Urteil in Florida

10. Mai 2019 13:09; Akt: 10.05.2019 18:31 Print

Krebskrankes Kind muss Chemotherapie fortsetzen

Ein Paar aus Florida brachte seinen an Krebs erkrankten Sohn (3) nicht zur Chemotherapie. Jetzt schritt ein Gericht ein.

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Joshua McAdams (27) und seine Partnerin Taylor Bland-Ball (22) müssen ihren krebskranken Sohn Noah zur Chemotherapie bringen - auch wenn sie damit nicht einverstanden sind. Ein Gericht in Hillsborough County in Florida hat am Donnerstag entschieden, dass die Eltern zumindest die nächste Phase der Chemotherapie fortsetzen müssen. Nach 28 Tagen soll über die weitere Therapie entschieden werden.

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Dürfen Eltern die Chemotherapie für ihr Kind verweigern?

Das Paar hatte vor rund zwei Wochen das Sorgerecht für seinen dreijährigen Sohn verloren. Zuvor waren die Eltern nicht zu einer Chemotherapiebehandlung mit dem kranken Buben erschienen. Daraufhin kam das Kind in die Obhut des Staates.

Der Fall sorgte in den letzten Tagen in den USA für hitzige Debatten: In welchen Situationen dürfen Eltern entscheiden, ärztlichen Anweisungen nicht zu verfolgen und eine alternative Therapie für ihr Kind zu wählen? Als Noah mit akuter lymphatischer Leukämie diagnostiziert wurde, liessen McAdams und Bland-Ball ihn im Johns Hopkins All Children’s Hospital behandeln. Nach zwei Chemotherapiesitzungen durfte die Familie nach Hause: Die letzten Bluttests hatten keine Anzeichen von Krebs gezeigt.

Das bedeute jedoch nicht, dass die Krankheit besiegt sei, erklärt Michael Nieder, Onkologe am Moffitt Cancer Center in Florida, dem Portal «Buzzfeed». Die Heilungsrate für akute lymphatische Leukämie liegt bei 90 Prozent – allerdings nur dann, wenn der komplette Behandlungsplan von bis zu zweieinhalb Jahren Chemotherapie befolgt wird.

Zweite Meinung beim Homöopathen

Die Eltern sollten Noah am 22. April zu einer dritten Chemotherapierunde bringen. Aus Angst vor den Nebenwirkungen der Therapie brachen sie diese ab und kamen nicht zum vereinbarten Termin. Das Spital alarmierte daraufhin die Polizei, die Noah auf die Liste der «gefährdeten vermissten Kindern» setzte.

Wie die Mutter in einem Facebook-Video erzählte, war die Familie nach Kentucky gereist, um eine zweite Meinung bei einem Arzt einzuholen, der sich auf Krebsbehandlung mit medizinischem Cannabis, CBD-Ölen, Diät und Vitaminen spezialisiert hat. Noch bevor sie ihr Ziel erreichten, wurden sie von einer Patrouille angehalten. Noah wurde zu seiner Grossmutter gebracht.

Warum nicht Chemotherapie, wenn es funktioniert?

Das Paar sieht sich als Opfer einer medialen Hetzkampagne. «Wir haben nie unser Kind vernachlässigt», sagt Taylor Bland-Ball in ihrem Video. «Wir werden aber als Verbrecher hingestellt.» Der Anwalt der Familie bedauerte gegenüber dem Sender NBC News, dass «die Medien nicht dazu beitragen wollen, wie Ärzte Fehlinformationen und Gefahren der Chemotherapie verheimlichen».

Bijal Shah, der das Leukämieprogramm am Moffitt Cancer Center leitet, ist überzeugt, dass ohne Chemotherapie der Krebs bei Noah zurückkehren wird. Ausserdem gebe es keinerlei Beweise, dass alternative oder homöopathische Behandlungsmethoden jemals funktioniert hätten. «Ich habe Patienten gesehen, die es mit Vitamin-C-Therapien, Silbertherapien, Marihuana, Stammzelltherapien in Mexiko, Algen und zuckerfreien Diäten versuchten. Nichts davon hat genützt», sagt Shah zu «Buzzfeed». Ausserdem: «Wenn Sie wüssten, dass Chemotherapie bei 90 Prozent der Fälle den Krebs heilt, würden Sie diese Chance verpassen wollen, um stattdessen etwas auszuprobieren, worüber man nichts Konkretes weiss?»

