auf der venezolanischen Insel Margarita dürfen die Häftlinge weitermachen wie bisher: mit Drogen dealen, Mordaufträge erteilen. Nur eines dürfen sie nicht: raus!

Video: Venezuelas Gefängnisparadies (New York Times/YouTube)
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Margarita Island ist eine kleine Insel vor der Küste Venezuelas. Touristen aus aller Welt geniessen in dieser karibischen Idylle ihre Ferien. Die Sonnenuntergänge sind paradiesisch. Was viele Touristen nicht so genau wissen: Die venezolanische Insel ist auch ein Paradies für Drogenschmuggler, Drogenbosse und ein grosser Umschlagplatz für Rauschgift aus Lateinamerika. Drogen werden hier auf Schiffe und Flugzeuge umgeladen, um sie weiter nach Nordamerika zu schmuggeln. Oft geht etwas schief. Dann landen die Dealer im San-Antonio-Gefängnis auf der Insel. Ein Glück für die Kriminellen, denn hier in Porlamar können sie weiterleben wie bisher.

Von aussen sieht das Gefängnis wie ein normaler Knast aus. 2000 Venezolaner und Ausländer werden hier inhaftiert. Soldaten patrouillieren, Scharfschützen überwachen die umliegenden Dächer und Strassen. Besucher werden durchsucht, wenn sie ins Innere wollen. Ein Journalist der New York Times hatte die Gelegenheit, das Innere des Gefängnisses zu besuchen und zu filmen (siehe Video). Es sehe eher aus wie ein von Hugh Hefner inspirierter Vergnügungstempel, berichtet der Reporter.

Der fünfminütige Film zeigt Szenen wie aus einem Ferienparadies. Weibliche Besucherinnen in Bikinis tanzen lasziv am Knastpool, die Kinder der Insassen, die auf Besuch sind, plantschen darin. Reggeaton brummt aus den Boxen, Fleisch wird gegrillt, es wird geflirtet. Hedonismus gibt den Ton an. Überall ziert ein Playboy-Logo die Wände. Geld ist hier in Massen vorhanden, denn das Drogengeschäft und das Gambling florieren auch hinter Gittern. An den Wochenenden kommen Besucher ins Gefängnis, um ihr Dope für die Party zu kaufen oder ihre Wetten in der Hahnenkampfarena abzugeben. Ausgebrochen wird aus diesem Ort kaum. Das sei zu gefährlich, sagen die Häftlinge. Und drinnen sei das Leben eh sicherer als draussen.

«El Conejo», der Chef von San Antonio

Die venezolanischen Häftlinge schmeissen die Geschäfte des Gefängnisses. Das macht das Leben hier einfacher, sagt Fernando Acosta, ein mexikanischer Pilot, der hier seit 2007 festsitzt. Sein Zellengenosse ist ein Geschäftsmann aus dem Kongo, der Acosta zu einem Flug nach Westafrika mit einer Ladung Kokain anstiften wollte. Sie wurden erwischt.

Der wahre Boss von San Antonio ist aber Teófilo Rodríguez, genannt «El Conejo», der Hase (dies erklärt auch das omnipräsente Playboy-Logo). Er ist der Führer und Herrscher über das hauseigene Waffenarsenal. Ein britischer Häftling, Paul Makin, sagte dem NYT-Reporter, er sei beeindruckt, welche Waffen hier im Knast im Umlauf seien: «Hier gibts Waffen, die habe ich noch nie gesehen: AK-47s, AR-158, Uzis und dergleichen.» Er sei im besten Gefängnis der Welt, brüstet sich Makin im Mirror.uk. Er hat wegen Kokainschmuggel eine Strafe von acht Jahren abzusitzen. Das Gefängnis sei ein Paradies, wenn man sich El Conejos Regeln füge. Sonst sei es die Hölle.

Katastrophale Zustände

Eigentlich sind die Zustände im Gefängnis auf Margarita, wo Drogengeschäfte abgeschlossen, Mordaufträge erteilt werden und Gangs das System kontrollieren, für Venezuela nichts Aussergewöhnliches. Die Anarchie ist eine Folge von korrupten Beamten und von überbelegten Gefängnissen. Menschenrechtsgruppen zeigen seit langem mit dem Finger auf die schlimmen Zustände. Im vergangenen Jahr sind 476 Häftlinge von Gefängnisgangs getötet worden. Das ist ungefähr ein Prozent aller Gefangenen in Venezuela. Erst am Freitag haben Soldaten nach einer Häftlingsrevolte bei Caracas brutal interveniert. Seit Sonntag vor einer Woche sind mindestens 25 Menschen umgekommen. Präsident Hugo Chávez verspricht Besserung und will ein neues Ministerium für Inhaftierungen gründen, schreibt das International News Magazine. Die Zeit drängt. Es sieht aus, als hätte der Staat längst die Kontrolle über seine Gefängnisse verloren.


