Neapel

21. Juni 2011 16:06; Akt: 21.06.2011 16:22 Print

Einwohner rebellieren gegen Müll-Debakel

Neapels Stadtbevölkerung hat wieder einmal genug vom Müllgestank. Aus Protest gegen die Müllberge haben die Bürger diverse Strassen mit den Abfallsäcken verbarrikadiert.

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In Neapel stinkt es immer noch. Die Leute haben genug. (Bild: Keystone)

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Neapel versinkt im Müll: Abfallberge türmen sich in den Strassen, wegen der Sommerhitze verbreitet sich ein unerträglicher Gestank. Mit Demonstrationen und Protestaktionen tragen die Stadtbewohner nun ihren Zorn auf die Strasse.

Der Widerstand gegen die nicht mehr funktionierende Abfallentsorgung nimmt dabei eine immer stärker organisierte Form an. Die Einwohner der süditalienischen Metropole wollen mit ihren Aktionen die Behörden zum Handeln zwingen.

So versammelten sich in der Nacht auf Dienstag die Anwohner der neapolitanischen Einkaufsmeile Via Toledo. Um Mitternacht stiessen sie die Kehrichtcontainer um und türmten die Müllsäcke zu Wällen auf, um Fussgängern und Autofahrern den Weg zu versperren.

Am Morgen organisierten Demonstranten in der Innenstadt Neapels weitere Strassenblockaden. Auf dem «Gipfel» eines Müllberges richteten sie eine italienische Fahne auf und sangen die Nationalhymne. Ein weiterer Sitzstreik verursachte massive Verkehrsbehinderungen.

Die wütenden Neapolitaner gehen mittlerweile auch ganz pragmatisch gegen den sich anhäufenden Abfall vor: Wie die italienische Nachrichtenagentur ansa berichtete, musste die Feuerwehr in der Nacht auf Dienstag 25 Mal ausrücken, um in Brand gesetzte Müllhaufen zu löschen. In der Nacht zuvor waren es über dreissig Einsätze.

Umland will Mülllast nicht mehr tragen

Widerstand gegen den Müllnotstand regt sich auch im kampanischen Umland - so beispielsweise in Acerra, rund 15 Kilometer nordöstlich von Neapel. Hier wurden in der Nacht zwei Müllwagen in Brand gesetzt. Unbekannte stellten zudem mehrere Abfallcontainer auf ein Bahngeleise. Die Zugstrecke Neapel - Caserta war eine Stunde lang gesperrt.

Am Dienstag versperrten rund fünfzig Einwohner den Eingang zu einer Mülldeponie. Diese war von der Provinzverwaltung als Zwischenlager für die Abfalltransporte bestimmt worden und füllt sich nun kontinuierlich mit dem Abfällen aus der Millionenstadt.

Viele Protestierende mussten einen Mundschutz tragen, um den beissenden Gestank des Kehrichts aushalten zu können. Sie hielten Schilder die Luft mit der Aufschrift: «Wir haben schon genug geholfen». Die Polizei löste die Blockade am Nachmittag auf.

Die Müllkrise sorgte in Acerra sogar für einen Schulterschluss zwischen den Parteien: An der Deponieblockade nahmen Mitglieder der Stadtregierung, der Opposition und Aktivisten von Umweltschutzorganisationen teil.

Müll in den Strassen von Neapel:

(sda)