Valérie Trierweiler

07. Mai 2012 15:57; Akt: 07.05.2012 16:18 Print

Eine ganz normale Première Dame

von Peter Blunschi - Die Journalistin Valérie Trierweiler ist die Frau an der Seite von François Hollande. Ein dekoratives Anhängsel will sie nicht werden, sondern berufstätig bleiben.

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François Hollande und Valérie Trierweiler auf der Place de la Bastille, kurz bevor es zum Kuss kam. (Bild: Keystone/AP/Francois Mori)

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Der Montag war bereits angebrochen, als der neue Präsident François Hollande auf der Place de la Bastille in Paris vor seine begeisterten Anhänger trat. An seiner Seite: die 47-jährige Valérie Trierweiler, seine Lebensgefährtin offiziell seit zwei, in Wirklichkeit bereits seit rund sechs Jahren. Höhepunkt des gemeinsamen Auftritts war ein inniger Kuss – der erste Gefühlsausbruch, den sich die attraktive Journalistin in der Öffentlichkeit erlaubte.

Als «charmant» und «intelligent» wird Valérie Trierweiler von Berufskollegen beschrieben. Für andere ist sie «kalt» und «etwas zu selbstbewusst». Ein konservativer Abgeordneter beschimpfte sie im Wahlkampf in Anspielung auf ihren Nachnamen als Rottweiler, «und das ist kein Kompliment für den Hund». Sogar Nicolas Sarkozy musste sich davon distanzieren. Sie selbst bezeichnet sich als zurückhaltend. Mit dem Seitenwechsel von der Politik-Journalistin zur Politiker-Gattin tat sie sich schwer, wie Trierweiler offen zugibt.

Finanzielle Unabhängigkeit

«Ich fürchte mich davor, meine Freiheit zu verlieren», gestand sie in einem Interview mit dem Magazin «Femme Actuelle». Mit dem möglichen Einzug in den Elysée-Palast beschäftige sie sich «erst seit kurzem». Am liebsten würde sie mit François Hollande weiterhin in einer normalen Wohnung leben, erklärte Frankreichs neue Première Dame in einem anderen Interview. «Aber das ist aus Sicherheitsgründen leider kaum machbar», bedauerte sie.

Ihre Unabhängigkeit will sie trotzdem so weit wie möglich bewahren. So will sie auch in Zukunft als Journalistin arbeiten und ihr eigenes Geld verdienen. «Die finanzielle Unabhängigkeit ist enorm wichtig für mich», betonte Valérie Trierweiler wiederholt. Sie habe für ihre drei Söhne im Teenager-Alter stets allein gesorgt und wolle das auch in Zukunft so halten: «Es ist nicht die Aufgabe von François oder des Staats, für sie aufzukommen.»

Aus einfachsten Verhältnissen

Der Schlüssel zu dieser Einstellung lässt sich in ihrer Herkunft finden. Valérie Massonneau wuchs im westfranzösischen Angers in einfachsten Verhältnissen auf. Ihr Vater hatte im Krieg ein Bein verloren und war invalid, die Mutter musste als Kassiererin in einer Eishalle arbeiten, um die sechs Kinder durchzubringen. Valérie studierte Politik und Geschichte an der Pariser Uni Sorbonne und machte rasch Karriere. 1989 begann sie als Journalistin für das Politikressort des Promi-Magazins «Paris Match» zu arbeiten.

Bereits damals lernte sie den zehn Jahre älteren Abgeordneten François Hollande kennen. Ab 1997 habe sich ein eigentliches Vertrauensverhältnis zwischen dem Sozialisten und der Journalistin entwickelt, gestand sie der Buchautorin Constance Vergara. Doch aus Rücksicht auf ihre Familien bemühten sie sich um Distanz. Valérie Massonneau war nach einer ersten kurzen Ehe mit Denis Trierweiler verheiratet, einem Publizisten und Deutsch-Übersetzer. Er ist der Vater ihrer drei Söhne, seinen Namen behielt sie auch nach der Scheidung.

Hollandes Scheinehe

Ab 2006 begannen Trierweiler und Hollande ein Verhältnis. Er war offiziell noch mit seiner langjährigen Partnerin Ségolène Royal liiert, der Mutter seiner vier Kinder. Sie trat im folgenden Jahr als Präsidentschaftskandidatin der Sozialisten gegen Nicolas Sarkozy an. Um den Schein zu wahren, spielten sie das glückliche Paar, obwohl es bereits Gerüchte über Hollandes «Nebenfrau» gab. Nach Royals Niederlage trennten sie sich, doch erst im Oktober 2010 machte er seine neue Beziehung publik: «Valérie ist die Frau meines Lebens.»

