«Je suis Charlie»

12. Januar 2015 08:04; Akt: 12.01.2015 14:31 Print

Ein Menschenmeer gegen die Terrorwelle

In Frankreich haben am Sonntag mehr als eine Million Menschen der Opfer der islamistischen Anschlagsserie gedacht. Auch 50 Staats- und Regierungschefs gingen auf die Strasse.

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Hunderttausende nehmen an dem Trauermarsch durch Paris teil. Die Place de la République im Stadtzentrum war schon über eine Stunde vor Beginn des geplanten Schweigemarsches überfüllt. Mehr als eine Million Menschen hat am Sonntagnachmittag am Solidaritätsmarsch in Paris teilgenommen. Hunderte Polizisten überwachen den Anlass. Stifte, Blumen und «JeSuisCharlie»-Plakate. Zahlreiche Spitzenpolitiker haben am Trauermarsch für die Terror-Opfer teilgenommen. Von links: Israels Premierminister Benjamin Netanjahu, Malis Präsident Ibrahim Boubacar Keita, ein Bodyguard, Frankreichs Präsident François Hollande, die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel, Palästinas Präsident Mahmud Abbas und der italienische Premierminister Matteo Renzi. Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga ist am Sonntag nach Paris gereist. Präsident François Hollande begrüsst die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel. Der italienische Premierminister Matteo Renzi wird von Hollande begrüsst. Renzi hat heute seinen 40. Geburtstag. Ganz Frankreich scheint am Sonntag auf der Strasse versammelt zu sein. Mehr als 20'000 Menschen demonstrieren in Nizza bereits am 10. Januar in Gedenken an die Opfer des Anschlags auf «Charlie Hebdo» und der Geiselname in einem jüdischen Supermarkt in Paris. Vorne mit dabei: Amtsträger der Stadt. «Die Liebe ist stärker als der Hass» steht auf diesem Schild geschrieben, «Je suis Charlie» - dieses Motto gilt auch drei Tage nach dem Anschlag auf das Satiremagazin. Die Titelblätter mehrere Ausgaben des Satiremagazins «Charlie Hebdo» sind in einer Strasse aufgehängt. Menschen zünden auf dem Place de la République Kerzen an und legen Blumen nieder. Ein Hund trägt an der Kundgebung in Paris ein Schild mit der Aufschrift «Je suis Charlie». Zwei französische Feuerwehrmänner zeigen ihre Solidarität mit den Opfern der Anschläge. Ein Bild sagt mehr als Tausend Worte. Die Fassade der National Gallery in London leuchtet in den Farben Frankreichs. Auch in Brüssel gingen zahlreiche Menschen auf die Strasse.

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Unter strahlend blauem Himmel waren bereits ab dem Mittag Hunderttausende Menschen in die Pariser Innenstadt geströmt. Am Nachmittag setzte sich der Zug dann von der Place de la République aus in Bewegung.

Nach Veranstalterangaben waren bis zu 1,5 Millionen Menschen in Paris auf den Beinen. Das französische Fernsehen sprach von der grössten Kundgebung in Paris seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Der Gedenkmarsch im Stadtzentrum wurde von rund 2200 Einsatzkräften abgesichert.

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Politiker hinter Angehörigen

Ganz vorne liefen Familienangehörige der insgesamt 17 Opfer der terroristischen Angriffe mit. Ihnen folgten nach einer Schweigeminute die Politiker.

Am Marsch nahmen unter anderem die deutsche Kanzlerin Angela Merkel, der britische Premierminister David Cameron, EU-Ratspräsident Donald Tusk, Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu und Palästinenserpräsident Mahmud Abbas teil. Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga hatte sich beim ukrainischen Präsidenten Petro Poroschenko und dem italienischen Ministerpräsidenten Matteo Renzi untergehakt.

Neben der gesamten französischen Regierung und vielen weiteren Politkern wie den Ex-Präsidenten Jacques Chirac und Nicolas Sarkozy reihten sich auch zahlreiche Vertreter von kirchlichen Organisationen, Gewerkschaften, Parteien, Medien und Verbänden in den Gedenkzug ein.

Plakate und Sprechchöre

Der Marsch sollte bis zur Place de la Nation führen, die jedoch schon zu Beginn der Kundgebung völlig überfüllt war. Viele Demonstranten schwenkten französische Fahnen und sangen die Nationalhymne.

Immer wieder wurde in Sprechchören «Charlie, Charlie» gerufen und unzählige Demonstranten hielten Schilder mit der Aufschrift «Je suis Charlie» hoch. Mit diesem Bekenntnis demonstrieren zahllose Menschen in ganz Frankreich und weltweit seit Mittwoch für Toleranz, Demokratie und Meinungsfreiheit.

«Ich bin hier, um zu zeigen, dass die Terroristen nicht gewonnen haben» sagte die 34-jährige Franko-Marokkanerin Zakaria Moumni. «Im Gegenteil, sie bringen die Menschen aller Religionen zusammen.» Auf einem handgeschriebenen Plakat war ein Zitat von Thomas Jefferson zu lesen: «Unsere Freiheit beginnt mit der Freiheit der Presse.»

Anlässe in ganz Europa

Auch abseits des zentralen Gedenkmarschs in Paris gingen in zahlreichen französischen Städten am Sonntag wieder Hunderttausende auf die Strasse. Landesweit wurden insgesamt mindestens 3,7 Millionen Demonstranten gezählt, wie das französische Innenministerium mitteilte.

Die mit Abstand grösste Kundgebung gab es mit bis zu 300'000 Teilnehmern in Lyon, gefolgt von Bordeaux, Marseille und Rennes. In Dammartin-en-Goële nordöstlich von Paris zogen etwa 10'000 Menschen durch die Strassen. Im 8000-Einwohner-Ort hatten sich die beiden Attentäter nach dem Anschlag auf «Charlie Hebdo» in einer Druckerei verschanzt, wo sie am Freitag von der Polizei erschossen wurden.

Auch in Berlin, Madrid, London, Brüssel und vielen weiteren Grossstädten solidarisierten sich Tausende Menschen mit den französischen Opfern. In Lausanne füllte sich am Sonntagnachmittag die Place de la Riponne mit Hunderten Menschen. Bereits am Tag davor hatten in Genf und Bellinzona Solidaritätsaktionen stattgefunden.

Eine Welle von islamistischen Terroranschlägen, Morden und Geiselnahmen hatte in der letzten Woche das Leben von 17 Menschen ausgelöscht. Allein der Überfall auf die Redaktion der Satirezeitschrift «Charlie Hebdo» forderte am Mittwoch zwölf Tote.

(sda)