Unruhen

16. Februar 2011 18:26; Akt: 16.02.2011 18:26 Print

Ein Toter nach Protesten in Jemen

Die Proteste in Jemen werden immer heftiger. Die Polizei geht mit Tränengas und Gummigeschossen auf die Demonstranten los. Ein Mann ist inzwischen ums Leben gekommen.

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In der Stadt Tais haben die Demonstranten nach dem Vorbild Kairos ein provisorisches Lager errichtet: Auf den Strassen verlangen sie den Rücktritt des Präsidenten. (Bild: Keystone)

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Mit einem Aufgebot von rund 2000 Polizisten hat die jemenitische Regierung am Mittwoch versucht, die seit sechs Tagen anhaltenden Demonstrationen in der Hauptstadt Sanaa einzudämmen. Die Protestierenden verlangen den Rücktritt des seit 32 Jahren regierenden Präsidenten Ali Abdullah Saleh. In der südjemenitischen Stadt ist bei Auseinandersetzungen mit Polizisten ein Demonstrant ums Leben gekommen. Es ist der erste Tote im Zusammenhang mit den Protesten.

Die Bereitschaftspolizei ging in Aden mit Tränengas und Gummigeschossen gegen die Demonstranten vor. Ausserdem feuerten sie mit scharfer Munition Warnschüsse ab. Ein 23-jähriger Demonstrant sei durch einen Schuss in den Kopf getötet worden, sagte ein Polizist. Ausserdem habe es mindestens fünf weitere Verletzte gegeben, sagte ein Mediziner. Die Demonstranten, unter ihnen viele Studenten und Arbeiter, zündeten im Stadtteil Mansura Reifen an.

Auch in der Stadt Tais, rund 430 Kilometer südlich von Sanaa, protestierten die Menschen. Nach dem Vorbild der Demonstranten auf dem Tahrir-Platz in Kairo hätten sie auf dem Safir-Platz in der Stadtmitte von Tais ein provisorisches Lager errichtet - komplett mit medizinischer Versorgung, Reinigungstrupps und Sicherheitskräften zum Schutz vor Angriffen, sagte Ghasi al Samie, Anwalt und Aktivist. Tausende hätten in den vergangenen Tagen an den Protesten in der zweitgrössten Stadt des Landes teilgenommen, sagte er.

Polizei verriegelte Tore der Universität

In Sanaa feuerten Sicherheitskräfte in Uniform und Zivil Warnschüsse ab und verhinderten den Zusammenschluss tausender Studenten mit einer anderen Demonstration ausserhalb des Uni-Campus. Dazu hätten Polizisten die eisernen Tore der Universität mit Ketten verschlossen, berichteten Zeugen. Bei Zusammenstössen sind demnach mindestens vier Demonstranten verletzt worden.

Auf Facebook und Twitter rufen Aktivisten zu einer Reihe von Demonstrationen am ausgerufenen «Freitag des Zorns» auf, an denen über eine Million Menschen teilnehmen sollen. «Wir werden auf den Strassen bleiben, bis das Regime geht», heisst es auf einer Facebook-Seite der Protestbewegung. Ein von einer «Bewegung des 24. Februar» unterzeichneter Aufruf kursiert per E-Mail. Offenbar erfolgte die Namensgebung der Gruppe in der Hoffnung, dass ihr Aufruf zur Demonstration an diesem Datum in der kommenden Woche erfolgreich ist.

Um die Situation zu beruhigen, hatte Präsident Saleh bereits angekündigt, dass weder er noch sein Sohn bei der nächsten Präsidentschaftswahl 2013 antreten werden. Die Demonstranten verlangen allerdings Salehs sofortigen Rücktritt sowie politische und wirtschaftliche Reformen.

(ap)