Der grosse Einschnitt erfolgte, als François Hollande im Herbst 2011 als Sieger aus den Vorwahlen der sozialistischen Partei hervorging. Von einem Tag auf den anderen war die Politik für Valérie Trierweiler tabu, sowohl bei «Paris Match» als auch beim privaten Fernsehsender Direct 8, wo sie eine Talkshow moderierte. Heute betreut sie dort ein Kulturmagazin. Der Verzicht sei ihr «sehr schwer» gefallen. Als «Paris Match» kürzlich ihr Foto ohne ihre Einwilligung auf die Titelseite setzte, äusserte sie via Twitter ihren Ärger.

Heirat ist vorläufig kein Thema

Trotzdem unterstützte sie ihren Partner voll und ganz. Sie verpasste dem früher oft etwas schlampigen Hollande ein elegantes Äusseres und liess ihn zehn Kilo abnehmen. Sie hatte in seinem Wahlkampf-Hauptquartier ein eigenes Büro, und nach dem ersten Wahlgang wurde sie beobachtet, wie sie ihm beim Redigieren seiner Ansprache in seiner Heimatstadt Tulle half. Im Interview mit «Femme Actuelle» spielte Trierweiler ihre Rolle herunter: «Ich sage ihm, was ich denke, und berate ihn, aber ich vermeide tunlichst die Politik.»

Dem selbst ernannten «normalen» Präsidenten wird eine ebenso normale Première Dame zur Seite stehen. Sie hoffe, auch in Zukunft unerkannt einkaufen zu können, wenn nötig mit Perücke, wie Vorgängerin Carla Bruni. Ihre berufliche Zukunft finde «sicherlich ausserhalb des französischen Einzugsgebiets» statt, vielleicht in Form von «Begegnungen mit ausländischen Persönlichkeiten». Eine Heirat ist vorläufig kein Thema, auch wenn dies bei Staatsbesuchen zu Probleme führen könnte. Selbst François Hollande hat betont, dass er seine Valérie «sicher nicht aus protokollarischen Gründen» heiraten werde.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Pascal am 07.05.2012 18:04 Report Diesen Beitrag melden

    Première Dame ?

    Das wird Sie wohl nicht sein können, sie wird Hollande nicht an Offiziellen Anlässe begleiten können weil sie nicht verheiratet sind, das ist so !!!

  • Marie am 07.05.2012 16:24 Report Diesen Beitrag melden

    Kein Vergleich

    Die kann man nicht mit Carla Bruni vergleichen. Die beiden sind so verschieden wie Feuer und Wasser. Ich finde Trierweiler äusserst attraktiv, auf eine intelligente, erhabene Weise und für ihr Alter toll aussehend. Bruni war eine hübsche Modepuppe, nicht unbedingt schön (und jetzt schon gar nicht mehr mit ihrem Botox-Unfall im Gesicht). Jede ist für sich schon in Ordnung, aber mit Trierweiler kann ich mehr anfangen. Kann mir vorstellen, dass sie eine wirkliche Stütze ist.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Pascal am 07.05.2012 18:04 Report Diesen Beitrag melden

    Première Dame ?

    Das wird Sie wohl nicht sein können, sie wird Hollande nicht an Offiziellen Anlässe begleiten können weil sie nicht verheiratet sind, das ist so !!!

  • Marie am 07.05.2012 16:24 Report Diesen Beitrag melden

    Kein Vergleich

    Die kann man nicht mit Carla Bruni vergleichen. Die beiden sind so verschieden wie Feuer und Wasser. Ich finde Trierweiler äusserst attraktiv, auf eine intelligente, erhabene Weise und für ihr Alter toll aussehend. Bruni war eine hübsche Modepuppe, nicht unbedingt schön (und jetzt schon gar nicht mehr mit ihrem Botox-Unfall im Gesicht). Jede ist für sich schon in Ordnung, aber mit Trierweiler kann ich mehr anfangen. Kann mir vorstellen, dass sie eine wirkliche Stütze ist.

    • Martial Callair am 07.05.2012 16:46 Report Diesen Beitrag melden

      Sie hat echt Stil...

      Marie, ich bin auch Ihrer Meinung. Das ist wie Tag und Nacht: Die Eine blass, ausdruckslos und mit wenig Charme. Die Andere: Eine reife Frau, mit einem klaren und intelligenten Ausdruck, die etwas darstellt und für diese Aufgabe, die perfekte "Grande Dame" wird!

    • Mammott am 07.05.2012 16:47 Report Diesen Beitrag melden

      Recht haben sie Marie

      oui oui!

    • heinz fritschi am 07.05.2012 17:10 Report Diesen Beitrag melden

      einverstanden

      Reifer Kommentar, Marie.

    • H.Z.V. am 07.05.2012 18:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Ausstrahlung

      Wir sehen taeglich genug Models, eine Praesidenten Partnerin muss eine Ausstrahlung haben, und die neue hat sie! Bonne chances!

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