Strassen und Gebäude beschädigt

05. Juli 2019 02:44; Akt: 05.07.2019 06:46 Print

Erdbeben der Stärke 6,4 erschüttert Kalifornien

Das schwerste Erdbeben seit 20 Jahren hat am Donnerstag den Süden des Bundestaates Kalifornien erschüttert. Der Erdstoss war von Los Angeles bis nach Las Vegas zu spüren.

Überwachungskameras zeigen, wie stark das Beben war: Ein Angestellter eines Restaurants bringt sich in Sicherheit. Video: Storyful
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Ausgerechnet am US-amerikanischen Unabhängigkeitstag hat ein Erdbeben den Süden Kaliforniens erschüttert. Der schwerste Erdstoss seit 20 Jahren war von Los Angeles bis nach Las Vegas zu spüren und schreckte Millionen Menschen auf. Mehrere Strassen und Gebäude wurden beschädigt.

Nach Angaben der Erdbebenwarte USGS hatte das Beben in einer Wüstenregion über 200 Kilometer nordöstlich von Los Angeles eine Stärke von 6,4. Der Erdstoss ereignete sich in einer Tiefe von acht Kilometern. Mehr als hundert Nachbeben trafen die Region. Ersten Berichten zufolge gab es keine Verletzten oder Tote.

Die Feuerwehr von San Bernardino erklärte, Strassen und Gebäude seien beschädigt worden. Örtliche Behörden warnten vor möglichen Nachbeben. Wie der TV-Sender NBC News berichtet, besteht derzeit keine Tsunami-Gefahr.

Erdbeben der Stärke 6,4 erschüttert Kalifornien

Fenster klapperten, Wände wackelten

Die Kleinstadt Ridgecrest nahe dem Death-Valley-Nationalpark wurde beim Erdbeben am stärksten erschüttert. Diane Ruggiero, Geschäftsführerin einer Hotelkette in Ridgecrest, sagte zu CNN, dass das Hotel erhebliche Schäden aufweise. «Die Kronleuchter schwingen immer noch», erzählte sie fünf Minuten nach dem Erdbeben, das um 10:33 Uhr (Lokalzeit) begonnen hatte.


«Alle Fenster im Haus haben geklappert», berichtet Emma Gallegos (34) aus Bakersfield gegenüber «Los Angeles Times». «Es war eine Art langes, sanftes Rollen, und ich fühlte zwei deutliche Wellen.»

«Ich lag auf meinem Bett mit den Füssen gegen die Wand. Da fühlte ich, wie diese wackelte. Ich rief meinen 17-jährigen Bruder und packte meinen dreijährigen Sohn, dann rannten wir nach draussen», erzählt die 22-jährige Edith Mata.


Bomben-Testgelände beschädigt

Das Epizentrum befand sich in unmittelbarer Nähe zu einem 445'000 Hektar grossen Bomben-Testgelände der US-Marine mit Namen China Lake. Es habe «erhebliche Schäden» auf der Anlage gegeben, darunter Brände und den Austritt gefährlicher Substanzen, erklärte ein Vertreter der Einrichtung.

Das letzte grössere Beben in Südkalifornien ereignete sich 1999 in der dünn besiedelten Mojave-Wüste. Der Erdstoss der Stärke 7,1 richtete kaum Schäden an. Ein heftiges Beben in Los Angeles mit tödlichen Folgen liegt gut 25 Jahre zurück. Bei dem Northridge-Beben im Januar 1994 mit einer Stärke von 6,7 starben 57 Menschen. Es richtete Millionenschäden an.

Lana Del Rey und Mariah Carey aufgeschreckt

Der jüngste Erdstoss am Unabhängigkeitstag der USA am 4. Juli, einem Feiertag, richtete in Los Angeles keine Schäden an, schreckte aber die Einwohner auf. «Das war ein Grosses», schrieb die Sängerin Lana Del Rey kurz nach dem Beben auf Twitter. Auch Popstar Mariah Carey war betroffen. «Ich komme aus New York, ich kann damit nicht umgehen», lamentierte die Sängerin auf Twitter.


Sie habe ihr ganzes Leben in Los Angeles verbracht, dies sei der längste Erdstoss gewesen, den sie je gespürt habe, schrieb Regisseurin Ava DuVernay (46, «Das Zeiträtsel») in einem Tweet. Zum ersten Mal habe sie gedacht, dies könnte «The Big One» sein. Damit sprach sie ein gefürchtetes Grossbeben an, das Seismologen Kalifornien seit Längerem vorhersagen.

Gegend anfällig für Erdbeben

Der US-Westküstenstaat gilt als sehr anfällig für Erdbeben: Auf einer Länge von knapp 1300 Kilometern zieht sich der San-Andreas-Graben durch Kalifornien. An der tiefreichenden Störung in der Erdkruste schiebt sich die pazifische Platte nach Nordwesten und reibt sich am nordamerikanischen Kontinent. Dabei bauen sich gewaltige Spannungen in der Erdkruste auf, die sich in Erdbeben entladen können.

Das Beben am Donnerstag ereignete sich auf einer Verwerfung rund 150 Kilometer nordöstlich des San-Andreas-Grabens. In den vergangenen 40 Jahren hätte es in dieser Region acht weitere Male mit einer Stärke von mehr als 5 gebebt, teilte die Behörde USGS mit.

(rab/scl/sda)