Germanwings-Katastrophe

31. März 2015 16:08; Akt: 31.03.2015 16:27 Print

Eine Woche nach Absturz – was bekannt ist, was nicht

Vor einer Woche stürzte ein Airbus A320 der Germanwings in den französischen Alpen ab. Schnell wurden erste Ermittlungsergebnisse publik. Eine Zusammenstellung der Fakten.

Bildstrecke im Grossformat »
Am 24. März 2015 stürzte eine Germanwings-Maschine in den französischen Alpen ab. 150 Personen kamen ums Leben. Der Pilot Andreas Lubitz hatte das Flugzeug absichtlich abstürzen lassen. Der Pilot hatten den Airbus 320 vor dem Crash absichtlich beschleunigt. Der Flugdatenschreiber bestätigt: Der Co-Pilot der zerschellten Germanwings-Maschine hat das Flugzeug in den Minuten vor dem Absturz mehrfach beschleunigt. Die Suche nach dem zweiten Flugschreiber stand lange im Fokus der Rettungsarbeiten. Die zweite Blackbox sollte wichtige Erkenntnisse liefern. Trümmerfeld in den französischen Alpen. Die Bergungsarbeiten in dem unwegsamen Gelände gestalten sich schwierig. Die Suche nach den Opfern des Absturzes läuft auf Hochtouren. Das steile Gelände erschwert die Arbeit. Überall liegen Gegenstände der Opfer. Rettungskräfte bergen die Opfer des Flugzeugabsturzes in den französischen Alpen. Das Bergen der Germanwings-Opfer belastet die Rettungskräfte sehr. Die Arbeit ist physisch und psychisch schwierig. Daher werden nur erfahrene Leute eingesetzt. Trümmerteil mit der deutschen Flagge. Ein Helikopter überfliegt das Trümmerfeld. Angehörige der Opfer treffen am 26. März mit Bussen in der südfranzösischen Gemeinde Seyne-les-Alpes nahe des Absturzortes ein. Vor Ort fand eine erste Gedenkfeier und Kranzniederlegung statt. Die Rettungskräfte halten die Flaggen der Länder, aus denen die Opfer stammen. Ungefähr zeitgleich durchsuchten Ermittler am Donnerstag, 26. März, die Wohnung von Lubitz. Er soll in einer Wohnung in Düsseldorf gewohnt haben. «In unseren schlimmsten Albträumen hätten wir uns nicht vorstellen können, dass sich so eine Tragödie in unserem Konzern ereignen könnte», sagte Lufthansa-CEO Carsten Spohr an einer Pressekonferenz. Die französische Staatsanwaltschaft informierte über die Absturzursache: Ein Unfall wird ausgeschlossen. Der Co-Pilot war während des Sinkfluges bei Bewusstsein und antwortete bewusst nicht auf sämtliche Kontaktversuche. Die Trümmer des Airbus sind über vier Hektaren verteilt. Einige Schüler haben sich vor dem Joseph-König-Gymnasium im deutschen Haltern versammelt. Der Chef der französischen Luftfahrtbehörde, Rémi Jouty, sagte an einer Pressekonferenz, dass aus der gefundenen Blackbox brauchbare Audiodateien extrahiert werden konnten. Nun müssen sie noch analysiert werden. Die Bergungskräfte sind in dem unwegsamen Gelände am Absturzort des Germanwings-Fluges angekommen. Die Maschine ist in viele einzelne Teile zerborsten, was die Bergung erheblich erschwert. Die Wrackteile sind überall verstreut. Mehrere Helikopter machten sich am Mittwoch auf den Weg zur schwer zugänglichen Unglücksstelle. Im Alpenort Seyne sind Helfer und Journalisten vor Ort. Eine der beiden Blackboxes des abgestürztes A320. Der am Dienstag geborgene Stimmrekorder wurde nach Paris zur französischen Luftfahrtermittlungsbehörde BEA gebracht. Die Germanwings-Maschine ist beim Absturz in sehr kleine Teile zerbrochen. Die Toten sollen nicht mehr am Mittwoch geborgen werden, im Vordergrund steht die Suche nach der zweiten Blackbox, dem Flugdatenschreiber. «Das Einzige, was ich sagen kann, ist, dass dieser schnelle Höhenverlust des Flugzeugs für den Augenblick