Jeffrey Epstein

12. August 2019 14:43; Akt: 12.08.2019 18:44 Print

«Können niemanden davon abhalten, sich zu töten»

Die Ergebnisse der Autopsie von Jeffrey Epstein sind noch immer unter Verschluss. Im Gefängnis wurden mehrere Fehler gemacht.

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Die Autopsie des Leichnams des US-Multimillionärs Jeffrey Epstein hat am 16. August 2019 bestätigt, dass der 66-Jährige Suizid begangen hat. Der angeklagte Epstein habe sich laut dem offiziellen Obduktionsbericht erhängt. Der US-Milliardär Jeffrey Epstein soll Dutzende Minderjährige sexuell missbraucht und zur Prostitution angestiftet haben. Er sass in New York im Gefängnis. In der Nacht auf Samstag, 10. August 2019, wurde der Unternehmer tot in seiner Zelle aufgefunden. Bereits zwei Wochen zuvor wurde Epstein in seiner Gefängniszelle in New York verletzt vorgefunden. Gemäss US-Medien entdeckten Wächter Epstein fast bewusstlos mit Blutergüssen am Nacken. Kurz vor seinem Tod soll er einen ersten Selbstmordversuch unternommen haben und daraufhin unter «Selbstmordwache» gestellt und in einen anderen Trakt verlegt worden sein. Trotzdem stand Epstein zum Zeitpunkt seines Todes nicht unter besonderer Beobachtung. Dies, weil das Sondersetting kurz zuvor aufgehoben wurde. US-Justizminister William Barr sprach von «schweren Unregelmässigkeiten» in der Haftanstalt. Michelle Licata (rechts) und Courtney Wild sind zwei seiner Opfer. Epstein soll die beiden sexuell missbraucht haben, als sie noch minderjährig waren. Einige der Mädchen sollen bei den Übergriffen erst 14 Jahre alt und «höchst anfällig für Ausbeutung» gewesen sein: Opfer-Anwalt David Boies spricht vor den Medien. Die Übergriffe fanden zwischen 2002 und 2005 in Epsteins Immobilien in New York (im Bild), Palm Beach und an anderen Orten statt. Bei der Durchsuchung eines Tresors in Epsteins Anwesen in Manhattan wurden mehrere Datenträger mit Nacktfotos von augenscheinlich minderjährigen Mädchen beschlagnahmt. Epstein war am 6. Juli 2019 mit seinem Privatjet aus Frankreich kommend nach der Landung in New Jersey festgenommen worden. Es ist nicht das erste Verfahren gegen Epstein. Eine Staatsanwaltschaft in Florida war 2008 einen umstrittenen Deal eingegangen. Epstein bekannte sich schuldig, Klienten mit minderjährigen Prostituierten versorgt zu haben, und sass eine Gefängnisstrafe von 13 Monaten ab. (27. Juli 2006) Im Gegenzug wurde ihm ein Verfahren vor einem Bundesgericht erspart. Mehrere Frauen hatten ihm Missbrauch vorgeworfen. (Archivbild) Epstein zählte früher unter anderem den heutigen US-Präsidenten Donald Trump, Ex-Präsident Bill Clinton und Prinz Andrew zu seinen Freunden. Vor dem Gerichtsgebäude in New York protestierten am 8. Juli 2019 zahlreiche Frauen gegen Jeffrey Epstein.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Am Sonntag wurde die Autopsie an der Leiche des wohlhabenden US-Financiers Jeffrey Epstein durchgeführt. Der Millionär verstarb am Samstag in einem Gefängnis in New York. Bislang drangen die Ergebnisse nicht zur Öffentlichkeit durch.

Nun kommen allerdings immer weitere Fehltritte der Beamten im US-Bundesgefängnis ans Licht. Eigentlich hätten die Wärter alle 30 Minuten nach Epstein sehen müssen. Dies war allerdings nicht der Fall. Eine Insiderin sprach von fehlendem Personal. Zur «Washington Post» sagte sie: «Wir sind stark überlastet. Es war nur eine Frage der Zeit, bis sich jemand umbringen konnte.»
Einer der zuständigen Wärter soll bereits am fünften Tag hintereinander Überstunden gemacht haben.

