Vorbestrafter Security

09. Oktober 2018 18:24; Akt: 09.10.2018 18:24 Print

Erdogans Männer fürs Grobe

Weilt er in Deutschland, setzt der türkische Präsident auf die Sicherheitsdienste eines Türken aus Hamburg – einen vorbestraften Handyverkäufer.

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Der Hamburger Türke Nuri Harmankaya (41) ist der Anführer der Gruppe Team Yörükoglu Europ». Diese sorgt für die Sicherheit, wenn der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan in Deutschland auf Besuch weilt.

Zuletzt sah man Harmankaya und seine Männer, als Erdogan Ende September in Köln die DITIB-Moschee eröffnete. Auch beim G20-Gipfel in Hamburg letzten Sommer waren sie um das Wohl des türkischen Machthabers besorgt. Sie hatten entsprechend Zugang zu neuralgischen Punkten. Und das nicht unbedingt zu recht, wie Recherchen des Norddeutschen Rundfunks (NDR)zeigen.

«Wer unseren Anführer unglücklich macht ...»

Denn Harmankaya ist offiziell gar nicht im Sicherheitsgeschäft tätig. Dennoch posierten er und seine Männer beim G20-Treffen vor der türkischen Regierungsmaschine. Wie sie überhaupt auf das Rollfeld gelangen konnten, ist unklar. Eine Zugangsgenehmigung hatten sie laut Bundeskriminalamt keine.

Der 41-Jährige betreibt laut NDR einen Handyladen in Hamburg und ist wegen unerlaubten Waffenbesitzes vorbestraft. Auch sonst trat er bereits «mehrfach kriminalpolizeilich in Erscheinung», wie die Hamburger Polizei mitteilte.

In den sozialen Medien droht Harmankaya offen Erdogan-Kritikern («Wer unseren Anführer unglücklich macht, den machen wir unglücklich») und zeigt ebenso offen rechte Tendenzen: Er und seine Männer machen den Gruss der islamistischen Muslimbrüder oder der Grauen Wölfe, die der Hamburger Verfassungsschutz als türkische Rechtsradikale einstuft.

Auf Facebook veröffentlicht Harmankaya Fotos einer Pistole und von geladenen Magazinen. Unterschrift: «Die Nächte bieten für jedes Problem eine Abhilfe.»

Das Schweigen der Ämter

Harmankaya gibt an, dass er und seine Truppe die Sicherheitsaufträge jeweils vom türkischen Generalkonsulat in Hamburg oder von Vertretern der türkischen Regierungspartei AKP erhalten. Doch das Konsulat und die AKP bestreiten dies: «In Deutschland haben wir keine Vertretung.»

Trotz seiner Verurteilung und Nähe zu rechtsradikalen türkischen Nationalisten – Harmankaya arbeitete bei Erdogan-Besuchen offenbar informell mit der deutschen Polizei zusammen und erhielt Zutritt zu besonders geschützten Bereichen. «Wie kann das sein?», fragt der NDR.

Er erhielt darauf keine Antwort: «Deutsche Sicherheitsbehörden wollten sich auf Anfrage zu dem Mann und seiner Truppe nicht äussern», heisst es. «Auch das Bundesinnenministerium und der Verfassungsschutz schweigen auf Anfrage, ebenso der islamische Verband DITIB, der die Zentralmoschee in Köln betreibt.»

Die Polizei Köln gab in der Zwischenzeit bekannt, dass sie im Zusammenhang mit der Moschee-Einweihung und den Tätigkeiten von Harmankayas «Sicherheitstruppe» Ermittlungen aufnahm.

(gux)