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08. März 2012 14:57; Akt: 09.03.2012 13:14 Print

Eine der übelsten Gestalten auf Erden

Joseph Kony hat Zehntausende Kinder entführt und zu Soldaten und Sexsklaven gemacht. Die Kampagne «Kony 2012» hat einen der brutalsten Rebellenführer im Visier.

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Joseph Kony (r.) begrüsst Vertreter der ugandischen Regierung am 31. Juli 2006 zu Friedensgesprächen. Zwei Jahre später liess er sie platzen. (Bild: Keystone/AP)

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Die Kampagne «Kony 2012» stösst im Internet derzeit auf enorme Beachtung – und viel Kritik. Eines aber lässt sich nicht bestreiten: Der Mann, den sie ins Visier nimmt, ist eine der übelsten Gestalten, die derzeit auf diesem Planeten ihr Unwesen treiben. Seit 2005 werden Joseph Kony, der Anführer der Lord’s Resistance Army (Widerstandsarmee des Herrn – LRA), und vier seiner Mitstreiter vom Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Kriegsverbrechen gesucht.

Die Liste der Vorwürfe gegen den ugandischen Rebellenchef ist lang und grauenvoll. Kony soll mehrere zehntausend Kinder entführt und zu Soldaten und Sexsklaven gemacht haben. Wer sich widersetzt oder zu fliehen versucht, wird auf schreckliche Weise umgebracht. Der LRA werden unzählige Massaker an Zivilisten zur Last gelegt, bei denen etwa den Opfern Körperteile abgehackt und gekocht wurden. Die Überlebenden wurden gezwungen, sie zu essen. Mehr als 100 000 Menschen sollen der LRA zum Opfer gefallen sein.

Für christlichen Gottesstaat

Der heute etwa 50-jährige Joseph Kony geht 1986 in den Untergrund, nachdem der heutige Präsident Yoweri Museveni den Bürgerkrieg in Uganda gewonnen hat. Kony gehört dem Volk der Acholi im Norden des Landes an, das mit dem alten Regime verbündet war. Von Beginn an zeigt er Züge von Grössenwahn: Er behauptet, im Auftrag Gottes zu handeln und in Uganda einen christlichen Gottesstaat auf Basis der Zehn Gebote errichten zu wollen. Dass seine Methoden sich jenseits von allem bewegen, was das Christentum predigt, kümmert seine Anhänger offensichtlich nicht, sie bescheinigen ihm übersinnliche Kräfte.

Die ugandische Armee kämpft seit einem Vierteljahrhundert erfolglos gegen die LRA. Dabei geht sie ebenfalls nicht zimperlich vor. Hunderttausende werden vertrieben und in «Dörfer» umgesiedelt, die «faktisch Konzentrationslager waren», so das Magazin «Foreign Affairs» im letzten Herbst. Eine Studie der Weltgesundheitsorganisation (WHO) von 2005 ergibt, dass in der Acholi-Region rund 1000 Menschen pro Woche Opfer von Gewalt wurden. Von 2006 bis 2008 kommt es zu Friedensgesprächen, die Kony schliesslich ergebnislos platzen lässt.

Obama schickt Militärberater

Joseph Kony konnte sich seinen Verfolgern bislang stets entziehen, was den Mythos um seine Person noch verstärkte. Seine «Widerstandsarmee» operiert laut «Foreign Affairs» in einem Gebiet von der Grösse Frankreichs im Dreiländereck zwischen Uganda, der Demokratischen Republik Kongo und dem Südsudan, das zu den unzugänglichsten Regionen der Welt zählt. Zeitweise erhielt sie von der – muslimischen – Regierung des Sudan Waffen und Geld, als Vergeltung dafür, dass die ugandische Regierung die Rebellen im Südsudan unterstützt hatte.

Im letzten Herbst entsandte US-Präsident Barack Obama rund hundert Militärberater nach Uganda. Sie sollen Spezialeinheiten ausbilden und bei Konys Ergreifung unterstützen. Über Obamas Motive wurde heftig spekuliert, denn die LRA war nie eine Gefahr für US-Interessen. Es gehe um kürzlich entdeckte Ölvorkommen in der Region, hiess es. Oder um eine Gegenleistung für Ugandas Hilfe im «Krieg gegen den Terror». Das ostafrikanische Land hat Soldaten nach Somalia in den Kampf gegen die islamistischen Shabaab-Milizen entsandt. Diese verübten im Gegenzug Terroranschläge in der ugandischen Hauptstadt Kampala.