Das Gericht hat den Eltern allerdings nicht verboten, alternative Heilmethoden einzusetzen. Neben Chemotherapie stehe der Familie frei, in dieser Zeit auch zum Beispiel medizinisches Cannabis bei Noah auszuprobieren.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Sternschnuppe am 09.05.2019 13:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unterirdisch

    Dieser Fall ist wieder unterirdisch. Mein Mann hatte Krebs im Satdium IV. Vier Onkologen wollten die Chemotherapie durchführen. Er hat sich dagegen entschieden. Nach Operation und Bestrahlung lebt er nach 6 Jahren immer noch ohne Chemotherapie. Die Nebenwirkungen einer Chemotherapie sind seitenlang zu lesen. Trotz einer Lebenserwartung von nur noch 6 - 12 Monaten lebt er immer noch. Das ist toll.

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  • Mr. Unsicher am 09.05.2019 15:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ja oder nein

    Es gibt viele Patienten die sich gesund fühlen und mehr durch Zufall eine Krebsdiagnose erhalten. Nach dieser Diagnose Chemo. Dem Patienten geht es immer schlechter weil auch sein Immunsystem geschwächt wird. Ich frage mich wieviele Menschen seit Jahren mit Krebs leben, bei denen es nicht diagnostiziert wurde. Und die gut damit leben. Ich bin kein Verfechter der Chemo, würde es mir aber auch gut überlegen. Oft ist es so, dass es mit der Diagnose und den folgenden Behandlungen abwärts geht. Jeder sollte selber entscheiden können und eine 2. Meinung ist immer gut. Riesen Geschäft für Chemiekonz

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  • Schoggi am 09.05.2019 15:19 Report Diesen Beitrag melden

    Geht's noch?

    Die Eltern zu verfolgen wie Kriminalverbrecher, das geht entschieden zu weit. Ausserdem deswegen das Sorgerrecht sofort entziehen, ebenfalls. Eine Androhung wäre vielleicht in erster Linie rechtens. Diese Eltern wollen für ihr Kind bestimmt nur das Beste und das Kind braucht seine Eltern, besonders in einer solchen Situation.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Blasius am 11.05.2019 15:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Verdient

    Mit Donald gehts der Diktatur entgegen; die Amerikaner haben die Regierung, die sie verdienen.

  • Lucy F am 11.05.2019 10:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Irgendwie hoffnungslos :-((

    das Schlimme an der Geschichte ist, dass, egal wie es mit Noah Krebsbehandlung ausgehen wird, der Arzt gut dastehen wird: Stirbt Noah an der Krankheit, sind die Eltern schuld wegen des Therapieunterbruchs. Wird er lebenslänglich etwaige Chemo-Folgen haben, hat man die Krankheit besiegt, obwohl die Krebsmarker jetzt schon nicht mehr da sind.

  • Sehnsucht 6 7 am 10.05.2019 21:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Was kostet Chemotherapie

    Die Chemikerin Claudia Friesen aus Ulm hat herausgefunden das Methadon durchaus helfen kann Krebszellen abzutöten. Klar ist es nicht ganz erforscht worden weil die Pharmaindustrie sich vehement dagegen wehrt finanzielle Mittel bereit zu stellen. Man bedenke das eine Tablette mit ca 40 Franken taxiert wird was bei der Chemo schnell mal an die 100000 Franken kosten kann . Da liegt es auf der Hand das so eine Chemotherapie eher angewendet wird als nach alternativen zu forschen. Die Eltern dieses Jungen haben mit Recht das kritisch hinterfragt und da hat der Staat ganz sicherlich nicht sich einzumischen. Es ist Sache des Arztes und des Patienten fertig. Insbesondere in dieser schweren Zeit braucht so ein Kind die Wärme und Hingabe der Eltern

  • Sehnsucht 6 7 am 10.05.2019 20:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Die Eltern haben nicht ganz Unrecht

    Chemotherapie ist sicherlich ein probates Mittel um den Krebs zu besiegen das steht ausser Frage aber mit Hilfe von Naturheilkunde besser ertragbar für den Patienten. Die Frage ist nach dem wieso die Chemo weiterführen wenn erwiesen ist das keine Krebszellen mehr vorhanden sind , da kommt in mir das Gefühl auf das auf Kosten der KK noch finanzielle Mittel ausgeschöpft werden, schließlich sind solche Behandlungen nicht gerade billig , im Gegenteil sind diese sehr teuer. Die Eltern stellen sich kritisch gegenüber den Ärzten was ja nicht ganz unbegründet erscheint.

  • Bean am 10.05.2019 20:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    was soll das?

    Ich denke kaum, dass, man ohne Chemo Krebs heilen kann. Seid mal realistisch. Klar, tötet man auch gesunde Zellen. Leider reagiert nicht jeder Mensch gleich und die Verträglichkeit ist mal besser, mal schlechter. Da kommt es auf sehr viele Aspekte an. In der Forschung sieht man das Bestens. Jeder Körper ist ein Individium, aber das man mit CBD eine Zellstörung heilen kann - unmöglich. Sorry.