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28. Februar 2011 23:02; Akt: 01.03.2011 08:19 Print

Erdogan verärgert Deutschland

Die Aussage des türkischen Premiers Erdogan, Migrantenkinder sollen ihre Muttersprache vor der deutschen Sprache lernen, sorgt in Deutschland für Unmut.

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Recep Tayyip Erdogan mit seiner Frau gestern in Düsseldorf. (Foto: Reuters)

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Vorgestern sprach der türkische Premier Recep Tayyip ­Erdogan in Düsseldorf vor 11 000 Zuhörern. Er warnte vor der wachsenden Ausländerfeindlichkeit in Deutschland. Auch die zunehmende negative Stimmung gegen den Islam beanstandete er: «Islamphobie ist ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit», erklärte Erdogan. CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe kritisierte Erdogans Aussagen scharf. Er tue so, als ziele deutsche Integrationspolitik darauf ab, kulturelle Wurzeln von Migranten zu kappen. «Damit schürt er unnötig Misstrauen», so Gröhe.

Besonderen Unmut löste Erdogan mit der Aussage aus, Migrantenkinder sollten ihre Muttersprache vor der deutschen Sprache erwerben. «Unsere Kinder müssen Deutsch lernen, aber sie müssen erst Türkisch lernen», so der türkische Premier. Regierungssprecher Steffen Seibert verwies auf die Schulschwierig­keiten von Kindern mit unvollständigen Sprachkenntnissen. «Insofern wäre unsere Überzeugung, dass das Deutschlernen in der Bedeutung dem Türkischlernen zumindest gleichgestellt werden muss.» Die CSU forderte die Einbestellung des türkischen Botschafters in Deutschland. Generalsekretär Alexander Dobrindt sagte, es sei ein «bemerkenswerter Vorgang», wenn ein ausländischer Regierungschef den Besuch nutze, um seine hier lebenden Landsleute «aufzuwiegeln».

(20 Minuten)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Peschä am 01.03.2011 08:12 Report Diesen Beitrag melden

    Osmanisches Reich?

    Anscheinend möchten Erdogan und andere am liebsten ein neues osmanisches Reich errichten?!? Wenn sich Migranten am neuen Ort nicht integrieren wollen, sollten sie sich überlegen, ob es nicht besser wäre, nach hause zu fahren. Wenn grosse Gruppen an einen neuen Ort gehen und dort ihre eigene Kultur durchsetzen wollen, nennt man das Kolonialismus. Was das für die Einheimischen für Folgen haben kann, sieht man z.B., wenn man sich die amerikanische Geschichte ansieht.

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  • Sal am 01.03.2011 09:16 Report Diesen Beitrag melden

    Erdogan ist im Recht

    Ich weiss nicht wieso diese Aussage für Unmut sorgt. Wer nicht seine eigene Muttersprache kann, der wird auch nicht eine andere Sprache gut lernen können. Die Basis um eine andere Sprache zu lernen, ist meiner Meinung nache die eigene Muttersprache.

  • Peschä am 01.03.2011 09:09 Report Diesen Beitrag melden

    Parallelgesellschaften

    Wenn man von Migranten nicht Integration und auch eine Portion Assimilation verlangt, führt dies zur Bildung von Parallelgesellschaften. Wenn einheimische Kinder zudem Schulen besuchen, mit Migrantenanteilen von über 50% oder gar >90% führt dies zudem zu einem Verlust der heimischen Dialekte und lokalen Bräuche. "Multikulti" führt also nicht zu mehr kultureller Vielfalt, sondern zu einem Kultursterben.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Özgul am 03.03.2011 15:05 Report Diesen Beitrag melden

    Türkei

    Lang lebe das osmanische Reich!

  • Maggy am 02.03.2011 22:16 Report Diesen Beitrag melden

    Logopäden unter sich?

    Jeder halbwegs gebildete Mensch weiss, dass ein Bébé in der Wiege den Zungenschlag von Vater und Mutter kennenlernt. Je besser das "Grundmuster" der ersten Sprache, (das m u s s von den eigenen Leuten kommen,) desto leichter lernt jedes Kind eine zweite Sprache. Fragt doch mal ausgewiesene Fachleute! ;)

  • Peschä am 01.03.2011 13:29 Report Diesen Beitrag melden

    Multikulti?

    Mir scheint, dass manche Migranten nur sehr wenig Interesse an der Kultur ihres Gastlandes haben...

  • B. Kerzenmacher am 01.03.2011 12:40 Report Diesen Beitrag melden

    Erdogan erkennt lediglich den demographischen

    Wandel in D im gegensatz zu den deutschen Politikr und passt seine Politik dem an. Dem sagt man; die Interessen seiner Landsleute wahrnehmen und vertreten soweit wie möglich. Das würde man eigentlich auch von hiesigen Politiker erwarten. Aber ausser ständige Anpassung an die Anderen inklusive dem Islam, ist noch nichts derartiges zu vernehmen, und die Kraft dazu bzw. der politische Wille das zu ändern auch nicht. Somit wird man sich mit Forderungen wie jene Erdogans auch zukünftig abfinden müssen. Das Problem liegt hier und nicht bei Erdogan, darüber besteht hoffentlich Einigkeit.

  • Manfred Stierli am 01.03.2011 10:45 Report Diesen Beitrag melden

    "Damit schürt er unnötig Misstrauen"

    Und damit hat Gröhe recht. Eigentlich ist es doch völlig klar, dass praktisch jedes Kind erst die Sprache lernt, die die Eltern sprechen. Weshalb also diese Aussage von Erdogan?

    • Xoff Pardey am 01.03.2011 14:31 Report Diesen Beitrag melden

      Es ist eben nicht allen klar...

      Das Erlernen der Muttersprache ist essentiell - die einzigen, die das nicht anerkennen wollen, sitzen in der Deutschen Regierung. Dass Erdogan das so explizit sagt, erklärt sich mir daraus, dass viele fremdsprachige Eltern meinen, sie müssten mit ihren Kindern Deutsch (oder eben das, was sie dafür halten) sprechen. Leider ist das aber genau der falsche Ansatz. Eine Gesprächskultur im Elternhaus (in Muttersprache, notabene!) ist sehr wichtig für den Erwerb der Zweitsprache Deutsch. Das ist auch vielen Eltern in der Schweiz nicht klar...

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