«Alles wurde von der Verwaltung verursacht»

Wie die «Washington Post» schreibt, hätte Epstein eigentlich einen Zellengenossen haben sollen. Das Gefängnis habe diesen, einen ehemaligen Polizisten, allerdings kurz zuvor verlegt und Epstein erlaubt, allein in der Zelle zu sein.

Ein Mitglied der Gefängnisbehörde sagte: «Wir können niemanden davon abhalten, sich selbst zu töten. Das Einzige, was das Büro tun kann, ist, das hinauszuschieben.» Dies habe mit Budgetkürzungen der Trump-Administration zu tun. «All dies wurde von der Verwaltung verursacht», sagte Young.

Auch US-Justizminister William Barr hat «schwere Unregelmässigkeiten» in der Haftanstalt beklagt. Diese seien Grund für tiefe Besorgnis und verlangten eine gründliche Untersuchung. Die Bundespolizei FBI und die interne Kontrollbehörde des Justizministeriums würden den Vorgang nun aufklären, sagte Barr am Montag in New Orleans. «Wir werden herausfinden, was passiert ist», versprach er in einer Rede vor Polizisten. Falls angezeigt, würden die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen.

Der mysteriöse Tod von Jeffrey Epstein ist ein gefundenes Fressen für die Verschwörungstheoretiker. Auf Twitter kursieren diverse Gerüchte und Spekulationen.

Clinton wars

Der Komiker Terrence Williams veröffentlichte ein Video und beschuldigte darin die Clintons. Diese sollen beim Tod Epsteins die Finger im Spiel gehabt haben. Er schreibt: «Er hatte Informationen über Bill Clinton und jetzt ist der Mann tot.» Er fügt an: «Gestorben durch Selbstmord unter 24/7-Selbstmord-Aufsicht? Ja, genau! Wie kann das passieren?» Anschliessend forderte Williams seine Fans auf, das Video zu teilen. Einer der Fans war wohl auch der US-Präsident. Trump teilte das Video auf Twitter.

Trump wars

Auch der US-Präsident wird mehrfach von Politikern und Nutzern in den sozialen Medien als Verantwortlicher für Epsteins Tod gesehen. Unter dem Hashtag Trumpsbodycount wurden Tausende Beiträge gepostet. Ein Nutzer postete ein Bild von Trump und Epstein und schrieb: «Trump ist jetzt an der Macht nicht Clinton. So wird es in Russland gemacht. »

Obama wars

Wie schon nach der Festnahme wurde in den sozialen Medien erneut die Theorie geteilt, dass Obama etwas damit zu tun hatte. Dem ehemaligen Präsidenten wurde vorgeworfen, Epstein im Jahr 2008 einen Deal angeboten zu haben. Dies geschah jedoch eigentlich noch unter der Bush-Administration. Nun soll Obama seine ehemaligen Kontakte bei der CIA genutzt haben, um Epstein für immer zum Schweigen zu bringen.

«Einfach zu praktisch»

Keinen Namen nannte der Demokrat und Bürgermeister von New York, Bill de Blasio. Er schrieb, dass der Tod von Epstein «einfach zu praktisch» für seine Komplizen sei. De Blasio kündigte an, dass die Komplizen nicht einfach davonkämen. Man will Gerechtigkeit für die Opfer. «Jeffrey Epstein konnte wohl vor seiner Strafe fliehen. Aber alle anderen Beteiligten, die denken, dass sie nun sicher sind, die täuschen sich.»



Wieso?

Epstein wurden von der Staatsanwaltschaft auch Sexhandel und Verschwörung zum Sexhandel vorgeworfen, er soll zwischen 2002 und 2005 dutzende, teils minderjährige Mädchen sexuell missbraucht und zur Prostitution angestiftet haben. Epstein plädierte auf nicht schuldig.

2008 war Epstein in dieser Sache bereits einem Bundesverfahren wegen Missbrauchsanschuldigungen entgangen, indem er eine Vereinbarung mit der Staatsanwaltschaft auf Bundesebene einging. Dem Deal hatte der damalige Staatsanwalt in Florida, Alexander Acosta, damals zugestimmt.

Der 1953 in New York geborene Epstein hat sein Vermögen vor allem als Investmentbanker gemacht und sich immer gern mit prominenten Stars und Politikern in der Öffentlichkeit gezeigt.

(fss)