Jon Gnarr

16. Juni 2014 20:34; Akt: 12.12.2014 10:59 Print

Er war der coolste Bürgermeister der Welt

Er verkleidet sich gern als Frau, ist Komiker, Punk – und war Bürgermeister von Reykjavik. Warum Jon Gnarr der mit Abstand lässigste Politiker war und warum er jetzt aufhört.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Vor rund vier Jahren wurde der Komiker Jon Gnarr aus Versehen Bürgermeister von Reykjavik. Aus Frust über die damaligen Zustände in Island hatte er gemeinsam mit Musikerfreunden, Komikerkollegen und anderen die «Besti flokkurinn» – übersetzt «beste Partei» – gegründet. Sie versprachen nicht nur einen Eisbären für den Zoo, sondern auch offene Korruption, gratis Handtücher in allen Hallenbädern und weitere lustige Sachen. Sie versprachen zudem, dass Sie sämtliche Versprechen bei einer Wahl brechen würden. Reykjaviks Bürger waren offensichtlich genauso frustriert über die damalige Situation in Island wie Gnarr, denn die «beste Partei» gewann die Wahlen und ging eine Koalition mit den Sozialdemokraten ein.

Verfechter von Gay Pride

Da stand Jon Gnarr nun im Büro des Bürgermeisters und war selbst der Bürgermeister. Eines der ersten Dinge, die er in seinem neuen Büro aufhängte, war ein Druck des Streetart-Künstlers Banksy. Ausserdem liess er sich das Stadtwappen Reykjaviks auf den Unterarm tätowieren. Mit dabei war immer die ganze Welt. Denn Jon Gnarr hat alle per Social Media an seinem neuen Leben als Bürgermeister teilhaben lassen. Am Anfang noch auf Isländisch, dann ziemlich schnell auf Englisch, denn die Fangemeinde wurde immer grösser und internationaler. Mittlerweile zählt seine Facebook-Seite bereits mehr als 95'000 Fans, auf Twitter folgen ihm fast 10'000 Menschen.

Die besten Momente und Bilder aus vier Jahren Jon Gnarr als Bürgermeister von Reykjavik sind oben in der Bildstrecke gesammelt. Auch immer wieder lesenswert ist dieser Brief, den Gnarr an den Moskauer Bürgermeister schickte, als dort die Gay Pride abgeschafft wurde.

Lady Gaga gehört zu seinen Fans

Zudem hat Jon Gnarr ein Buch über seine Zeit als Bürgermeister geschrieben. Es heisst «Hören Sie gut zu und wiederholen Sie!!! Wie ich einmal Bürgermeister wurde und die Welt veränderte». Auf Amazon ist das Buch bereits ein Bestseller. Ob er die Welt wirklich verändert hat, bleibt abzuwarten, das sagt er auch selbst. Lady Gaga hat der Anarchist bereits von sich überzeugt: «Mehr Bürgermeister auf der Welt sollten wie Jon Gnarr sein.»

Zur Wiederwahl am letzten Mai-Wochenende hat sich Jon Gnarr nicht gestellt, denn: «Ich bin Künstler, kein Politiker.» Die Wahlen gewonnen haben nun die Sozialdemokraten. Die Schwester-Partei der «besten Partei», die «strahlende Zukunft», hat zwei von ehemals sechs Sitzen im Stadtrat halten können. Heute wird der neue Bürgermeister Reykjaviks das Büro beziehen. Ob der Banksy immer noch dort hängt?

(hum)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • igor neuffer am 16.06.2014 21:18 Report Diesen Beitrag melden

    Nachtrag

    In diesem schönen Artikel ging verloren, dass Gnarr die Finanzen in Ordnung brachte und auch sonst das Amt höchst erfolgreich führte.

  • Lisa, Bern am 16.06.2014 21:45 Report Diesen Beitrag melden

    Finanzer mit Witz

    Bravo - einfach genial! Wenn wir nur 10 % von diesen witzigen Artgenossen bei uns in Bern hätten....

    einklappen einklappen
  • Ndreas am 16.06.2014 20:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Den muss man einfach mögen...

    Cooler Typ!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Ég heiti..... am 16.06.2014 22:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Tolle Menschen

    Island hat mich bald wieder, freue mich schon auf die Leute und alles! :-)

  • Lisa, Bern am 16.06.2014 21:45 Report Diesen Beitrag melden

    Finanzer mit Witz

    Bravo - einfach genial! Wenn wir nur 10 % von diesen witzigen Artgenossen bei uns in Bern hätten....

    • Alma am 16.06.2014 23:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Geanau

      Genau ;-) Zu schön um wahr zu sein.

    einklappen einklappen
  • oli g am 16.06.2014 21:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    wow !

    der kerl hat format ! alle achtung ! er sollte sich zur wahl als stadtpräsident in winterthur zur verfügung stellen,meine stimme hätte er bereits !

  • igor neuffer am 16.06.2014 21:18 Report Diesen Beitrag melden

    Nachtrag

    In diesem schönen Artikel ging verloren, dass Gnarr die Finanzen in Ordnung brachte und auch sonst das Amt höchst erfolgreich führte.

  • Frankie am 16.06.2014 20:57 Report Diesen Beitrag melden

    Das Ende naht.

    Wie in der Zeit Noahs wird es am Ende sein.

    • Pesche Müller am 17.06.2014 10:37 Report Diesen Beitrag melden

      Bitte?

      Franki, wir beide haben offenbar nicht den gleichen Artikel gelesen ;-)

    einklappen einklappen