Argentinien im Tränental

14. Juli 2014 06:51; Akt: 14.07.2014 08:16 Print

Enttäuscht – aber gefeiert wird trotzdem

von K. Leuthold, Buenos Aires - Die langen Gesichter der argentinischen Fans sprechen Bände. Dennoch empfinden sie für ihre Selección nur eines: Stolz. Aber nicht alle mögen sich freuen: es gab auch wüste Krawalle.

Trotz Niederlage: In Buenos Aires wird gefeiert, (Video: Karin Leuthold)
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Es hätte sein können: Bis zur 113. Minute glaubten die Argentinier noch fest daran, dass sie Weltmeister werden. Ein Tor von Mario Götze sorgte aber in dem Augenblick dafür, dass es in der Fanzone von Buenos Aires plötzlich still wurde. Mucksmäuschenstill.

Als das Spiel zu Ende war, fielen sich einige Menschen in die Arme. Andere weinten lieber alleine. Und alle verliessen die Fanzone ganz schnell. Keiner wollte auf den Riesenbildschirmen die Deutschen feiern sehen. «Ich kann es nicht glauben», sagt ein 16-jähriges Mädchen unter Tränen. Sie hatte noch nie ein Final mit der Selección erlebt. Das letzte Mal war dies vor 24 Jahren passiert.

«Enttäuscht bin ich nicht, nur traurig», sagt ein junger Mann. Auf die Leistung seines Teams sei er aber sehr stolz. Ein anderer Fan sitzt auf einer Treppe und schaut ins Leere: «Wir hatten gute Chancen um zu gewinnen, aber Deutschland hat gut gespielt», gibt er zu.

Nach der Trauer, die Party und dann das Chaos

Die Trauer ist allerdings von kurzer Dauer: Schon eine halbe Stunde nach Spielende marschieren Tausende zum Obelisk im Stadtzentrum, um der Selección ihren Dank auszudrücken. Sie singen im Chor: «Argentinien, ich liebe dich von Tag zu Tag mehr» und schwenken blau-weissen Fahnen.

Um Mitternacht (Lokalzeit) artet die Feier aber aus: Chaoten gehen mit Steinen gehen die Polizei vor, zünden Müllcontainer an und zerbrechen die Schaufenster der Theater und Restaurants an der Avenida Corrientes. Ein paar Dutzend Menschen werden verhaftet, die Polizei riegelt schliesslich die ganze Gegend ab.