San Antonio von aussen (YouTube)

(kub)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Roberto am 21.06.2011 13:48 Report Diesen Beitrag melden

    Viele Länder mit dem gleichen Problem

    In Brasilien ist es ähnlich

  • Kind am 21.06.2011 18:05 Report Diesen Beitrag melden

    Wie in Norwegen

    Fast wie in Norwegen. Da gibts nicht mal einen Zaun

  • H.m. Bern am 22.06.2011 12:02 Report Diesen Beitrag melden

    Diego .. nur so zum mitdenken ..!!

    Es ist natürlich schon klar , das man hier bei uns lieber hätte , wenn man die Leute möglichst in Einzelhaft halten würde ,ohne Kontakt zur Aussenwelt und Gesellschaft.!! Aber dann wieder gross propagandieren ,wie wir doch die Gefangenen resozialisieren würden ,aber nicht mal soviel fähig sein ,zu verstehen ,das Gefangene die unter Umständen jahrelang in Zellen sitzen ,und wie Tiere gehalten werden trotz Tv wie immer gesagt wird , gar nicht mehr resozialisierbar sind !! Sich aber dann wundern ,wenn die Leute nach Jahren wenn Sie wieder mal rausgelassen werden wieder rückfällig werden !!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • H.m. Bern am 22.06.2011 12:02 Report Diesen Beitrag melden

    Diego .. nur so zum mitdenken ..!!

    Es ist natürlich schon klar , das man hier bei uns lieber hätte , wenn man die Leute möglichst in Einzelhaft halten würde ,ohne Kontakt zur Aussenwelt und Gesellschaft.!! Aber dann wieder gross propagandieren ,wie wir doch die Gefangenen resozialisieren würden ,aber nicht mal soviel fähig sein ,zu verstehen ,das Gefangene die unter Umständen jahrelang in Zellen sitzen ,und wie Tiere gehalten werden trotz Tv wie immer gesagt wird , gar nicht mehr resozialisierbar sind !! Sich aber dann wundern ,wenn die Leute nach Jahren wenn Sie wieder mal rausgelassen werden wieder rückfällig werden !!

    • marco solothurn am 27.06.2011 00:44 Report Diesen Beitrag melden

      kinderbesuche

      gefangene sollen menschenwürdig behandelt werden,ohne gewalt missbrauch an frauen.auch die brauchen ein soziales umfeld,aber nicht so als seien sie in den ferien.glaube auch ,dass es bessere vergnügungs plätze für kinder zum verweilen gibt.oder will man kindern zeigen,dass es im knast später auch gut zu leben ist....

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  • Diego U. am 22.06.2011 03:07 Report Diesen Beitrag melden

    Rgierung!

    Ach die liebe kommunistischer Regierung unter Chavez hat ja alles unter Kontrolle. Hier sieht man den "Charakter" der Regierung wunderbar. Pfui Deibel !!!

    • Chavi am 22.06.2011 11:12 Report Diesen Beitrag melden

      @diego

      Lieber Diego,bevor Du hier irgendwelche Propaganda weitergibst:1.ist die Regierung in Venezuela NICHT kommunistisch sonder SOZIALISTISCH!2.gibt es auch in Schweizer Gefängnissen Fitnessräume,Bäder usw, sogar TV in der Zelle.was meinst du?

    • Franz am 22.06.2011 11:34 Report Diesen Beitrag melden

      es gibt noch viel zu tun bei uns!

      für eine 5-Sterne Auszeichnung fehlt noch der Wellnessbereich und das Gourmet-Restaurant!

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  • Mimmo am 21.06.2011 18:33 Report Diesen Beitrag melden

    kinder!

    wieso liest ihr nicht den beitrag?? die kinder sind besucher!

    • zen jin am 24.06.2011 11:20 Report Diesen Beitrag melden

      Wurst

      sogar grillieren können sie :D

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  • Kind am 21.06.2011 18:05 Report Diesen Beitrag melden

    Wie in Norwegen

    Fast wie in Norwegen. Da gibts nicht mal einen Zaun

  • Legalize Drugs Now am 21.06.2011 16:35 Report Diesen Beitrag melden

    Zugrunde liegt verfehlte Drogenpolitik

    ich schätze mal 90% der aller Häftlinge weltweit, sind wegen Drogen im Vollzug.Langsam erfolgt die Einsicht, dass der Krieg gegen Drogen an allen Fronten lediglich sinnlose Gewalt und Verlierer generiert. Gott sei Dank beginnen, die gewisse Kreise damit, die Drogenpolitik zu ändern um die unmöglich zu bewältigende Schlacht zu beenden.