unerklärt bleibt», sagte Brice Robin, Staatsanwalt von Marseille. Am Joseph-König-Gymnasium in Haltern ist der Schock riesig. Zahlreiche Kerzen wurden vor der Schule niedergelegt. Ulrich Wessel, der Rektor des Gymnasiums, gab am Mittwoch eine Pressekonferenz: «Eine fröhliche Fahrt endete in einer Tragödie.» Ein Kondolenzbuch liegt im Berliner Dom aus. Die Fahnen sind bei Lufthansa und Germanwings auf Halbmast. Um 10.53 Uhr legten die Airlines eine Schweigeminute für die Opfer ein. Ein Bild der Absturzstelle zeigt die Trümmer des Airbus. Überall liegen Trümmerteile. Das Flugzeug ist im Gebirge zerschellt. «Entsetzliche Bilder in dieser Berglandschaft. Es bleibt nichts ausser Trümmern und Leichen», twittert Christophe Castaner, Abgeordneter der Region Alpes-de-Haute-Provence. Helikopter überfliegen die Unglücksstelle. Die Absturzstelle liegt an einer schwer zugänglichen Stelle im L'Estrop-Massiv. 144 Passagiere und sechs Crewmitglieder waren an Bord der abgestürzten Maschine der Germanwings. Es gibt keine Überlebenden. Die Maschine war in Barcelona gestartet und auf dem Weg nach Düsseldorf. Die Retter werden abgeseilt. Die Einsatzkräfte versammeln sich nahe der Absturzstelle in Seyne-les-Alpes. Insgesamt sind Hunderte Personen aufgeboten. Es handelt sich um Helikopter der französischen Luftwaffe und der Zivilschutzdienste. Auch Mitglieder der Gendarmerie sind vor Ort. Die Leichen der Opfer sollen vorläufig in einer Sporthalle in Seyne-les-Alpes aufbewahrt werden. Es könne einige Zeit dauern, bis die Rettungskräfte an der Unglücksstelle ankämen, heisst es in französischen Medien. Teenager versammeln sich vor dem Joseph-König-Gymnasium in Haltern am See, wo die Opfer zur Schule gingen. 16 Schüler und zwei Lehrer waren an Bord der Unglücksmaschine. Die Unglücksmaschine soll in kurzer Zeit sehr viel Höhe verloren haben, die Piloten hätten kein Notsignal abgegeben, melden französische Medien. Einsatzkräfte in der Nähe des Absturzortes. Die Absturzstelle befindet sich an einer schwer zugänglichen Stelle. Ein Leser hat das Unglücksflugzeug bei einem Anflug auf Zürich fotografiert. Der französische Präsident François Hollande begrüsst das spanische Königspaar. König Felipe und Königin Letizia befanden sich zum Absturzzeitpunk bereits in Frankreich auf einem Staatsbesuch. Spanier und Deutsche befanden sich an Bord des Flugzeugs. Eine Angehörige wartete in Düsseldorf auf die verunglückte Maschine aus Düsseldorf. Die Angehörigen werden von Flughafenmitarbeitern betreut. Ein Care-Team betreut die wartenden Angehörige am Flughafen Düsseldorf. Anzeigetafel am Flughafen Düsseldorf. «Unsere Gedanken sind jetzt bei allen Angehörigen und Freunden unserer Passagiere und Crew», sagt Carsten Spohr, CEO der Lufthansa. Bei der Unglücksmaschine handelt es sich um diesen Airbus A320 der Fluggesellschaft Germanwings - hier zu sehen bei einem Anflug auf Zürich, fotografiert von Leser Stefan Siegenthaler. Die Unglücksstelle liegt im Süden Frankreichs.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Am Dienstag um 10.01 Uhr startete die Germanwings-Maschine in Barcelona. Doch am Zielort Düsseldorf kam das Flugzeug nie an. Kurz nach dem Erreichen der regulären Reiseflughöhe von 38'000 Fuss (11,5 Kilometer) ging die Maschine ohne Hinweis an die französische Flugkontrolle oder ein Notsignal in einen schnellen Sinkflug über. Kurz darauf zerschellte der Airbus A320 in den französischen Alpen bei Seyne-les-Alpes. Eine Explosion gab es zuvor nicht, wie die französische Untersuchungsbehörde BEA mitteilte.

