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23. Juni 2016 12:19; Akt: 23.06.2016 12:19 Print

Entscheiden Twitter-Bots die Brexit-Wahl mit?

Britische Forscher haben 1,5 Millionen Brexit-Tweets analysiert und herausgefunden: Ein gutes Drittel wurde von Maschinen verfasst. Das könnte die öffentliche Meinung beeinflussen.

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Der Ausgang des Referendums über den Verbleib Grossbritanniens in der EU könnte auch von Robotern mitentschieden werden, wie Forscher nach einer Analyse der Werbebotschaften der Befürworter und Gegner auf Twitter ermittelt haben. Sie fanden heraus, dass rund ein Drittel der zwischen dem 5. und 12. Juni zum Thema geposteten 1,5 Millionen Tweets nicht von Menschen, sondern von automatischen Spam-Bots versendet wurden.

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Die beiden Internetforscher Philip Howard von der Oxford University und Bence Kollanyi von der Corvinus University haben die Verteilung von Hashtags untersucht, die mit dem Referendum in Verbindung stehen. Sie unterschieden dabei zwischen Hashtags, die für eine EU-Mitgliedschaft Stimmung machen – wie etwa #strongerin oder #remain –, und solchen, die dagegen sind, wie #voteleave oder #takecontrol.

Befürworter aktiver

«Von 1,5 Millionen Tweets, die einen Hashtag mit Bezug zum Referendum aufweisen, waren rund 54 Prozent für den EU-Ausstieg, 20 Prozent sprachen sich dagegen aus», zitiert der «New Scientist» die Experten. Die Forscher stellten dabei fest, dass nur ein Prozent der an der Diskussion beteiligten Nutzerprofile für über 30 Prozent aller Tweets verantwortlich war. Mit anderen Worten: Nur eine kleine Gruppe beeinflusst die Diskussion auf sozialen Netzwerken. Die Forscher vermuten, dass es sich zumindest bei einem Teil davon um Bots handelte.

Ausserdem setzen Brexit-Befürworter offenbar stärker Bot-Programme für politische Propaganda ein als EU-Befürworter. Laut den Ergebnissen der Wissenschaftler wurde im Untersuchungszeitraum mehr als dreimal so viel Spam von den Bots verschickt, die den Austritt aus der EU bewarben, als von solchen, die sich für einen Verbleib aussprachen. «Wir machen uns Sorgen, dass diese Aktivitäten kurz vor der Wahl noch einmal kräftig zulegen werden. Viele Botnetze tauchen erst 36 Stunden vor einer Wahl auf, um dann massive Mengen von Fehlinformationen zu verbreiten», unterstreicht Howard.

Nicht nur die beiden Internetforscher befürchten, dass die rege Bot-Aktivität im Web tatsächlich den Ausgang des Referendums mitentscheiden könnte. Auch die Sozialwissenschaftlerin Susan Banducci von der University of Exeter bestätigt diese Einschätzung. «Diejenigen, die diese Roboter kontrollieren, könnten einen übermässigen Einfluss auf das Abstimmungsergebnis ausüben», sagt die Expertin.

(kle)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • B. Kerzenmacher am 23.06.2016 12:42 Report Diesen Beitrag melden

    Brexit

    Egal wie es ausgeht, es wird das schlechteste Ergebnis für die EU werden. Die Streitereien gehen weiter, keine klaren Verhältnisse. Die EU wird weiterfahren wie bis anhin und der Knall kommt einfach später, aber heftiger und endgültiger als durch heutige Reformen.

    einklappen einklappen
  • Darren am 23.06.2016 13:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    NoMoreEU

    Bin Brite und Schweizer. ich bin so traurig was die EU zu mein Land gemacht hat. wie schlimm muss die EU sein bevor wir sagen dass die EU gescheitert hat. Euro Krise Schuldenkrise Arbeitslosigkeit Krise Asylkrise und und und... Die EU Politiker bezahlen fast keine Steuer und verdienen enorme Löhne. genug! weg damit!

  • Dave am 23.06.2016 12:57 Report Diesen Beitrag melden

    Dass sowas legal ist...

    ...finde ich unglaublich! Mittels Maschinen fiktive Befürworter schaffen und mit gezielten automatisch generierten Kommentaren die Meinung der Nutzer sozialer Medien zu beeinflussen, halte ich für gefährlich nahe an einer Propaganda-Politik in der wenige Leute mittels Beeinflussung und Lügen die breite Mehrheit in die gewünschte Richtung lenken (siehe China). Das ist antidemokratisch und gehört verboten! Das wäre, als ob man bei Abstimmungen Tote auf die Stimmliste setzt, um mehr Stimmen zu haben. Politische Meinungen und Entscheidungsfindungen bei Wahlkämpfen müssen von Bots befreit werden!

Die neusten Leser-Kommentare

  • sonja kummer am 24.06.2016 10:16 Report Diesen Beitrag melden

    Twitter ?

    Ja das Problem ist nur, dass kein normaler Mensch je Twitter für irgendwas braucht. Nur Hipster kümmern sich um diesen Schwachsinn.

    • 30Jähriger am 24.06.2016 12:11 Report Diesen Beitrag melden

      Twitter

      Ich verstehe bis heute noch nicht, wozu Twitter gut sein soll?!

    einklappen einklappen
  • Cavi33 am 24.06.2016 08:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    GB war auch nur Zahler

    Dass die EU nun doch langsam untergeht ist den Deutschen mit Frau Merkel zu verdanken. Als drittgrösste Volkswirtschaft in Europa kann sich Grossbritannien das sicher leisten. Das Desaster ist einzig und allein diesem Hau Ruck Regierungsstil von Frau Merkel zu verdanken. Es wird langsam Zeit wenn sie zurück tritt.

  • Zlottl am 23.06.2016 18:40 Report Diesen Beitrag melden

    Twitter vs Medien

    Macht nix. Die Gegner des Brexits hatten dafür den Grossteil der Medien auf ihrer Seite, sowohl auf der Insel auch auf auf dem Kontinent.

  • Mani Puli am 23.06.2016 18:20 Report Diesen Beitrag melden

    Meinungsmanipulation

    Nicht nur durch Bots, auch durch die Medien wird Meinung erzeugt um die derzeitigen Machtstrukturen zu manifestieren. Dabei hat die EU nichts mehr mit dem ursprünglichen europäischen Gedanken zu tun. Sie ist ein Machtinstrument gegen nationale Interessen, ein Machtinstrument globaler Grossunternehmen und Grossbanken.

  • Martial Kohler am 23.06.2016 16:58 Report Diesen Beitrag melden

    Keine Richtlinie, schade...

    Der Prime Minister David Cameron ist eine Wetterfahne. Zuerst ja, sofort raus, darum Wahlen organisieren. Dann nein wir bleiben in der EU. Was ist denn das für eine Führung ? Seit Lady Thatcher, war nichts mehr sehr effezient, als Prime Minister...!