Bislang hat der US-Einsatz nicht zum Erfolg geführt, obwohl Konys Truppe nur noch aus etwa 1000 Kämpfern bestehen soll. Doch selbst wenn der grausame Rebellenführer zur Strecke gebracht werde, könne es nicht zu einer dauerhaften Befriedung kommen, so lange das Grundproblem der Region, die mangelhafte Regierungsführung, nicht gelöst sei, glaubt «Foreign Affairs». Wenn Kony erwischt werde, würden sich seine Kämpfer einfach anderen Gruppen anschliessen oder unabhängig vorgehen. Ein Ende der Gräueltaten ist folglich nicht in Sicht. Daran kann auch eine virale Kampagne im Internet nichts ändern.

(pbl)

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Ausgewählte Leser-Kommentare

Die Verbreitungsgeschwindigkeit in so einer kurzen Zeit ist trotzdem faszinierend. Ich persönlich finde, dass es an der Zeit ist nicht immer wegzuschauen. Und wenn man helfen kann nur durch protestieren auf der Straße muss ich sagen finde ich es keine schlechte Aktion. Außerdem wurde niemand zum Spenden gezwungen. Und es hat auch niemand gesagt, dass das Geld direkt auf Uganda geht. – Luc Grünig

Es wurde nicht 3 Mio mal angeklickt und vor allem nicht in einem Zeitraum von 2 Jahren, so wie die "findest du mich hübsch"-Videos. Es waren bisher 32.6 Mio in 2 Tagen und es werden laufend mehr! Wenn das nicht beeindruckend ist, dann weiss ich auch nicht! Und wenn Sie das Video gesehen hätten, dann wüssten sie auch, was ich mit dem genialen Marketing meine. Es hat alle Zutaten um jeden Menschen zu berühren! Es hat ein süsses Kind, einen armen afrikanischen Jungen, einen Bösewicht (der von niemandem unterstützt wird), eine tragische Geschichte, ein Ziel hinter dem alle stehen können... – Tommy

Ich finde die Aktion sehr interessant. Zudem sagt Russel nie, dass auch nur ein einziger Rappen der Spenden nach Uganda geht. Viel mehr erklärt er logisch, dass er damit sein vorhaben, Kony bekannt zu machen, finanziert. Und dazu braucht das Geld nicht nach Uganda zu fliessen, sondern in Aktionen in der ganzen Welt. Dass dabei immer noch genug bleibt um die arme Bevölkerung zu unterstützen ist doch nur ein Pluspunkt? Es ist traurig, dass Medien und Organisationen, welche die Macht hätten um etwas zu ändern, lieber davor warnen anstatt selbst etwas zu tun! – Manuu

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Andy M am 09.03.2012 03:17 Report Diesen Beitrag melden

    Schlanke Organistation ist gefragt!

    Alle Waffenlieferanten, Personen die so einen Rebellenführer noch unterstützen sollten oeffentlich zur Verantwortung gezogen & sehr hart bestraft werden samt allen Rebellen. Dies mit dem Spenden hat so seine Tücken, oftmals versiegt schon sehr viel in der Bürokratie der Organisationen, die kleinen Summen die in den Ländern eintreffen werden auch von korrupten Beamten, Helfer gemindert & nur ein Bruchteil von der Spende erreicht dann evtl. die bedürftigen Menschen. Besser wäre vor Ort ein Hilfswerk zu haben mit vertrauenswürdigen, ehrlichen Personen, wo das Spendegeld effizent einsetzen

  • lilly am 08.03.2012 17:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    nicht direkt charity

    es geht nicht direkt darum, spenden zu sammeln, sondern darum kony bekannt zu machen und auf die von ihm verübten taten aufmerksam zu machen. das ist invisible children definitiv gelungen!

