«Legt euer Geld in Lira an»

27. Mai 2018 13:33; Akt: 27.05.2018 13:54 Print

Erdogan bittet Türken um Hilfe

Die türkische Lira fällt und fällt. Massnahmen der Zentralbank scheinen zu verpuffen. Präsident Erdogan sucht nun mit einem ungewöhnlichen Aufruf Unterstützung.

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Angesichts des dramatischen Wertverfalls der Lira hat der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan seine Landsleute zum Umtausch ihrer Dollar- und Euro-Ersparnisse in die heimische Währung aufgerufen.

«Meine Brüder, die Dollar oder Euro unter ihren Kopfkissen haben, geht und legt euer Geld in Lira an. Wir werden zusammen diesen Komplott vereiteln», sagte Erdogan am Samstag auf einer Wahlkundgebung in der osttürkischen Stadt Erzurum.

Seit Jahresbeginn hat die Lira gegenüber dem Dollar und dem Euro mehr als 20 Prozent an Wert verloren. Besonders dramatisch stürzte die Lira am vergangenen Mittwoch ab.
Die Zentralbank beschloss daraufhin in einer Krisensitzung, den Leitzins anzuheben, um die Lira zu stützen. Die Währung gab aber am Tag darauf schon wieder nach.

Drohender Verlust bei Wahlen

Der Verfall der Lira könnte Erdogan bei den Parlaments - und Präsidentenwahlen am 24. Juni zahlreiche Stimmen kosten. Der Präsident ist bei seinen Anhängern unter anderem deshalb so beliebt, weil er ihnen wirtschaftlichen Wohlstand brachte. Nun fürchten viele eine Wirtschaftskrise.

Erdogan selbst sieht hinter dem Verfall der Lira und der hohen Inflation von mehr als zehn Prozent keine ökonomischen Gründe, sondern eine Verschwörung heimischer und ausländischer Finanzkräfte, die die türkische Wirtschaft destabilisieren wollten und seine Abwahl befürworteten.

Auch am Samstag drohte er, der Finanzsektor würde einen «hohen Preis» bezahlen, wenn dieser Teil der «Manipulation» der Märkte würde.

Leistungsbilanzdefizit und niedrige Realzinsen

Experten führen den Verfall der Lira vor allem auf das hohe türkische Leistungsbilanzdefizit sowie die niedrigen Realzinsen - die Zinsen abzüglich der Inflation - zurück. Generell reagiert eine Zentralbank mit deutlichen Zinserhöhungen, um die Inflation und den Wertverfall der eigenen Währung zu stoppen.

Erdogan spricht sich jedoch vehement gegen Zinserhöhungen aus, unter anderem, weil diese das Wirtschaftswachstum von 7,4 Prozent im vergangenen Jahr abwürgen könnten.
Verstärkt wurde der Werteverlust der Lira durch Äusserungen Erdogans, wonach er bei einer Wiederwahl die Kontrolle über die Notenbank - die eigentlich unabhängig sein sollte - verstärken wolle.

(sda)