Französische #MeToo-Bewegung

27. September 2019 16:08; Akt: 27.09.2019 16:08 Print

Er will sie «zum Orgasmus bringen» – sie zahlt Strafe

Die französische Journalistin Sandra Muller soll eine Geldstrafe zahlen, weil sie «die Grenzen der freien Meinungsäusserung überschritten» habe.

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#MeToo – unter diesem Hashtag begannen in den USA Tausende Frauen nach Bekanntwerden des Harvey-Weinstein-Skandals von ihren eigenen Erfahrungen zu berichten. Sie reichten von verbaler sexistischer Herabwürdigung bis zu sexuellen Übergriffen.

Die in New York lebende Journalistin Sandra Muller lancierte im Oktober 2017 mit #balancetonporc, was so viel wie «Verpfeif dein Schwein» bedeutet, die französische Antwort auf die #MeToo-Bewegung. Sie forderte Frauen dazu auf, Details sowie Namen von Fällen sexueller Belästigung am Arbeitsplatz zu veröffentlichen. Muller selbst schrieb: «‹Du hast grosse Brüste. Du bist mein Typ Frau. Ich werde dich die ganze Nacht zum Orgasmus bringen.› Eric Brion, Ex-Chef von Equidia (französischer Fernsehsender, Anm. Redaktion)».

«Soziale Ächtung»

Am Mittwoch nun wurde sie wegen übler Nachrede von einem Gericht in Paris verurteilt. Muller muss dem früheren Fernsehmanager Brion 20'000 Euro Entschädigung zahlen, wie die «Süddeutsche Zeitung» schreibt. Sie soll «die Grenzen der freien Meinungsäusserung überschritten» und Brion der «sozialen Ächtung» ausgesetzt haben.

Mullers Anwältin übte nach dem Urteil Kritik und meinte, man sage damit den Frauen, dass sie «jedes Wort siebenmal umdrehen müssen, bevor sie twittern». Brion sagte nach dem Urteil gegenüber dem Magazin «Le Point», dass er «extrem erleichtert» sei. Er bestreitet nicht, Muller die oben erwähnten Dinge gesagt zu haben – er habe sich aber am nächsten Morgen per SMS entschuldigt.

Berufung bereits angekündigt

Im Kern des Prozesses ging es darum, zu eruieren, wie sich Mullers Tweet auf das Leben von Brion ausgewirkt hatte. Dieser sagte, dass seine Freundin ihn verlassen habe, er zum Aussätzigen in der Medienwelt geworden sei und noch immer Medikamente wegen einer Depression nehmen müsse. Im Schuldspruch heisst es, dass der «aussergewöhnliche Widerhall» von Mullers Tweet bewirkt habe, dass Brions Name mit Weinsteins Taten in Verbindung gebracht wurde. Dies wiederum habe zur «sozialen Isolation» Brions geführt.

Doch damit ist die Sache noch nicht abgeschlossen. Mullers Anwälte haben bereits angekündigt, gegen das Urteil in Berufung zu gehen.

(dmo)