  • derUnbekannte am 09.03.2012 12:53 Report Diesen Beitrag melden

    Krankheit behandeln

    Ein weiterer Warlord, der mit unsauberen Mitteln (was ist schon sauber?) versucht, seine Machtansprüche durchzusetzen. Das ist nichts neues und im Ausmass nicht einmal das tragischste. Man muss solche Sachen immer in Relation sehen - beispielsweise forderte der Darfur-Konflikt weitaus mehr Opfer und Leid. Weniger Emotion und mehr Rationalität hilft oft mehr, gezielt gegen solche Menschen vorzugehen. Kony zu schnappen wird die Situation nicht ändern. Es müssen die tieferliegenden Probleme angegangen werden - die Problematik mit den Kindern ist nur ein Symptom.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Nila Götz aus NY am 11.03.2012 23:50 Report Diesen Beitrag melden

    Der Junge weiss was Böse ist.

    An Dan Wi. 2. Antwort. Der Junge im Video kann unterscheiden zwischen Böse und Gut wenn man ihm das erklärt wie sonst würde er es je lernen wenn nicht so. Sein Papa bringt ihm bei wie zu unterscheiden und je früher er das lernt, desto früher kann er was vielleicht bewirken!

  • Befürworterin am 09.03.2012 14:44 Report Diesen Beitrag melden

    David gegen Goliath

    In der heutigen Zeit beginnt vieles mit David gegen Goliath...die Welt kann verändert werden. GEMEINSAM. Aus diesem Grund befürworte ich solche Kampagnen.....es rüttelt die Menschen auf......und lässt sie handeln. Tolle Sache.

  • Luc Grünig am 09.03.2012 12:53 Report Diesen Beitrag melden

    Es ist Zeit nicht immer wegzuschauen!

    Die Verbreitungsgeschwindigkeit in so einer kurzen Zeit ist trotzdem faszinierend. Ich persönlich finde, dass es an der Zeit ist nicht immer wegzuschauen. Und wenn man helfen kann nur durch protestieren auf der Straße muss ich sagen finde ich es keine schlechte Aktion. Außerdem wurde niemand zum Spenden gezwungen. Und es hat auch niemand gesagt, dass das Geld direkt auf Uganda geht.

  • derUnbekannte am 09.03.2012 12:53 Report Diesen Beitrag melden

    Krankheit behandeln

    Ein weiterer Warlord, der mit unsauberen Mitteln (was ist schon sauber?) versucht, seine Machtansprüche durchzusetzen. Das ist nichts neues und im Ausmass nicht einmal das tragischste. Man muss solche Sachen immer in Relation sehen - beispielsweise forderte der Darfur-Konflikt weitaus mehr Opfer und Leid. Weniger Emotion und mehr Rationalität hilft oft mehr, gezielt gegen solche Menschen vorzugehen. Kony zu schnappen wird die Situation nicht ändern. Es müssen die tieferliegenden Probleme angegangen werden - die Problematik mit den Kindern ist nur ein Symptom.

    • Simone am 09.03.2012 15:31 Report Diesen Beitrag melden

      Stetiger Tropfen hölt den Stein

      Ja aber wer nicht klein anfäng, erreicht nichts Grosses....Ich finde es super und man sollte wirklich mal hinsehen, uns geht es allen sehr gut villeich manchmal zu gut...

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  • Ayshah am 09.03.2012 10:36 Report Diesen Beitrag melden

    Vergebens

    Die Kampagne ist zwar eine gute Idee, aber was nützt eine Kampagne, in der Millionen von Menschen vereint werden und "unterstützen", wenn in Uganda tagtäglich Kinder, Mädchen missbraucht, Menschen umgebracht werden? Die seelische Unterstützung ist vorhanden, ja. Traurig ist, dass keiner was dagegen machen kann, die UNO rührt sich nicht vom Fleck, die USA haben auch nicht den grössten Mut. Millionen, wenn nicht Milliarden von Menschen können einfach nichts machen. Wenn sich die UNO und andere Regierer sich vereinen würden, käme man zu einer Lösung, doch virtuelle Kampagnen bringen nichts.

    • thebee am 09.03.2012 12:25 Report Diesen Beitrag melden

      Veränderung

      Und wenn es nur darum geht, dass diese Taten bekannt werden hat es sich schon gelohnt :-) Mehr Menschen werden darauf achten und vielleicht auch im Kleinen mal was verändern.

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