Was wir wissen:

Personen an Bord
An Bord der Maschine waren 150 Personen: der Pilot Patrick S. (34), der Co-Pilot Andreas Lubitz (27), vier weitere Besatzungsmitglieder und 144 Passagiere. Die meisten von ihnen kamen aus Deutschland und Spanien.

Patrick S. hatte mehr als 6000 Stunden Flugerfahrung, grösstenteils im Airbus A320. Zur Lufthansa war er vor zehn Jahren gekommen.

Sein Arbeitskollege Andreas Lubitz war seit 2013 Co-Pilot bei Germanwings. Der 28-Jährige hatte 630 Flugstunden absolviert. Laut Lufthansa arbeitete er aber schon vorher etliche Jahre für den Konzern, auch als Flugbegleiter. In der Pilotenausbildung gab es vor sechs Jahren eine mehrmonatige Unterbrechung, danach sei der Mann als «100 Prozent flugtauglich» getestet worden, teilte die Lufthansa mit. Verschiedene Medien berichteten jedoch, dass Lubitz an Depressionen und einem Burnout gelitten habe. Am Unglückstag war der 27-Jährige krankgeschrieben. Lubitz verheimlichte seinem Arbeitgeber aber offenbar seine Erkrankung. Am Montag wurde bekannt, dass Lubitz vor seiner Karriere als Pilot in psychotherapeutischer Behandlung gewesen war. Er galt als suizidgefährdet.

Das sagte der Staatsanwalt am Montag:
(Reuters)

Die Unglücksursache
Der Co-Pilot Andreas Lubitz soll den Airbus A320 auf dem Flug von Barcelona nach Düsseldorf absichtlich in einen Sinkflug versetzt haben, als der Kapitän das Cockpit kurz verliess. Die französische Staatsanwaltschaft schloss aus den Aufzeichnungen des rasch gefundenen Stimmenrekorders, dass der 27-Jährige den Piloten aus dem Cockpit aussperrte. Der zweite Flugschreiber wird nach wie vor gesucht.

Aus dem Cockpit ist bis zum Aufprall schweres Atmen zu hören, der Co-Pilot war also am Leben. Zuletzt hämmerten Flugkapitän und Crew von aussen an die automatisch verriegelte Tür. Schreie von Passagieren sind erst in den letzten Sekunden aufgezeichnet.

Stellungnahme der Lufthansa:
(Reuters)

Der Terrorverdacht
Die Ermittler haben keine Hinweise auf einen Terrorakt. Auch das Bundesinnenministerium hat derzeit «keine Hinweise auf einen irgendwie gearteten terroristischen Hintergrund».

Was wir nicht wissen:

Das Motiv
Lubitz' Beweggründe für die Tat sind noch nicht gänzlich geklärt. «Ein Hauptmotiv für uns ist derzeit, dass Lubitz offenbar Angst hatte, wegen seiner medizinischen Probleme die Flugtauglichkeit zu verlieren», sagte ein Ermittler zur «Bild». Bei Hausdurchsuchungen wurde kein Abschiedsbrief gefunden.

Bergung
Bisher haben die Ermittler mehr als 4000 Teile von der Unglücksstelle zurückgebracht. 78 Opfer konnten anhand der DNA-Proben identifiziert werden. Bis zum endgültigen Ergebnis der DNA-Analysen könnte es aber «zwei bis vier Monate» dauern. Unklar ist, ob alle Opfer je identifiziert werden können.

Auch der zweite Flugschreiber konnte noch nicht geortet werden. «Wir vermuten, dass die Blackbox verschüttet wurde», heisst es bei der Polizei. Um die Bergung zu beschleunigen, wurde eine Strasse zum Unglücksort gebaut.

Die Konsequenzen
Die Lufthansa wusste offenbar nichts von den Krankheiten des Co-Piloten. Nun stellt sich die Frage, ob der Absturz hätte verhindert werden können. Eine Diskussion um die Schweigepflicht der Ärzte ist entbrannt.

Kurz nach dem Absturz führten diverse Airlines auf der ganzen Welt die Zwei-Personen-Regel im Cockpit ein – darunter auch die Swiss. Diese besagt, dass während des Flugs immer zwei Personen im Cockpit anwesend sein müssen. Experten sind sich aber uneins, ob mit dieser Regel die Katastrophe hätte verhindert werden können.

(woz)